Mit Böen von bis zu 75 Kilometern pro Stunde peitschte der Wind den Staub aus der afrikanischen Wüste auf die Kanaren-Inseln: Das Gesundheitsministerium der Kanarischen Inseln bat Anwohner und Urlauber am Samstag und Sonntag, aufgrund der hohen Staubbelastung möglichst nicht aus dem Haus zu gehen und Fenster geschlossen zu halten. Ein Sahara-Sandsturm, genannt Calina, hatte auf den Inseln für Chaos gesorgt.

Kanaren-Präsident: Schlimmster Sahara-Sandsturm seit 40 Jahren

Es sei ein „Wochenende der Alpträume“ infolge der schlimmsten Calima seit 40 Jahren gewesen, sagte der Präsident der Kanarischen Inseln, Ángel Victor Torres, laut einem bericht der regionalen Zeitung „La Provincia“.

„Man war mehr oder weniger gezwungen im Hotel zu bleiben. Der Sturm war heftig und mit dem Sand in der Luft wurde es auf Dauer unangenehm draußen“, erzählt Urlauberin Isabelle Sachert dem reisereporter von der Lage am Samstag. Die Berlinerin ist aktuell auf Fuerteventura. Es sei „faszinierend, aber auch beängstigend“ gewesen.

Flugverkehr auf Kanaren am Montag wieder aufgenommen 

Sandsturm führt am Sonntag zur Einstellung des Flugverkehrs

Sämtliche Flughäfen der spanischen Urlaubsinseln wurden am Sonntagnachmittag geschlossen, teilte die Verwaltungsbehörde Aena mit. Man werde versuchen, Flüge auf andere Airports umzuleiten. Bereits ab Samstagnachmittag hatten Dutzende Flugzeuge vor allem auf Gran Canaria und Teneriffa nicht mehr landen oder starten können.  

In der Nacht zu Montag wurde der Flugverkehr dann an allen Airports langsam wieder aufgenommen, so die Behörde Aena.

Hunderte Flüge von Calima-Sandsturm auf Kanaren betroffen

Vond er Schließung der Airports seien laut Aena rund 822 Flüge mit Tausenden betroffenen Passagieren. Flüge wurden teilweise zu anderen Airports umgeleitet, andere wurden gecancelt oder mussten umkehren.

So auch Tuifly-Flug X3-2668, der war am Samstag mit nur leichter Verspätung von Leipzig/Halle in Richtung Gran Canaria, doch dort kamen die Passagiere vorerst nicht an. Die Boeing 737 kehrte über Spanien um und landete dann in Nürnberg, das zeigen die Daten von „Flightradar 24“.

Es sei ein „sehr schwieriger Tag“ auf den Kanaren gewesen, twitterten die Fluglotsen. Denn: „Samstag ist der Wochentag mit der höchsten Verkehrsbelastung. Abweichende Flüge bedeuten daher in einer bereits komplexen Situation einen zusätzlichen Aufwand. Kompliziert für Passagiere, Fluggesellschaften und Flughäfen.“ 

Calima sorgt für Schäden auf Kanaren

Auf den Inseln wurden durch die heftigen Windböen zudem Bäume entwurzelt und Strommasten umgerissen worden. Medien berichteten, dass Müllcontainer, Schilder und andere größere Gegenstände wie Spielzeug durch die Luft flogen. Die Calima soll noch bis Montag andauern. 

Der Sandsturm hatte auch Auswirkungen auf Waldbrände in der Nähe von Tasarte auf Gran Canaria sowie Feuer auf Teneriffa – diese konnten sich extrem schnell ausbreiten und sorgten für Evakuierungen, von denen fast 1.000 Menschen betroffen waren.

Sahara-Sandsturm auf Kanaren: Was ist eine Calima?

Bei einer Calima wird feiner Saharasand vom Wind übers Meer getragen, die Kanaren befinden sich 300 Kilometer östlich auf Höhe der Wüste, berichtet „Teneriffa News“. Das Wetterphänomen entsteht, wenn ein Hochdruckgebiet die Temperaturen über der Sahara ansteigen lässt, gleichzeitig sinkt die Luftfeuchtigkeit rapide ab. 

Das macht es möglich, dass der Sand in die Atmosphäre gesaugt wird. Er kann so über Hunderte Kilometer weit getragen werden.

Die Calima kann bei Menschen wegen der Staubbelastung zu Atemwegsreizungen führen und den Flugverkehr behindern, weil die Sicht extrem schlecht ist.