Der Anker ist bereits in die türkis glitzernde Wasseroberfläche abgetaucht, der Bug des schmalen Schiffs gleitet langsam auf die weiße Sandbank zu. Doch plötzlich sind da zwei Hunde, hervorgestreunert durch die Palmen, die hinter dem Strandstück eng beieinanderstehen. Sie kleffen und sie knurren, unaufhörlich.

So machen sie deutlich, was auch Jake Lindo langsam dämmert – auf dieser Insel an Land zu gehen wird dieses Mal eher schwierig. Es ist ein ernüchterndes Rückzugsmanöver. Doch das Lächeln, das der 28-Jährige den gesamten Tag über auf den Lippen hat, bleibt trotzdem dasselbe.

Bekannteste Insel der Philippinen ist Palawan

Seit nunmehr sechs Jahren darf er durch das größte Naturreservoir der Philippinen schippern. Als Guide verantwortet Jake Ausflüge wie diesen, dafür muss er sich sogar einmal jährlich einem anspruchsvollen einwöchigen Training unterziehen. „So stolz“ sei er, diesen Job auszuüben, erklärt er und schiebt sich seine Sonnenbrille auf die Stirn – auch seine Augen lachen.

Und von zwei Hunden lässt man sich die Laune hier schon mal gar nicht verderben. Dann steuert er mit seiner dreiköpfigen Crew eben eine andere der insgesamt 45 paradiesischen Inseln im Norden der wohl bekanntesten philippinischen Insel Palawan an.

Die Philippinen sind bekannt für traumhafte Inseln wie Apulit Island in der Taytay-Bucht im nordöstlichen Palawan.

Die Bacuit Bay von El Nido ist eine ganz besonders gut behütete Gegend des Landes, quasi ein riesiger Wassernationalpark. „Diese Naturvielfalt gibt es nur hier, es leben so viele Tiere auf den Inseln“, sagt Jake – und lässt es sich bei dieser Gelegenheit natürlich nicht nehmen, einen flotten Spruch an die beiden frechen Kleffer zu richten: „Ihr Lebensraum ist eigentlich ein anderer – aber auch sie sind willkommen.“ Dass sie hier sind, ist ihnen nicht zu verdenken; und wer würde diesen Ort schon freiwillig wieder verlassen?

Tourguide ist auch Schwimmlehrer

Längst steht Jake am nächsten malerischen Strand. Die feinen Sandkörner auf der Insel Dibuluan bilden einen so sanften Untergrund, dass man denken könnte, auf einem Teppich geleitet zu werden. Wahlweise führt dieser zu dem unter Palmen gedeckten Tisch, oder aber ins wohl temperierte Nass. Etwa um schwimmen zu lernen.

Jake hat es schon vielen Menschen beigebracht, auch diesmal ist er mit einem Anfänger und einer Schwimmboje im Einsatz. Da macht sich das Training bezahlt, bei dem er selbst Distanzen von einem Kilometer zwischen zwei Inseln zu bewältigen hat, wie er erzählt – lächelnd, natürlich.

Touristenführer Jake Lindo fährt fast jeden Tag mit dem Boot in das Gebiet El Nido.


Außer den imposanten bis zu 370 Meter hohen schwarzen und grün bewachsenen Kalkfelsen, die auf jeder Insel in die Höhe ragen und die bis zu 300 Millionen Jahre alt sind, gilt vor allem die Unterwasserwelt von El Nido als eine mit zahlreichen Lebewesen gefüllte Schatztruhe.

Wir haben mehr Korallenspezies als das Great Barrier Reef.

Joey D. Bernadino, Marketingdirektor der El Nido Resorts

Jake assistiert gern beim Schnorcheln, beim Tauchen oder auch beim Paddeln im Kajak durch die besonders beliebte kleine und große Lagune. Hier ist das Türkis noch ein wenig kräftiger. „Wir haben mehr Korallenspezies als das Great Barrier Reaf“, sagt Joey D. Bernardino, Marketingdirektor der El Nido Resorts.

486 an der Zahl sind es, zudem gibt es mehr als 1.000 Fisch- und acht Seegrasspezien. Dazu leben fünf Schildkrötenarten inmitten dieses rund 465 Quadratkilometer umfassenden Archipels. Doch eine so große Naturvielfalt verpflichtet natürlich auch.

Faszinierendes Erlebnis: Das Schnorcheln oder Tauchen mit den ungefährlichen Walhaien ist ein beliebte Touristen-Aktivität.

