Überfüllte Straßen und dichtes Gedränge: Overtourism macht Amsterdam zu schaffen. Die knapp eine Million Einwohner wurden zuletzt von rund 17 Millionen Touristen im Jahr 2019 überrannt.

Bürgermeisterin Femke Halsema möchte sich das nicht länger anschauen. Also setzt sie genau da an, wo es den Touristen wehtut: beim Cannabiskonsum. Der ist nämlich legal in den Niederlanden. Und für viele Reisende ist eine Tour durch die Amsterdamer Coffeeshops der Hauptgrund für einen Besuch der Stadt. 

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Keine Drogen mehr? Zwölf Prozent würden nie wieder nach Amsterdam kommen

Also hat Halsema eine Studie bei der Abteilung für Forschung, Information und Statistik in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie sich ein Cannabisverbot für Touristen auf das Stadtbild auswirken würde, wie die britische Zeitung „The Sun“ berichtet. 

Und die Ergebnisse sprechen für sich: Mehr als 42 Prozent der befragten Touristen gaben an, die Stadt bei einer entsprechenden Maßnahme weniger häufig zu besuchen, zwölf Prozent gaben an, dann nie wieder nach Amsterdam kommen zu wollen.

Denn: Für mehr als ein Drittel der Befragten ist der Besuch eines Coffeeshops der Grund für die Reise nach Amsterdam. Weitere Gründe waren demnach die guten Bedingungen fürs Radfahren (21 Prozent der Befragten) und die günstigen Preise im europaweiten Vergleich (elf Prozent der Befragten). 

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Einige Touristen hoffen auf Hilfe von Einheimischen

Ein drohendes Cannabis-Verbot scheint viele Touristen trotzdem nicht wirklich zu beeindrucken. Jeder Fünfte gab demnach an, andere Wege und Mittel zu finden, um an das Cannabis heranzukommen. Darunter fällt etwa, einen Einheimischen um den Erwerb des Rauschmittels zu bitten. 

Ende der Rotlicht-Führungen in Amsterdam

Was tun also, wenn sich die Touristen durch ein reines Cannabis-Verbot nicht abschrecken lassen? Die Bürgermeisterin weiß sich zu helfen und plant eine weitere Maßnahme, die für einige Touristen einschneidend sein dürfte: Die gut besuchten Touren durch das berühmt-berüchtigte Rotlichtviertel der Stadt werden gravierend eingeschränkt – und zwar bereits im April. 

Aktuell gibt es täglich bis zu 115 Touren durch den Bezirk, bei denen die Gruppen direkt an den Schaufenstern der Sexarbeiterinnen vorbeilaufen. Diese Ausflüge werden bereits seit einiger Zeit diskutiert – Abendführungen nach 19 Uhr sind bereits seit April 2019 verboten

Ab April dürfen die Fremdenführer mit ihrer Gruppe folglich nicht mehr an den Fenstern vorbeigehen. Das soll vor allem die Persönlichkeitsrechte der Sexarbeiterinnen schützen – und vielleicht auch dazu beitragen, die Stadt vor Overtourism zu schützen. Ob und ab wann Touristen in Amsterdam kein Cannabis mehr kaufen oder konsumieren dürfen, steht dagegen noch nicht fest.