Das Coronavirus hat Italien fest im Griff, aufgrund der Krankheitswelle gilt eine Notfallverordnung. Zwischenzeitlich hat die Regierung 14 Orte abgeriegelt, darunter auch die Metropole Mailand und die Touristenhochburg Venedig. 

Am Montagabend teilte Ministerpräsident Giuseppe Conte mit, die Reiseeinschränkungen und das Verbot öffentlicher Versammlungen auf das ganze Land auszuweiten. Deshalb hat das Robert-Koch-Institut am Dienstagvormittag ganz Italien zum Risikogebiet erklärt. Das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen nach Italien ab.

Was heißt das konkret für Einwohner und Touristen, die sich derzeit dort aufhalten? Wer in Italien ist, darf das Haus nur aus gutem Grund verlassen. Alle Geschäfte und Restaurants sind geschlossen, auch Museen, Kulturzentren und Skigebiete sind dicht

Aber, darauf weist die italienische Regierung hin: Die Mobilität wird nicht komplett gestoppt. Flüge und Züge seien weiter im Einsatz, jedoch müssten alle Fahrten einen Grund haben. Die Polizei hat das Recht, Menschen anzuhalten und sie danach zu fragen. Derzeit fahren allerdings keine Züge mehr von Italien nach Österreich oder in die andere Richtung. Autofahrer werden an den Grenzen kontrolliert und dürfen Österreich nur ohne Zwischenstopp passieren. 

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Reisende sollen sich mit Veranstalter oder Airline in Verbindung setzen

Das Auswärtige Amt teilte – Stand Dienstag – mit: „Von nicht erforderlichen Reisen nach Italien wird derzeit abgeraten“. Wer eine Reise geplant habe, solle sich unbedingt beim Reiseveranstalter beziehungsweise bei der Fluggesellschaft erkundigen, ob diese weiterhin stattfinde. 

Coronavirus in Südtirol: Skigebiete und Hotels machen dicht

Seit Dienstag sind alle Skigebiete auf italienischem Staatsgebiet geschlossen, das hatte die italienischen Regierung am Montag angeordnet. Betroffen sind davon auch die Skigebiete in Südtirol.

Reisende sind verunsichert. Können sie ihre Pauschalreise nun kostenlos stornieren? Beantworten kann die Frage Reiserechtsanwalt Paul Degott aus Hannover.

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Kann ich die geplante Reise nach Italien kostenlos stornieren?

Durch die neue Ausweitung der Einschränkungen auf das ganze Land können Pauschalreisen nach Italien kostenlos storniert werden. Ein geordneter Urlaub in Italien sei derzeit nicht möglich. Die Folgen der Coronavirus-Ausbreitung gelten als außerordentlicher Umstand und ermöglichen es Urlaubern deshalb, vom Vertrag zurückzutreten. „Supermärkte sind geschlossen, Museen dicht, das öffentliche Leben ist eingeschränkt. Hinzu kommt noch die Ansteckungsgefahr“, sagt Degott. 

Das gleiche Recht haben übrigens auch Veranstalter, auch sie können den Reisevertrag ebenfalls wegen außergewöhnlicher Umstände kündigen. Der Reisepreis muss vom Veranstalter zurückgezahlt werden. Anspruch auf Schadensersatz haben Urlauber dann aber nicht, so Degott.

Individualreisende müssen auf Kulanz setzen

Das Reiserücktrittsrecht gilt jedoch nur für Pauschalreisende. Wer individuell unterwegs ist, zum Beispiel mit dem Mietwagen oder dem Zug, und das Hotel extra gebucht hat, ist auf die Kulanz der Vertragspartner in Italien angewiesen. 

Was ist mit meiner Südtirol-Reise?

Nach Einschätzung von Reiserechtsanwalt Degott lautet die Antwort: Pauschalurlauber könnten sich nach der Einstufung des RKI und dem Hinweis des Auswärtigen Amtes, dass nicht erforderliche Reisen nach Südtirol verschoben werden sollten, ebenfalls auf „außergewöhnliche Umstände“ berufen und kostenlos vom Vertrag zurücktreten.

Zudem schließen Skigebiete und Hotels vorzeitig, die Wintersaison ist beendet. Es besteht aber Hoffnung, dass die Hotels und Skigebiete angesichts der Umstände Kulanz walten lassen: „Unseren Betrieben empfehlen wir sich zu bemühen, den Gästen im Rahmen der Möglichkeiten Ausweichtermine anzubieten und bei Stornierungen möglichst kulant entgegen zu kommen“, so Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV) .

Individualreisende, die zum Beispiel mit dem Auto anreisen, sind aber auch hier auf die Kulanz der Betreiber angewiesen. „Es greifen in der Regel die Standard-Stornobedingungen des jeweiligen Unterkunftsbetriebs“, teilt die Tourismusorganisation der Region mit. Detaillierte Infos dazu erteile der gebuchte Unterkunftsbetrieb und gegebenenfalls die Gesellschaft der Reiseversicherung.

ÖBB stellt Zugverkehr nach Italien ein

Am Mittwochmorgen teilten die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB mit, den Zugverkehr von und nach Italien bis auf weiteres komplett einzustellen. Fernverkehrszüg nach Italien starten und enden in Villach bezwiehungsweise Innsbruck. Die ÖBB-Nightjets starten und enden in Villach. 

ÖBB-Tickets nach Italien mit Gültigkeit bis einschließlich 3. April 2020 können kostenlos storniert werden.

Zugtickets in Italien werden kostenlos erstattet, wenn Reisende ihre Fahrt wegen des Coronavirus-Ausbruchs nicht antreten wollen. Trenitalia teilte mit, dass sie die Fahrten unabhängig vom Tarif komplett erstatten werde, wenn Reisen abgesagt werden. Wer ein Ticket für einen Hochgeschwindigkeits- oder Fernzug gebucht hat, erhält demnach ein Voucher mit der Gültigkeit von einem Jahr. Wer einen Regionalzug gebucht hat, bekommt eine Erstattung in bar.

Schnellzug-Anbieter Italo bietet Gustcheine für alle Reisen aus den und in die betroffenen Regionen im Norden Italiens an. Sie bleiben bis Ende Juli gültig.

Ich habe Coronavirus-Symptome: Wer zahlt die Behandlung?

Fieber oder Husten: Wer im Urlaub Anzeichen einer Corona-Infektion hat, sollte sich dringend durchchecken lassen. Aber: Wer bezahlt dafür? Um nicht selbst auf den hohen Arztrechnungen sitzen zu bleiben, empfiehlt der Bund der Versicherten für alle Auslandsreisen, unabhängig vom Coronavirus, eine private Auslandsreisekrankenversicherung.

Diese übernimmt im Urlaub Kosten, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht gedeckt sind, auch die Kosten bei einer Coronavirus-Behandlung.

„Der Versicherungsschutz einer privaten Auslandsreisekrankenversicherung gilt unverändert, die Kunden sind also gegebenenfalls auch bei Reisen nach China entsprechend versichert“, teilte der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) Anfang Februar mit. 

Wer nach der Rückkehr in Deutschland Symptome hat, sollte ebenfalls zum Arzt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Tests auf das Coronavirus.