Sie übernachtete im Baumhaus neben einem aktiven Vulkan, wachte in Südafrika vom lauten Schmatzen eines Hippos vor dem Zelt auf und lernte im Himalaya-Gebirge von buddhistischen Mönchen: Die vergangenen sechs Jahre ihres Lebens bezeichnet Liane als eine „Aneinanderreihung von Highlights“. Die 29-Jährige ist seit dem Jahr 2014 auf Dauerreise und hat seither 63 Länder gesehen.

Die Leidenschaft fürs Unterwegssein liegt in der Familie: „Mein Vater war Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn. Ich bin also als Kind schon überdurchschnittlich viel mit dem Zug unterwegs gewesen“, erzählt sie dem reisereporter. Er habe ihr schon früh von alten Kulturen und fremden Ländern erzählt und so ihr Fernweh geweckt.

Weltreise seit sechs Jahren – und auf der Suche nach sich selbst

„Irgendwann hat er mir dann beigebracht, wie man Karten liest und sich in Straßennetzen zurechtfindet“, erinnert sich Liane. „Mit 14 hat er mir dann in London einfach die U-Bahn-Karte in die Hand gedrückt und ich durfte allein durch London laufen.“

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Der Beginn ihrer Reiseleidenschaft. Mit 15 brach sie zum ersten Mal allein zu einer Reise auf, nach Österreich, und im Jahr darauf ging es nach Italien und in die Schweiz.

Liane an einem Wasserfall. Sie liebt es, in der Natur zu sein.

Doch Europa war Liane nicht genug. Auslöser für die Weltreise sei dann, rückblickend betrachtet, ihr Studium der sozialen Arbeit gewesen. Dabei habe sie sich viel mit Konditionierung beschäftigt, mit dem Einfluss der Menschen und der Umwelt auf eine Person. 

Das Resultat: „Ich war mir nicht mehr sicher, wer ich eigentlich bin. Also wollte ich raus in die Natur und mich mit all meinen Gedanken konfrontieren. Sehen, ob ich auch allein überlebensfähig bin.“ Deswegen kaufte sie sich 2014 ein Zelt und flog nach Alaska – der Start ihrer Weltreise.

Und die ist bis heute nicht zu Ende. „Je mehr man gesehen hat, desto neugieriger wird man. Es ist wirklich wie ein Rausch, den man erlebt. Je extremer meine Art zu reisen wurde, desto süchtiger wurde ich nach mehr.“

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Meistens sind es die Geschichten dahinter, die all das ungewöhnlich machen.

Liane Völker

Sie selbst bezeichnet es als Reisesucht, es sei aber weiterhin auch der Drang nach persönlicher Weiterentwicklung. Viele Erfahrungen hatten mit persönlichem Wachstum zu tun.

„Klar könnte ich jetzt sagen, dass es atemberaubend war, mit dem Fahrrad durch die Atacama-Wüste zu fahren, dass es unglaublich war, die Salzwüste in Bolivien zu sehen, die Baobab-Bäume auf Likoma Island, auf Vulkane auf der ganzen Welt zu kraxeln, aber meistens sind es die Geschichten dahinter, die all das ungewöhnlich machen“, sagt Liane.

Da sei der Lakota-Indianer gewesen, mit dem sie Wasserzeremonien beigewohnt habe. Da waren die Inuit, die sie in Alaska eingeladen und ihr viel über das Leben und die Natur erzählt haben. Ihre Zeit bei den Mönchen im Himalaya-Gebirge, die ihr den Buddhismus nähergebracht haben. Oder der Vipassanakurs in Kathmandu: zehn Stunden am Tag für zehn Tage meditieren und ganze zehn Tage nicht sprechen.

Das Reisen als Achterbahnfahrt

All die Erlebnisse machten das Reisen ein wenig zu einer Achterbahnfahrt – „nur, dass man davor nicht wusste, worauf man sich da eigentlich einlässt“.

Liane will andere an ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

Was Liane im Laufe der Jahre feststellte: Eine Rückkehr nach Deutschland kam für sie nicht infrage. „Eine normale 40-Stunden-Woche, die mich auspowert und mich so ermüdet, dass ich danach nur Fernsehen möchte, konnte ich mir lange nicht vorstellen. Ich will nicht auf die Rente warten, um Abenteuer zu erleben.“

Ihr Zelt, das Reisen, das Unterwegssein haben sich zu ihrer Komfortzone entwickelt. „Kommt über eine gewisse Zeit kein neuer Input oder eine neue Herausforderung, dann wird es schnell langweilig“, sagt Liane.

Deshalb gründete Liane die Facebook-Gruppe

Viel Input bekommt sie in der Facebook-Gruppe „Weltreise und Langzeitreise Community“ – diese hat sie selbst im Jahr 2016 gegründet. Damals war sie in Nicaragua von einem Hund gebissen worden und musste für einige Zeit zurück nach Deutschland, weil es ihr nicht gut ging. „Es hat nicht lange gedauert, da hatte ich so Fernweh, dass ich eine Online-Community aufbauen und Menschen miteinander verbinden wollte, die so sind wie ich. Gleichzeitig wollte ich inspirieren und Menschen unterstützen, ihre Weltreise zu planen.“

Inzwischen hat die Gruppe knapp 25.000 Mitglieder, die für 25 bis 30 Beiträge pro Tag sorgen – „ein absoluter Selbstläufer“, sagt Liane. Warum braucht es eine solche Gruppe? „Viele Informationen gibt es auf Blogs und anderen Seiten, aber es ist dann doch etwas anderes, sich persönlich Unterstützung suchen zu können und Fragen loszuwerden.“

Manchmal sei auch der ein oder andere amüsante Reisende dabei: „Ich erinnere mich noch an den Typen, der mit einem Einkaufswagen unterwegs war. Das war schon eine sehr ungewöhnliche Hausnummer.“ 

Am liebsten schläft Liane in einem Zelt.

Aber oftmals helfen die Gruppenmitgliedern auch Reisenden in Not: „Mal funktioniert die Kreditkarte nicht, ein anderer steckt irgendwo fest oder hat kein Geld mehr für eine Unterkunft. Und der Klassiker sind all die Hilferufe von Reisenden, die Heimweh haben. Da ist die Community dann da.“

Facebook-Gruppe, Buch: Immer neuer Input

Doch Liane wäre nicht Liane, wenn sie nicht schon wieder ein neues Projekt in den Startlöchern hätte. Sie will auch ein Buch schreiben – „über all die tiefgreifenden Momente, die mich zu der Person gemacht haben, die ich heute bin. Geschichten über Mut, das Anderssein und warum ich die Welt heute als Ganzes wahrnehme und mir mehr Weltoffenheit wünschen würde“.

Was sonst noch 2020 ansteht? „Keine Ahnung“, sagt Liane. Das lasse sie – wie immer – auf sich zukommen. „Ich genieße den Prozess, herauszufinden, wo ich hingehöre und was ich in meinem Leben noch so alles machen kann.“