Hotel Lunik

Ein grauer Betonklotz mit eingeschlagenen Fensterscheiben. Der Putz blättert ab. „I ♥ EHST“ steht ganz oben, das Erdgeschoss ist mit graffitibeschmierten Brettern zugenagelt, vom einstigen Spitzenhotel mit Edelrestaurant, Intershop und Disco ist nicht mehr viel übrig.

Entdeckst du die Fenster, in denen I ♥ EHST geschrieben steht?

Das Lunik (russisch: kleiner Mond) ist Sinnbild für die gescheiterte Treuhandpolitik, seit dem Mauerfall wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer. Ein Rückkauf blieb der klammen Stadt trotz mehrerer Anläufe bis heute verwehrt, aus dem DDR-Schmuckstück wurde ein verlorener Ort, ein Lost Place. Es ist der Ausgangspunkt deiner Reise durch Eisenhüttenstadt. Wenn keiner hinschaut, ist DAS der Moment, ein Selfie mit dem gigantischen Blickfänger in der Stadt zu knipsen.

Hotel Lunik Eisenhüttenstadt | Straße der Republik/Lindenallee

Lindenallee

Der erste Anlaufpunkt nach dem Lunik ist die Lindenallee, das Zentrum der Planstadt und Teil des Flächendenkmals Eisenhüttenstadt, wo ein Hauch von DDR durch die verlassenen Geschäfte zieht. Das menschenleere Herz der Stadt wirkt ein bisschen wie ein Lost Place.

Das war nicht immer so, zu DDR-Zeiten kamen die Leute von weit her zum Einkaufen, die Versorgungslage gehörte zu den besten im sozialistischen Staat. Bis heute hast du von der Lindenallee aus die beste Perspektive auf den Hochofen des Stahlwerks.

In der Lindenallee und in der ganzen Stadt findest du zahlreiche DDR-Plastiken, halte bei deinem Stadtrundgang einfach Ausschau!

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DDR-Plastiken im Gartenfließ

Ein Hauch von DDR-Romantik weht durch den kleinen Park im westlichen Stadtzentrum – durch das Grün fließt ein kleiner Fluss, und im Frühling werden hier Blumen gepflanzt. Im Gartenfließ findest du die höchste Dichte von Kunst im öffentlichen Raum, kleine Skulpturen und Plastiken in Form von Menschen beim Sport, auch einige Tierskulpturen sind zu sehen.

Ein Spaziergang im Zeichen der Kunst: Das Gartenfließ ist mit zahlreichen Plastiken geschmückt.

Friedrich-Wolf-Theater

Der Charme der 1960er-Jahre umgibt das Theater in der Lindenallee. Es war eines der ersten Gebäude der Stadt (eröffnet 1955). Es ist nach wie vor ein kulturelles Zentrum von „Hütte“, jedes Jahr im Mai findet hier die Tanzwoche statt, in der die vielen Vereine der Stadt ihr Können zeigen. Versteckt im Treppenhaus des Theaters findest du das große Wandmosaik „Theater Varieté“ von Walter Wichmann.

Das Theater ist seit den 1960er-Jahren der kulturelle Mittelpunkt von Eisenhüttenstadt.

Um es zu sehen, musst du auf eine Veranstaltung warten, die abends und nicht täglich stattfinden – wenn du die Mitarbeiterin Regina Richter-Piehl anrufst (03364 771611) und lieb fragst, könnte es für dich eine Ausnahme geben.

Friedrich-Wolf-Theater | Lindenallee 23, 15890 Eisenhüttenstadt | Öffnungszeiten: je nach Veranstaltung

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Wandmosaik „Deutsch-polnisch-sowjetische Freundschaft“

Das Wandmosaik „Deutsch-polnisch-sowjetische Freundschaft“ von Walter Womacka auf dem Giebel am ehemaligen Kaufhaus Magnet in der sogenannten Magistrale ist das schönste in ganz Ostdeutschland. Neben der Stalinstadt-Postkarte kannst du das Mosaik als Postkarte in der Touristinformation erwerben – ein Must-have –, wenn du es dir für dein Wohnzimmer nicht größer drucken lassen willst.

Walter Walecka hat sich mit zahlreichen Wandmosaiken in Eisenhüttenstadt verewigt, wie hier an der Lindenalle.

Wohnkomplex I

Die ersten Wohnhäuser der Stadt liegen zwischen Beeskower Straße (Norden), Karl-Marx-Straße (Osten) und Straße der Republik (Süden) sowie Lindenallee (Westen). Weil die bis 1952 entstandenen Gebäude im WK 1 für ihn nicht genug „Ausdruck des Aufbauwillens“ einer Stadt des Proletariats verkörperten, mischte sich Walter Ulbricht höchstpersönlich in die Stadtplanung ein.

Die Gebäude im Wohnkomplex I waren nicht prächtig genug – ein Grund, warum die Häuser im WK II kunstvoller verziert wurden.

Wohnkomplex II

Die Bauherren um den Architekten Kurt W. Leucht legten sich ins Zeug, mit Balkonen, Loggien und Kunst verzierten sie die Wohnhäuser im Komplex II. Der schönste Teil von Eisenhüttenstadt liegt im Süden der Straße der Republik zwischen Fritz-Heckert-Straße (Westen) und Erich-Weinert-Allee (Osten).

Kunstvoll verzierte Balkone und Aufgänge sind das Markenzeichen der Häuser im Wohnkomplex II.

Schau genau hin, fast jeder Aufgang und Balkon im Flächendenkmal Eisenhüttenstadt ist kunstvoll verziert. In einem der geräumigen Innenhöfe ist eine knapp 30 Meter lange Bank versteckt. Im WK II befindet sich auch das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, in dem du viele Informationen zu Eisenhüttenstadt und zur DDR finden wirst.