Naturschutz spielt eine wichtige Rolle

Und so haben sich die mehr als 40.000 Filipinos, die hier leben, vor allem einer Sache verschrieben, um ihr besonderes und gleichwohl sensibles Ökosystem zu pflegen: Nachhaltigkeit. Bereits im Jahr 1998 wurde das Gebiet zur Meeresschutzzone erklärt.

Im El Nido Resort kommt außer dem Naturerhaltungs- und dem Entsorgungsbewusstsein (es wird eine Kein-Plastik-Politik vorgelebt) auch dem Wasserverbrauch eine große Aufmerksamkeit zu. Eine natürliche Pflanzenkläranlage, ein Regenwasserauffangsystem und eine Meerwasserentsalzungsanlage sind nur drei von mehreren gezielten Maßnahmen.

90 Prozent der Beschäftigten des El Nido Resorts stammen aus Palawan, einschließlich Jake. Die ländertypischen Schiffe, die mit ihren Stützen rechts und links wie Wasserläufer daherkommen und mit denen er die Bacuit Bay so gut wie täglich (vier Tage im Monat hat er frei) erkundet, gehören ebenfalls Einheimischen.

Selbst der Fisch, der abends im Restaurant aufgetischt wird, kommt ausschließlich aus den Netzen der lokalen Fischer. Zur Nachhaltigkeitsstrategie gehört eben auch, nicht nur der Umwelt, sondern auch den Menschen und der örtlichen Kultur den Respekt zu erweisen, den sie verdienen.

Einer anderen Topdestination auf Palawan hingegen war dieses Fingerspitzengefühl in jüngerer Vergangenheit etwas abhandengekommen. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte ordnete für die Insel Boracay im April 2018 höchstpersönlich eine halbjährliche Sperre für Touristen an, wegen massiver Umweltprobleme. Seitdem fährt das Land ein strenges Programm, auf die Touristenzahlen wird genaustens geachtet.

Häuser dürfen nicht höher als Bäume sein

El Nido gilt dahingehend als Vorzeigeort. Die Gebäude werden nie höher errichtet als die Baumlinie, zudem wird auf großzügige Abstände dazwischen Wert gelegt, um genügend Privatsphäre zu gewährleisten. Ohnehin werden nur maximal fünf Prozent der Inseln bebaut. Es werden keine Pflanzen angebaut, die nicht sowieso ihren natürlichen Lebensraum auf der Insel haben.

„Wir wollen keine Städte errichten, sondern noch ausreichend Platz haben, um am Strand spazieren zu gehen“, erklärt Bernadino. Wie er das Lebensgefühl in El Nido beschreiben würde? „Man kann hier die Natur auf ihre beste Art und Weise genießen.“

Spanien und USA hatten starken Einfluss

Die besteht auf den Philippinen wohlgemerkt aber nicht nur aus Strand und Meer. Das Land, das in seiner Geschichte fast 300 Jahre Kolonialherrschaft Spaniens und mehr als 40 Jahre die Herrschaft der USA hinter sich hat, gilt nicht nur geschichtlich als abwechslungsreich.

Die 13-Millionen-Einwohner-Metropole Manila ist eine hochmoderne Hauptstadt.


Im Vergleich zu dem nicht allzu entfernten Indonesien, das mit den beliebtesten Inseln Bali und Lombok vorrangig als Bade- und Surfdestination herhält, bieten die insgesamt mehr als 7.000 Inseln eine Menge anderer Höhepunkte.

Da wäre etwa das berühmte Canyoning in den Kawasan-Wasserfällen, bei dem man – wenn man das möchte – von bis zu 13 Meter hohen Klippen springen kann, das Tauchen mit (ungefährlichen) Walhaien oder ein Ausflug zum kleinsten Vulkan der Welt. Auf diese Vielfalt verweisen die Filipinos gern.

Mehrheit der Bevölkerung ist katholisch

Apropos: Die Philippinen sind das einzige Land Asiens mit katholischer Bevölkerungsmehrheit. Rund 80 Prozent gehören der Glaubensgemeinschaft an. Der spanische Eroberer Ferdinand Magellan brachte den christlichen Glauben ins Land, an vielen Orten finden sich Statuen von ihm.

Beim Sonntagsgottesdienst in Cebu, der Hauptstadt zu spanischen Kolonialzeiten, versammeln sich viele Menschen, sogar auf Tribünen. Über Lautsprecher und Leinwände werden die Worte des Priesters übermittelt. Es ist ein Event für die ganze Familie.

Ausnahmezustand: Einmal jährlich findet das christliche Fest Sinulog auf den Philippinen statt.

