Der Himmel blinkt. Da sind so viele Sternschnuppen, dass es unmöglich wird, sie zu zählen. Selbst die Milchstraße ist zu sehen. Sandkörner kribbeln am ganzen Körper. Irgendwo heult ein Wolf. Er erinnert daran, dass dieser Ort doch nicht so einsam ist, wie er scheint. Eine Matratze im Sand, ein wenig versteckt hinter einem Felsen, ein paar Kissen und noch mehr dicke Wolldecken gegen die Kälte – das ist das Nachtlager, mitten in der Wüste.

Im Wadi Rum unter den Sternen schlafen

Wadi Rum. Jordanien. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, hier zu nächtigen: im Zelt eines der Beduinencamps – oder unter freiem Sternenhimmel. Wer die Zeit hat, probiert beides aus.

Doch Luxus gibt es hier nicht: Das Essen wird auf traditionelle Weise unter der Erde zubereitet, während die Gäste auf dem Boden sitzen und den Gitarrenklängen der Gastgeber lauschen. Mehr Luxus gibt es nur außerhalb des Wadis, in den Hotelanlagen mit Whirlpools.

Das Wadi Rum kannst du am besten bei Touren mit dem Jeep oder auf Kamelen erkunden.


Wer die Wüste liebt, wird das Wadi Rum lieben – und wer die Wüste nicht liebt, wird sich hier in sie verlieben. Denn Wüste ist nicht nur Sand. Hier finden sich Berge, Schluchten, Felsspalten, Dünen und Aussichtspunkte.

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Beduinen führen Besucher durch die Wüste

Die Landschaft scheint unendlich. Vielerorts stehen Felsen, viele davon können erklommen werden – wer es hinaufschafft, hat einen fantastischen Ausblick in die Weite. Hinunter geht es meist ebenfalls kletternd, an einigen Stellen aber auch mit dem Sandboard.

Beduinen führen die Besucher auf Kamelen oder im Jeep durch ihr Terrain, erklären Felsmalereien und zeigen, wie es sich bei 50 Grad Celsius Hitze überleben lässt.

Aber: Die abwechslungsreiche und gar nicht so karge Wüstenlandschaft ist nicht die Hauptattraktion des Landes.

Felsenstadt Petra ist eines der beliebtesten Ziele

Jordanien ist vor allem bekannt für die Felsenstadt Petra, nur rund eine Fahrstunde entfernt. Eines der sieben neuen Weltwunder. Mehr als eine halbe Million Besucher im Jahr kommen her – trotz 65 Euro Eintritt pro Person. Petra, eine in die Felsen geschlagene Stadt, ist seit etwa 9.000 vor Christus besiedelt und war zur Zeit der Nabatäer Hauptstadt und ein wichtiger Handelsplatz.

Heute drängen sich morgens Touristen, Esel und Pferde am Eingang. Petra ist auch bei Israel-Reisenden beliebt – für einen Tagesausflug über die Grenze. Wer die rund drei Kilometer durch die Schlucht vom Eingang zum Zentrum der einstigen Hauptstadt nicht zu Fuß gehen will, nimmt Kutsche oder Esel.

Wer zu Fuß geht, sollte aufpassen – und den Tieren aus dem Weg gehen, die ohne Rücksicht durch die bisweilen schmale Schlucht gepeitscht werden.

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Mehr als eine halbe Million Besucher kommt pro Jahr nach Petra.


Und dann steht es auf einmal da, das vielleicht bedeutendste Gebäude Petras: die Schatzkammer. Von hier aus ist es noch rund ein weiterer Kilometer bis zum Zentrum, dort, wo einst Handel getrieben wurde, wo Bewohner im Kolosseum und Theater zusammenkamen und in Kirchen gebetet haben. Mehr als 800 Monumente, 500 Grabstellen: Petra erstreckt sich über 264 Quadratkilometer.

Jordanpass macht den Eintrittspreis deutlich günstiger

Mit dem Jordanpass legen sich Besucher schon vorab fest, ob sie die Felsenstadt ein, zwei oder drei Tage besuchen möchten, der Eintritt wird ab dem zweiten Tag deutlich günstiger.

Der Kern mit Theater, Nymphäum und den berühmten vier Grabkammern ist in wenigen Stunden erkundet. Doch eine Handvoll Pfade, nicht alle gut ausgeschildert, führt auf die Anhöhen drum herum. Jede Wanderung ist etwa zwei bis drei Stunden lang und führt zum Opferplatz, zum Kloster oder zu einem Ausblick auf die Schatzkammer.

Im Biosphärenreservat Dana gibt es rund 800 verschiedene Pflanzen.

Wadi Mujib ist Grand Canyon Jordaniens

Bei einem Kurztrip nach Jordanien dürfen die beiden Höhepunkte nicht fehlen – doch das Land bietet genug Abwechslung für eine Reise über mehrere Wochen. Nördlicher gelegen, rund ums Tote Meer, ist ein zweiter Hotspot. Oberhalb des Dana-Biosphärenreservats, das sich für halb- bis mehrtägige Wanderungen eignet, liegt das Wadi Mujib, der Grand Canyon Jordaniens – ein Paradies für Abenteurer.

Gegen den Strom geht es durch die Schlucht. Das Wasser steht bis zur Hüfte, der Strom wird stärker, mit Mühe und ganz langsam hangeln sich Menschen an den Seilen an der Felswand entlang – bis zu einem Felsen, der den Strom teilt. Kleine Treppenstufen und Seile erleichtern das Klettern. Wer zum Wasserfall will, muss Felsen wie diese überwinden.

