Mehr als zwei Jahre hat sich Japan aufgrund der Corona-Pandemie von der Welt abgeschottet – nun dürfen seit dem 11. Oktober wieder unbegrenzt Pauschal- und Individualreisende einreisen. Das sorgt für einen Buchungsboom bei Flugreisen.

Urlauberinnen und Urlauber benötigen nur noch eine vollständige Impfung plus Booster beziehungsweise einen negativen PCR-Test vor Abreise, der höchstens 72 Stunden alt ist. Eine Maskenpflicht gibt es im ganzen Land fast überall – vor allem in Geschäften und Restaurants.

Aber auch unabhängig von den Corona-Regeln kann dir schon mal ein Fauxpas unterlaufen, da Japanerinnen und Japaner als besonders höflich und ordnungsliebend gelten. Damit dir das nicht passiert, hat der reisereporter bei Experte Rainer Stobbe, studierter Japanologe, nachgefragt: Was sind die wichtigsten Etiketten im Land der aufgehenden Sonne?

Dem Gesprächspartner in die Augen gucken gilt in Japan als aufdringlich

Schon gleich bei der Ankunft am Flughafen lauert das erste Fettnäpfchen. So könnte es vorkommen, dass dir Flughafenmitarbeiter bei der Einreise-Kontrolle einige Fragen stellen. Wichtig ist hierbei: Schau deinem japanischen Gesprächspartner nicht direkt in die Augen. „Das ist in Japan unüblich, es gilt als aufdringlich“, sagt Stobbe, der einige Jahre im Land gelebt hat und auch als Reiseleiter tätig war. Besser sei es, dem Gegenüber auf den Mund zu gucken – oder eben auf die Maske. Diese Etikette gilt natürlich auch außerhalb des Flughafens.

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Wer zum Beispiel nach dem Weg oder der richtigen U-Bahnhaltestelle fragt, sollte Einheimischen nicht direkt in die Augen gucken. Das gilt als unhöflich.

Touris aufgepasst: Nicht beim Gehen essen

Sobald die Kontrollen überstanden sind, macht sich bei vielen Urlaubern der Hunger bemerkbar. Nach einer langen Anreise im Flugzeug wäre ein kleiner Snack nicht schlecht. Doch die nächste Bahn zum Hotel fährt bald los. Also bleibt nur Zeit für einen Happen auf die Hand. Unterwegs essen ist in Deutschland zwar gang und gäbe, aber in Japan ist es nicht gern gesehen.

„Gegessen wird in Ruhe“, sagt Stobbe. Denn: Die Japaner machen eine Sache nach der anderen. Das heißt, erst essen, dann gehen. „Um strafende Blicke zu vermeiden, sollten Reisende sich einen Platz zum Hinsetzen suchen und dann ihren Snack genießen“, so der Experte aus Berlin, der Japanologie studiert und bereits große Teile des Landes bereist hat.

Am Bahnhof sei auch das Essen einer Suppe im Stehen okay. Anders sieht es beim Trinken aus: Besonders bei Hitze sei das Nippen aus einer Flasche akzeptabel.

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Leise Unterhaltungen in der Bahn sind in Ordnung, lautes Schnäuzen nicht

Nach einer schnellen Mahlzeit geht es dann meist ab in die Bahn. Wie auch in vielen anderen Ländern ist lautes Quatschen dort aber äußerst unhöflich: „Eine gedämpfte Unterhaltung ist jedoch vollkommen in Ordnung“, so Stobbe.

In ein Taschentuch schnäuzen – das sollten Japan-Reisende in der Öffentlichkeit vermeiden. Eine Toilette ist dafür der richtige Ort.

Sollte dir von der Klimaanlage im Flieger im Nachhinein die Nase laufen, dann benutze kein Taschentuch in der Öffentlichkeit. Die Japaner tun sich mit dem öffentlichen Naseputzen schwer. Zum Niesen oder Schnäuzen solltest du deshalb eine Toilette aufsuchen. Ist keine in der Nähe, dann darfst du den Schnupfen hochziehen. Das gehört laut Stobbe sogar zum guten Ton.

Vor dem Toilettenbesuch heißt es in Japan: Schuhe aus, Slipper an!

Endlich im Hotel angekommen, drückt auch meist die Blase. Bei einem Toilettenbesuch kannst du allerdings vieles falsch machen. Da das stille Örtchen bei den Japanern als unrein angesehen wird, gibt es für diesen Bereich extra Slipper. Deine eigenen Schuhe solltest du also vor der Klotür ausziehen und die Slipper anziehen.

Natürlich kann dir auf deinem Hotelzimmer niemand vorschreiben, wie du das Badezimmer betrittst – in einem Restaurant oder in manch einer Bar kann das Missachten dieser Regel jedoch peinlich werden, sollten dich die Betreiber  auf den Schuhwechsel ansprechen.

Wenn du wiederum vergisst, die Slipper auszuziehen, könnte das in der Lokalität für laute Lacher sorgen. „Ich habe schon erlebt, wie das betrunkenen Urlaubern oder Einheimischen passiert ist“, verrät Stobbe.

Toilettenschuhe sind in Japan weit verbreitet. Touristen sollten sie aber nach dem Toilettengang wieder ausziehen.

Vorsicht mit der Klospülung – ein falscher Knopf kann im Desaster enden

Große Vorsicht ist vor allem beim Spülen der Toilette geboten. Die sogenannten Washlets – mit denen man sich auch den Po waschen kann – haben viele Knöpfe, die ziemlich verwirrend sein können.

„Selbst ich traue mich nur, den Spülknopf zu drücken, obwohl ich mich seit über 30 Jahren mit Japan beschäftige“, sagt der Japan-Experte, „denn schon einige meiner Freunde haben den falschen Knopf erwischt und waren danach frisch geduscht.“

Bei japanischen Toiletten ist Vorsicht geboten: Wer einen falschen Knopf drückt, ist schnell komplett nass.

Es ist unhöflich, dem Tischnachbarn die Füße zu zeigen

Apropos Restaurant: Laut Stobbe bekommen die Kellner recht hohe Löhne, weshalb auch die Preise für das Essen hoch sind. Das Trinkgeld ist da schon mit eingerechnet. Deshalb ist es eher unüblich, welches zu geben.

Und auch folgenden Hinweis zum Schluss solltest du ernst nehmen. Beispielsweise kann es beim Besuch einer traditionellen Gaststätte vorkommen, dass du im Schneidersitz auf dem Boden vor deinem Tisch sitzen musst. Für Menschen mit langen Beinen kann das auf Dauer unangenehm sein. Trotzdem solltest du deine Beine nicht ausstrecken: „Dem Sitznachbarn seine Füße zu zeigen gilt als sehr unhöflich“, warnt der Japanologe. 

Wenn du Schmerzen hast, kannst du deinen Ausländerbonus in Anspruch nehmen und kurz aufstehen, um die Beine auszuschütteln.