Platz des Gedenkens

Es ist der tristeste Ort von Eisenhüttenstadt, der leere Platz im Wohnkomplex I. Gleich neben der Lindenallee siehst du den großen Sowjetstern auf dem Obelisken, der den verlassenen Platz des Gedenkens schmückt. Das graue Denkmal erinnert an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Unter der Erde neben dem Denkmal ruhen Soldaten der Roten Armee und Kriegsgefangene aus dem Lager Stalag III. Immer am 8. Mai legen einige Eisenhüttenstädter Bürger Blumenkränze ab.

Ziemlich trist: Der leere Platz des Gedenkens im Wohnkomplex I.

Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

Langer Name, kurzer Sinn: Mit über 150.000 Gegenständen bietet das Museum im zweiten Wohnkomplex tiefe Einblicke in die Realität zu DDR-Zeiten. Neben intellektuellem Input über den DDR-Alltag und die Eisenhüttenstädter Stadtplanung findest du auch eine knallgelbe Simson und ein schönes Mosaik von Walter Womacka im Treppenflur.

Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR | Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt | Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertage von 11 Uhr bis 17 Uhr | Eintritt: zwei bis vier Euro

Das Rathaus von Eisenhüttenstadt

Von außen wirkt der gelbe Bau trist, in seinem Inneren wartet auf dich ein Mosaik an einer kompletten Saalwand im Rathaus: „Unser neues Leben“. Es besteht aus etwa 100.000 Naturstein-Teilen, es gibt sogar einen Defa-Film, der die Arbeit Walter Womackas im Rathaus dokumentiert.

Das Rathaus ist auch von innen sehenswert – dank eines weiteren Wandmosaiks von Walecka.

Das Rathaus ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Es wurde 1955 errichtet als Haus der Parteien und Massenorganisationen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Modell der Stadt.

Rathaus Eisenhüttenstadt | Adresse: Zentraler Platz 1, 15890 Eisenhüttenstadt | Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr

Eisenhüttenkombinat Ost

Zu DDR-Zeiten war es das Eisenhüttenkombinat Ost – die Bewohner von „Hütte“ nennen es das Eko. Bis zu 16.000 Menschen arbeiteten zu Ost-Zeiten im Stahlwerk, heute sind es noch knapp 2.000 – dazu kommen Tausende Arbeitsplätze von ausgelagerten Firmen. Nach dem Mauerfall wurde das Werk mit großen Schwierigkeiten privatisiert, heute gehört es zum weltgrößten Stahlproduzenten ArcelorMittal.

Das Stahlwerk ist für Besucher leider seit 2017 geschlossen, davor gab es regelmäßige Exkursionen. Nur für angehende Fachkräfte und Schulklassen gibt es Ausnahmen. Aber beim Stadtfest kannst du dir ein Bild von der Produktion machen.

Hier wird die Bedeutung der Stahlproduktion deutlich: Nur dafür wurde Eisenhüttenstadt geplant und gebaut.

Von der Lindenallee hast du eine gute Sicht auf die Hochöfen des Werkes. „Dieser Stahl ist hier gekocht. So wird es bleiben!“ steht unübersehbar auf einer großen Tafel vor dem Tor in der Beeskower Chaussee geschrieben. Das verrät viel über die Stadt, die nur wegen der Stahlproduktion von der DDR-Nomenklatura geplant und gebaut wurde.

Nach dem Mauerfall hat sich die Stadt stark verändert, das Stahlwerk war von Unsicherheit geprägt, die Tafel mit der prägnanten Aufschrift entstand infolge von Streiks in den 1990er-Jahren.

ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH | Werkstraße 1, 15890 Eisenhüttenstadt

Stadtteil Fürstenberg (Oder)

Der historische Stadtteil mit seinen engen Gassen und der über 800 Jahre alten Geschichte wirkt wie ein anderer Ort. Von der Brücke aus eröffnet sich ein schöner Blick auf den Stadtteil mit seiner gotischen Backsteinkirche St. Nikolai – Smartphone bereithalten. Wenn du über die Brücke weiterläufst, findest du dich plötzlich mitten in der Natur wieder. Du kannst am Fluss spazieren gehen oder ein Picknick machen.

Städtisches Museum (Galerie)

Moderne Kunst, sehenswerte Wechselausstellungen, Hintergrundwissen zur Stadtgeschichte und im Sommer Hofkonzerte findest du in der Galerie im schönen Stadtteil Fürstenberg. Das Museum in der Löwenstraße hat sich auf etablierte und junge Künstler der neuen Bundesländer spezialisiert. Es besitzt außerdem eine Sammlung von Kunst der DDR: Malerei, Grafik und Kleinplastiken.

Werke von Künstlern der neuen Bundesländer und aus der DDR-Zeit findest du im Städtischen Museum.

Städtisches Museum | Löwenstraße 4, 15890 Eisenhüttenstadt | Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr und am Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr | Eintritt: 1,50 bis drei Euro

Lost Place: Die zerbombte Oderbrücke in den Oderwiesen

Ein Lost Place ist zu finden, wenn du die Fürstenberger Brücke (Neue Brückenstraße) überquerst und ein Stück hinter dem Deich nach links in die Oderwiesen läufst. Der Blick auf die vor dem Sturm durch die russische Armee zerbombte Brücke auf der anderen Oderseite ist atemberaubend, vor allem im Winter mit den „Brieger Gänsen“ (runde Eisschollen). Die Atmosphäre hat etwas Apokalyptisches.

Zerbombte Brücke in Eisenhüttenstadt, OT Fürstenberg (Oder) | Lage: In den Oderwiesen hinter der Brücke Fürstenberg