In China gilt absolutes Reiseverbot, Kreuzfahrtschiffe stehen tagelang unter Quarantäne und zahlreiche Flugverbindungen sind vorerst gestrichen. Das Coronavirus hat bereits jetzt gravierende Auswirkungen auf die Reisebranche. Wie sich das aber langfristig gestaltet, lässt sich nur vermuten.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) jedenfalls sieht vorerst keinen Grund zur Sorge. In einer entsprechenden Pressemitteilung wird die Vorsitzende Petra Hedorfer wie folgt zitiert: „Aktuell können wir noch keine verlässlichen Aussagen zu den Auswirkungen auf das Incoming aus China treffen.“

Chinesen geben sechs Milliarden Euro im Deutschland-Urlaub aus

Allerdings sei Deutschland das beliebteste europäische Reiseziel der Chinesen, und die Hauptreisezeit sei ohnehin der Sommer. Gerade deshalb hoffe die DZT darauf, dass sich die „Situation für chinesische Reisende zeitnah entspannt“. Denn im Jahr 2019 haben die Touristen aus China rund drei Millionen Übernachtungen in Deutschland gebucht und damit einen Marktanteil von 3,4 Prozent erreicht.

Und die chinesischen Gäste erfreuen besonders die deutsche Wirtschaft, denn sie gehören zu den zahlungsfreudigsten Touristen. So haben sie laut DZT im Jahr 2018 rund sechs Milliarden Euro in Deutschland ausgegeben. 

Die DZT glaubt also weiterhin daran, dass die Chinesen im Sommer wieder zahlreich nach Deutschland strömen werden. Natürlich unter der Prämisse, dass bis dahin das Coronavirus eingedämmt ist und dass das Reiseverbot in China wieder aufgehoben wurde.

Trotz Coronavirus: Reiseveranstalter sind optimistisch

Tui-Chef Fritz Joussen allerdings sieht einen Einbruch des Reiseaufkommens als unausweichlich an, wie die „Augsburger Allgemeine Zeitung“ berichtet. Die bisherigen Buchungszahlen weisen demnach darauf hin, dass vor allem Deutsche und Briten weniger Urlaub machen als im vergangenen Jahr. Ganz sicher ist er sich aber mit der Prognose noch nicht, denn es sei auch möglich, dass sich die Zahlen durch Last-minute-Buchungen noch verändern.

Andere Reise-Veranstalter wie die FTI Group und Schauinsland-Reisen sehen die Branche in einer guten Lage. „Unsere Buchungen entwickeln sich sehr positiv und liegen im zweistelligen prozentualen Plus im Vergleich zum Vorjahr“, wird etwa eine FTI-Sprecherin zitiert.

Geht der Kreuzfahrt-Boom weiter?

Eine Verunsicherung wegen des Coronavirus sei nur bei vereinzelten Reisezielen, wie etwa Thailand, zu spüren. Eine Tendenz, die auch Tourismus-Experte Martin Lohmann bestätigt: „Bei Sars und Ebola haben die Menschen bestimmte Ziele gemieden, aber nicht aufs Reisen verzichtet.“

Neben Reisezielen, an denen die gesundheitliche Versorgung nicht dem westlichen Standard entspricht, hat es auch die Kreuzfahrt-Branche schwer aufgrund des Virus. Denn die ersten Anbieter haben die Saison bereits jetzt beendet. Und die Passagiere sind durch die jüngsten Quarantäne-Fälle verunsichert.

Reiseanbieter erwarten Buchungsrückgang

Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Online-Reiseportals „Reise vor 9“. Demnach erwartet jeder fünfte der 250 befragten Reiseexperten einen Buchungsrückgang bei Kreuzfahrten. Zudem sehen etwa 70 Prozent einen deutlich erhöhten Beratungsbedarf bei ihren Kunden. 

Helge Grammerstorf, Deutschland-Direktor des internationalen Verbandes der Kreuzfahrtreedereien, zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass der Kreuzfahrt-Boom wieder Fahrt aufnimmt, sobald die Ausbreitung des Virus eingedämmt ist. 

Deutsche bleiben ihrem Top-Reiseziel von 2019 treu

Insgesamt aber sehen viele Reiseveranstalter den Start ins neue Jahr weniger positiv, wie die Umfrage zeigt. Rund 30 Prozent geben dabei an, dass das Interesse an Reisen deutlich schwächer als im Vorjahr sei, weitere 26 Prozent beobachten eine zumindest „etwas schwächere“ Nachfrage. 

Und trotzdem: Die Deutschen haben Lust aufs Reisen, das zeigen auch aktuelle Ergebnisse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR). Demnach ist die Reiselust der Deutschen seit Jahren konstant hoch.

Und laut Forschungsleiter Lohmann bleiben die Deutschen ihrem Top-Reiseziel auch in diesem Jahr wieder treu: Deutschland. Etwa 30 Prozent verreisen für mindestens fünf Tage innerhalb der eigenen Landesgrenzen. Ansonsten zieht es viele in die Türkei, nach Spanien, Italien oder Österreich