Sinulog ist das wichtigste Fest

Einmal jährlich, am dritten Samstag im Januar, findet das große Sinulog-Festival statt, dann herrscht Ausnahmezustand auf den Philippinen. Das Fest wird zur Feier eines der wichtigsten Relikte des Landes abgehalten: des Santo Niño de Cebu. Der portugiesische Entdecker überreichte die Statue des Jesuskindes 1521 dem damaligen Rajah Humabon von Cebu.

See im Krater: Der Taal auf der Insel Luzon gilt als der kleinste aktive Vulkan der Welt.

Mit dem Boot auf den Vulkan-See

Der größte Trubel herrscht ansonsten in der 13-Millionen-Einwohner-Region Manila. Die hochmoderne philippinische Hauptstadt mit ihren zahlreichen und gigantischen Einkaufszentren ist auch der Ausgangspunkt für die Besteigung des kleinsten aktiven Vulkans der Welt: dem Taal.

Mit dem Boot fährt man auf dem Taal-See zum Vulkan, wo man beispielsweise vom 34-jährigen Van Nato in Empfang genommen wird. Er leitet Besucher die rund 45 Minuten dauernde Strecke zu dem mit Wasser gefüllten Krater hinauf. Immer mal wieder treten dabei Schwefeldämpfe aus dem Boden.

Van Nato bringt Reisende auf der Insel Luzon zum Vulkan Taal.

Seit dem 12. Januar 2020 zeigt der Taal eine erhöhte vulkanische Aktivität. Es gab einige Verletzte, getötet wurde aber niemand. Aktuell haben die Behörden eine erhöhte Warnstufe ausgerufen. Es wurde eine Sperrzone um den Hauptkrater eingerichtet. Ein schwerer Ausbruch liegt schon lange zurück: Im Jahr 1965 kamen 3.220 Menschen ums Leben.

Um den staubigen Weg zum Gipfel nicht selbst erklimmen zu müssen, stehen Pferde bereit. Insgesamt leben 1.500 der Tiere auf der Insel. Van gehört zu den 7.000 Einwohnern – doch er geht lieber zu Fuß. Seit er den Job vor vier Jahren angetreten hat, nachdem er zuvor im saudi-arabischen Rijad als Fahrer arbeitete, hat er 20 Kilogramm abgenommen, von 85 auf 65.

„Das ist mein Workout“, sagt er mit kratziger Stimme. „Die kommt bestimmt von dem ganzen Staub“, scherzt er, trotz seines Tuchs, das er sich meistens vor den Mund zieht, „hört sich an wie ein Husky, oder?“ In El Nido könnte er damit vielleicht ja die Hunde vertreiben …

Tipps für deine Reise auf die Philippinen

Das Reiseziel: Die Philippinen befinden sich im Pazifischen Ozean. Das südostasiatische Land umfasst mehr als 7.000 Inseln. Hauptstadt ist Manila.

Anreise: Zum Beispiel mit Singapore Airlines und der Tochter Silk Air von Frankfurt am Main oder Düsseldorf über Singapur nach Cebu und Manila. Die Reisezeit beträgt zwischen 18 und 19 Stunden – inklusive Umsteigezeit in Singapur.

Einreise: Für einen Aufenthalt von maximal 30 Tagen bekommen Deutsche bei der Einreise ein gebührenfreies Visa on Arrival – wenn sie ein gültiges Rück- oder Weiterflugticket vorlegen können. Der Reisepass muss noch sechs Monate über die Reisedauer hinaus gültig sein.

Beste Reisezeit: Auf den Philippinen herrscht ein tropisches Klima mit geringen Temperaturschwankungen. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen bei 26 bis 27 Grad Celsius. Die beste Reisezeit ist während der Trockenzeit von November bis Mai. Die Regenzeit fängt im Juni an und dauert bis Anfang Oktober.

Unterkünfte: Die El Nido Resorts sind eine Gruppe nachhaltiger Ferienresorts in den Regionen El Nido und Taytay auf der Insel Palawan. Auf der Insel Cebu empfiehlt sich das Dusit Thani Mactan Cebu Resort, das direkt am Strand steht. Es befindet sich – wie auch das Resort in Manila – nur rund elf Kilometer vom internationalen Flughafen entfernt.

Währung: Die Landeswährung der Philippinen ist der Peso. Vielerorts ist auch die Zahlung mit den gängigen Kreditkarten möglich.

Sicherheit: Die Inseln liegen in einer seismisch aktiven Zone – es kann also zu Erdbeben kommen. Jährlich ziehen etwa 20 Taifune durch das Staatsgebiet. Es gibt 53 aktive Vulkane.

Die Reise wurde unterstützt vom Philippine Department of Tourism. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.