Exotisch ist es hier, mitten im Lower-Mountain-Regenwald. Die bis zu 30 Meter hohen Bäume schirmen die tropische Hitze ab. Das Wechselspiel zwischen dem zarten Grün der Farne und den satten Farben der Baumriesen ist eine Wohltat fürs Auge. Die Rufe der Tropenvögel durchbrechen das monotone Schnarren der hier nur alle 17 Jahre schlüpfenden Zikaden.

Ein Geräusch sticht besonders heraus. „Das ist der Rainbird“, erklärt William Trim. Der ornithologisch als Dominikanerschwalbe bekannte Vogel hat hier eine besondere Funktion. „Wenn er ruft, merken wir, dass sich das Mikroklima ändert“, sagt Trim. Dies tue er aber ausschließlich in der Trockenperiode. Es könnte also demnächst regnen.

Kaum ein anderer kennt die Tier- und Pflanzenwelt der drei Regenwälder Tobagos so gut, wie Trim. Der 60-Jährige arbeitet seit 1991 als Ranger in den insgesamt 3.290 Hektar großen Regenwald. Seit zehn Jahren macht er den Job als Rentner ehrenamtlich – so stark ist der Wunsch, sein Wissen an Besucher weiterzugeben und sich für den Erhalt dieses Naturwunders einzusetzen.

Video: So schön ist es auf Tobago

Chacalaca oder Chocorico?

William Trim, der sich mit seinem Wissen und Einsatz auch unter den Einheimischen höchsten Respekt erarbeitet hat, kennt fast jede der rund 240 Vogelarten der Insel beim Namen, kann jede der 160 Baumarten in diesem Teil des Regenwalds bestimmen. Während er erzählt, hält er kurz inne und formt mit seinen Händen spitze Ohren: „Das ist der Chacalaca“, sagt er und lacht. Die Einheimischen nennen dieses Tier auch Cocorico.

Trim ist ein wandelndes Lexikon mit väterlichem Charme, dem es fast kindliche Freude bereitet, andere an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Dank diesen sieht er die Dinge auch im Verborgenen. Mit bis zu den Knöcheln im schlammigen Regenwaldboden versunkenen Gummistiefeln hockt er sich vor eine Pfütze.

William Trim arbeitet seit 1991 als Ranger und kennt sich mit der Flora und Fauna von Tobago bestens aus.

„Schaut her, das ist die Jumping Guabine“, sagt er und deutet auf einen Schatten im Wasser. Die etwa zehn Zentimeter großen Tiere aus der Gattung der Killifische haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Fischen: Sie können auch eine Zeit lang ohne Wasser überleben, gelten jedoch als Saisonfische, die nach der Regenzeit verenden, zuvor jedoch ihre Eier im Boden ablegen. In der nächsten Regenperiode schlüpft die Brut und der Kreislauf des Lebens beginnt von vorn.

Corbin Local Wildlife Park gibt Einblick in die Tierwelt

Tobagos Fauna ist groß, doch die meisten Tiere scheuen den Kontakt mit den Besuchern im Wald. Zum Glück gibt es Roy Corbin. Der von ihm 2015 eröffnete Corbin Local Wildlife Park ist mehr Wildtierstation als typischer Zoo, gibt seinen Besuchern Einblicke in alles, was man über die Tierwelt des 303 Quadratkilometer kleinen Inselparadieses wissen muss.

Wichtiges Schutzgebiet: Zu den Tieren, die im Corbin Local Wildlife Park leben, gehören Gürteltiere.


Corbin, der nach 30 Jahren Farmer- und Jägerdasein umgesattelt hat auf den Erhalt der Tierwelt, wurden große Teile seines Wissens und Engagements von Umweltschützer Ian Wright vermittelt.

Hier trifft das Aguti aufs Ozelot

Auf 20 Hektar verwunschen angelegter Parkfläche leben in dem Wildlife Park unter anderem etliche Papageien, Schlangen, Gürteltiere, ein Ozelot und das etwa 40 Zentimeter hohe und überaus scheue Nationalnagetier – das Aguti. „Wir zeigen hier nur Tiere, die natürlich auf Tobago vorkommen“, erläutert Wright bei einer Führung. Außer bedrohten Tierarten wie Kaimanen und Waldschildkröten zur Zucht und Auswilderung leben hier auch Opossums, „die Müllmänner des Regenwalds – sie sind wichtig und räumen hier auf“, erklärt Wright, während über ihm Fregattvögel majestätisch ihre weiten Kreise ziehen.