Immer wieder kehren Menschen um, ihnen ist das doch zu viel Abenteuer. Eine Schwimmweste ist Pflicht, ansonsten sind die Sicherheitsvorkehrungen mau. Schuhwerk? Wird nicht gecheckt. Helm? Kann, muss nicht. Ein Guide? Kann, muss nicht. Und so sind die meisten Besucher hier auf sich allein gestellt.

Nach rund zwei Stunden Spaß und Anstrengung ist das Ziel erreicht: der Wasserfall. Der Rückweg gestaltet sich einfacher – und statt sich abzuseilen, springen jetzt immer mehr Abenteuerlustige von den Felsen hinunter in den Fluss.

Zum Baden ins Tote Meer

Wer lieber in Ruhe baden möchte, hat im direkten Umfeld viele Möglichkeiten: etwa in den heißen Quellen im Wadi Rum. Oder im Toten Meer an der Grenze zu Israel, das ebenfalls mit deutlich über 30 Grad Temperatur aufwartet. Durch den hohen Salzgehalt von bis zu 33 Prozent fördert der See die Gesundheit – das lockt vor allem Menschen mit Haut- und Atemwegserkrankungen.

Das weniger touristische Jordanien liegt nördlich der Hauptstadt Amman. Die einstige Römerstadt Jerash ist gut erhalten. Mangels guter Übernachtungsmöglichkeiten in der Gegend sind Tagestouren hierher ratsam.

Das Wüstenschloss Qasr Amra aus dem achten Jahrhundert steht etwa 70 Kilometer östlich von der Hauptstadt Amman.


Eine besondere Unterkunft findet sich zwischen den Grenzen zu Saudi-Arabien und Syrien: In Al-Azraq, einer Oase mitten in der Steinwüste, dient eine Militärbasis als Hotel. An viel Schlaf ist aber nicht zu denken, denn von dem Air Field nebenan starten die Aufklärungsflüge Richtung Irak und Syrien – die Tornados fliegen auch nachts.

Dennoch lohnt ein Abstecher nach Al-Azraq, nicht nur wegen der teils gut erhaltenen Wüstenschlösser unterwegs: Al-Azraq zeigt eine ganz andere Seite von Jordanien. Alle Straßenschilder sind auf Arabisch, an der Straße hängen tote Ziegen zum Ausbluten.

Oryxantilopen sind vom Aussterben bedroht, in Shaumari werden sie gezüchtet und ausgewildert.

Oryxantilopen sind vom Aussterben bedroht

In den Schutzgebieten Azraq Wetlands und Shaumari Wildlife Reserve hat man sich dem Tier- und Naturschutz verschrieben. Einst war die Oase gefüllt mit Wasser, doch die Bevölkerung pumpte so viel Wasser ab, dass das Gebiet 1992 komplett ausgetrocknet war. Die Royal Society for Conservation of Nature hat den Sumpf künstlich befüllt – und Wasserbüffel wieder angesiedelt.

Auf der anderen Seite der Hauptstraße, im Shaumari, werden die vom Aussterben bedrohten Oryxantilopen gezüchtet – und ausgewildert, etwa im Wadi Mujib. Wer sich dort nicht für das Canyoning entscheidet, sondern einen der trockenen Wege wählt, hat die Chance, die einzigartigen weißen Antilopen mit den spitzen Hörnern in freier Wildbahn zu erleben.

Tipps für deine Reise nach Jordanien

Anreise: Royal Jordanian (ab Berlin und Frankfurt am Main) und Lufthansa (ab Stuttgart) fliegen täglich direkt nach Amman, EasyJet (ab Berlin) und Ryanair (ab Köln/Bonn) bieten Flüge nach Akaba am Roten Meer an.

Einreise: Vor der Einreise sollten Besucher online den Jordanpass beantragen. Wer mindestens drei Nächte in Jordanien bleibt, muss mit dem Jordanpass keine Visumsgebühr (40 JOD) bezahlen. Im Jordanpass sind die Eintritte in alle historischen Stätten inbegriffen, der Preis richtet sich danach, wie viele Besuchstage in Petra vorgesehen sind.

Beste Reisezeit: Von März bis Mai und September bis November ist das Klima am angenehmsten, im Sommer wird es heiß. Während der Hauptreisezeit von April bis Oktober herrschen vielerorts mehr als 30 Grad Celsius.

Unterkünfte: In Wadi Moussa, dem Ausgangspunkt für Petra, steht das Petra Guesthouse perfekt. Im Wadi Rum lässt sich der Sonnenuntergang vom Beduinencamp Wadi Rum Sky wunderbar sehen. Das Camp organisiert auch Jeepsafaris, Wanderungen, Sandboarding und Kamelreiten.

Währung: Ein Jordanischer Dinar (JOD) entspricht 1,28 Euro. In den Städten gibt es Geldautomaten, die die gängigen Kreditkarten akzeptieren.

Fortbewegen: Mit dem Linienbus kommt man günstig durch das ganze Land, entlang der touristischen Kings Road sind alle Siedlungen angebunden. Wer flexibler sein will, nimmt einen Mietwagen, am besten mit Allradantrieb, denn vor allem in den Wadis ist so manche Straße abenteuerlich.