Umweltschützer Ian Wright vom Corbin Local Wildlife Park zeigt eine seltene Waldschildkröte.


Für viele am Boden lebende Tiere gebe es zunehmend Probleme mit streunenden Hunden, diese würden dazu beitragen, dass die Wildtierpopulation verringert werde. Viele verletzte Fundtiere beherbergen er und Corbin in der Station. „Wir päppeln sie auf und wildern sie dann wieder aus“, erzählt Wright von seiner Arbeit.

Diesen Beitrag zum Erhalt der Fauna vermittelt er nicht nur Touristen. Auch Schulklassen kommen und staunen. „Wir leisten hier einen wichtigen Beitrag zur Schaffung eines Nachhaltigkeitsbewusstseins“, sagt Wright.

Pflanzen haben auch heilende Wirkung

Als wir das Gelände verlassen, zeigt unser Fahrer Phill Williams auf einen Strauch: „Das ist die Soursopfrucht, die Stachelannone. Ihre Inhaltsstoffe helfen bei der alternativen Bekämpfung von Krebs“, erklärt er, „wir haben hier für jede Krankheit einen Busch". Die Kultur der Tobagoer ist eng verwoben mit ihrer Natur. Ihr Wissen über die Heilpflanzen bekommen die Einheimischen hier häufig schon als Kind von ihren Eltern vermittelt.

Hotelkonzerne bringen meist ihr Personal mit

Die Themen Natur und Nachhaltigkeit sind auch Steve Felgate wichtig. Der Inhaber des Castara Retreats an der Westküste der Insel legt großen Wert auf den Erhalt des Ökosystems der Insel und die Einbindung der Einwohner. „Die großen Hotelkonzerne bringen meist eigenes Personal mit, das Geld geht aufs Festland“, erklärt er.

Als der Waliser 1996 nach Tobago kam, war er sofort begeistert. „Ich kaufte einen Viertelhektar Land, im Jahr 2000 stand das erste Holzhaus“, berichtet Felgate. Der Landkauf gestalte sich alles andere als einfach. „Wenn man nicht vorher mit der gesamten Eigentümerfamilie spricht, stehen am Ende 64 Cousins auf der Matte und sagen ,Hey, du hast Großmutters Land gekauft, und wir möchten unseren Anteil‘“, sagt er lachend.

Mittlerweile führt er einen florierenden Betrieb, der sich an den Hang von Castara Bay schmiegt. Riesige Mangobäume säumen das Grundstück, das Surren unzähliger Kolibris untermalt die Szenerie.

Steve Felgate betreibt an der Westküste von Tobago das Castara Retreats.


„Es ist eine Reise der Bewusstseins- und Kompetenzbildung, insbesondere bezogen auf das Thema Nachhaltigkeit“, berichtet Felgate von den Anfängen, die lokale Bevölkerung mit ins Boot zu holen. „Mein Ziel ist es, auch langfristig die Bewohner einzubinden, damit sie unabhängig sein können von der Regierung.“ Viele Einheimische hätten Jobs in Form von unkündbaren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, über deren Sinn sich streiten ließe und denen viele wenig engagiert nachgehen würden.

Go with the flow – lass dich treiben

„Das Interesse, andere Arbeit zu verrichten, ist da. Und wenn die Menschen Erfolge in ihrem Job haben, werden sie auch zusehends selbstbewusster, das tut den Menschen merklich gut“, erklärt Felgate. Allerdings tickten die Uhren auf der Insel auch anders – „Go with the flow – lass dich treiben“ sei das vorherrschende Denken der Menschen hier. „Das ist ganz charmant, und ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt“, sagt der 68-Jährige.

Maudline Taylor backt am Strand für Einheimische und Touristen.


Beste Beispiele für die Zusammenarbeit mit Einheimischen sind Maudline Taylor und Alicia Dick-Williams. Jeden Donnerstag und Samstag backen die beiden gemeinsam mit Alston Taylor und Lennard Duncan am Strand von Castara Bay in einem selbst gemauerten Steinofen schmackhaftes Kürbisvollkornbrot. 30 bis 50 Laibe entstehen so an jedem Backtag. Heiß begehrte Ware. „Die geheime Zutat sind selbst gemachte Kokosflocken“, verrät Taylor.

Praktisch, dass die Kokosnüsse gleich nebenan wachsen. Einen Teil dieses Brotes verkauft Maudline Taylor an Felgate, der es in sein Frühstücksbüfett integriert.

Paradiesisch: Die Castara Bay schimmert smaragdgrün.


Mit dem frischen Brot in der Hand geht es knietief durch das warme Karibikwasser ins Boot zu Derrick Lopez, der von allen nur Porridge gerufen wird. Wenn er nicht mit seiner Frau in Felgates Betrieb arbeitet, unterstützt er Kapitän Sean Barry bei Touren mit Touristen entlang der malerischen Buchten auf der Nordwestseite der Insel.

Mit dem Boot zu den malerischen Buchten

Mit Vollgas geht es Richtung Norden. Yogalehrerin Judha Pacheco ist mit an Bord und nutzt die Ausfahrt, um mit einer Schleppleine zu fischen. Etwa 20 Delfine begleiten unsere Fahrt, verspielt springen sie hoch aus dem Wasser. Es geht vorbei an atemberaubender Felsküste mit zahllosen Seevogelnestern zur Parlatuvier Bay, einem schönen Ort mit leuchtend smaragdgrünem Wasser und goldfarbenem Sandstrand. Die Korallen laden zum Schnorcheln ein. Pacheco zieht stolz einen Fisch aus dem Wasser.

Kapitän Sean Barry und sein Sohn Kaeseon bereiten einen frisch gefangenen Fisch zum Grillen vor.


Zwar entsprechen die trubeligen Strände von Pigeon Point, Buccoo Bay und Nylon Pool im Süden der Insel eher dem typischen Bild der Karibik, dennoch hat dieses stillere Fleckchen Erde seinen eigenen Reiz. Einige Meilen weiter südlich befindet sich die traumhafte, verlassene Englishman’s Bay, der wohl schönste Strand der Insel.

Hier wird Kapitän Barry den Fisch gemeinsam mit seinem Sohn Kaeseon zubereiten, der das Boot bis dorthin durch die tiefblaue karibische See pflügt. Trotz des dröhnenden Außenborders ein Moment der Einkehr. Mit der Nase im Wind, Salz auf den Lippen und der Karibiksonne im Gesicht. Go with the flow in Tobago.

Tipps für deine Reise nach Tobago

Anreise: Condor bietet einen wöchentlichen Direktflug von Frankfurt am Main nach Tobago an. Alternativ ist die Anreise mit Umsteigeverbindungen möglich.

Einreise: Deutsche Staatsangehörige können sich bis zu 90 Tage ohne Visum auf Tobago aufhalten. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate über die Reise hinaus gültig sein.

Beste Reisezeit: Auf Tobago herrscht tropisches Klima. Von Mai bis November ist Regenzeit, dann kann es einige Stunden am Tag regnen. In den anderen Monaten ist Trockenzeit. Ganzjährig liegen die Temperaturen bei etwa 23 bis 32 Grad Celsius. Laut Auskunft des Tobago Tourism Boards gibt es auf Tobago keine Wirbelstürme. Da die Insel in einer seismisch aktiven Zone liegt, kann es zu Erdbeben kommen.

Überall auf der Insel gibt es an Fruchtständen frische Säfte aus Ananas, Banane und Mango zu günstigen Preisen.

Attraktionen: Corbin Local Wildlife Park: Der Park (68 Belmont Farm Road) hat täglich von 7 bis 18 Uhr geöffnet. Besuche sind aber nur nach Terminvereinbarung (E-Mail: info@tobagowildlife.com) möglich. Zu den verschiedenen geführten Touren gehören der Forest Walk und der Adventure Walk.
Adventure Farm and Nature Reserve: Die Gärten, in denen Mangos, Bananen, Papayas und andere tropische Früchte wachsen, sind auch ein Paradies für Vogelliebhaber.

Verkehr: Auf der Insel herrscht Linksverkehr. Das Straßennetz ist recht gut ausgebaut. Viele Straßen sind allerdings eng und eher kurvenreich. Wegen vieler Schlaglöcher und der ungewöhnlichen Fahrweise besteht eine hohe Unfallgefahr.

Währung: Offizielle Währung ist der Trinidad-und-Tobago-Dollar (TTD). 100 TTD entsprechen etwa 13,50 Euro. Die Zahlung in US-Dollar ist ebenfalls problemlos möglich. Mit Kreditkarten ist man zudem auf der sicheren Seite.

Die Reise wurde unterstützt von der Tobago Tourism Agency. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.