Geiranger ist beschaulich. Mehr Dorf als Stadt, leben hier gerade mal 250 Einwohner. 14 Kinder besuchen den Kindergarten, 27 die Grundschule. Im Winter kann es passieren, dass der Ort von der Welt abgeschnitten ist, nämlich dann, wenn wegen Wind und Wetter die Fahrt über die einzigen zwei Straßen, über die man Geiranger erreichen kann, gesperrt sind.

Was putzig klingt, verändert sich in den Sommermonaten schlagartig: Dann leben 2.000 Menschen in dem Ort in Norwegen, um sich um die Passagiere der rund 100 Kreuzfahrtschiffe, die hier Jahr für Jahr anlegen, zu kümmern.

Im Sommer wird das kleine Dörfchen Geiranger von Touristenmassen überrannt.

Denn der Geirangerfjord gilt als der schönste Fjord der Welt. Er ist 15 Kilometer lang und bis zu 250 Meter tief. Seit 2005 steht er auf der Unesco-Welterbe-Liste – und wird dementsprechend häufig besucht und bewundert. Wie du das Abenteuer am besten angehst? Mit sieben Tipps, den Geirangerfjord entspannt zu sehen:

1. Die perfekte Anreise: Auto, Schiff oder Fähre?

Viele Wege führen nach Rom, in Geiranger sind es genau drei: Auto, Fähre oder Kreuzfahrtschiff. Welchen Weg du wählst, hängt von deiner Reiseart ab.

Mit dem Auto: Geiranger ist nur über zwei Straßen erreichbar. Das sorgt für zwei Extreme: Im Sommer sind die Straßen voll, im Winter ist Geiranger oft tageweise von der Außenwelt abgeschnitten.

Möchtest du mit dem Auto kommen, bist du zwar unabhängig und kannst abseits der Massen die Aussichtspunkte rund um Geiranger ansteuern, musst aber mit viel Verkehr rechnen. Auch die Haarnadelkurven sind nichts für schwache Nerven. Ein weiterer Nachteil: Dir entgeht die spektakuläre Fahrt durch den Geirangerfjord.

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Beeindruckendes Panorama bei der Einfahrt

Mit der Fähre: Die Alternative für Autofahrer ist die Autofähre, die von Hellesylt nach Geiranger fährt. Dann erlebst du entspannt die Fahrt durch den Fjord und bist vor Ort unabhängig. Wichtig ist, dass du rechtzeitig reservierst, da die Plätze für Autos auf der Autofähre vor allem im Sommer begrenzt und schnell ausgebucht sind. Die Fährfahrt von Hellesylt nach Geiranger dauert etwa eine Stunde.

Mit dem Kreuzfahrtschiff: Geiranger gehört zu jenen Orten, in denen der Kreuzfahrt-Tourismus boomt. Neben den Hurtigruten-Booten und den Autofähren fahren jährlich über 100 Kreuzfahrtschiffe Geiranger an.

Am besten lässt sich der Fjord im Wasser erkunden, ganz gleich ob an Bord eines Schiffes oder im Kajak.

Bist du an Bord, lohnt es sich, genau zu wissen, wann dein Schiff in den Fjord fährt. Meist passiert das am frühen Morgen. Aufstehen lohnt sich: Gerade beim Sonnenaufgang erlebst du den Geirangerfjord von seiner spektakulärsten Seite – und hast an Deck vermutlich Ruhe, da die meisten Passagiere lieber ausschlafen.

2. Spektakulär: Fahrt durch den Geirangerfjord

Geiranger ohne Geirangerfjord – kann man machen, muss aber nicht sein. Natürlich ist der Ort sehenswert und die Aussichtspunkte sind spektakulär, das Gesamtpaket beinhaltet aber die Fahrt durch den Fjord.

Denn dann offenbart sich dir ein Kapitel der Entstehung der Welt. Die Geschichte des Geirangerfjords reicht nämlich 2,5 Millionen Jahre zurück. Damals schnitten Flüsse tiefe Kerbtäler entlang geologischer Schwachstellen.

Fjorde entstanden, als die Gletscher sogenannte Trogtäler formten, in denen sich nach dem Ende der Eiszeit Meerwasser ansammelte.

Am Geirangerfjord kannst du auch einen beeindruckenden Wasserfall bestaunen.

Heute staunst du bei der Fahrt durch den Fjord über senkrecht aufragende Felswände, tiefgrünes Wasser und unzählige Wasserfälle. Einzigartig sind an der Nordseite des Fjords die Sieben Schwestern: sieben nebeneinander herabstürzende Wasserfälle.

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Mystisch ist der Brautschleier: Seinen Namen bekam der Wasserfall, weil je nach Lichteinfall ein leichter Schleier über dem Felsen liegt, über den das Wasser strömt.

3. Orientierung und Must-sees in Geiranger

Geiranger ist nicht klein, Geiranger ist klitzeklein. Orientierung ist kein Problem, da die wichtigsten Locations nah beieinanderliegen. Direkt am Hafen findest du das Tourismusbüro mit allen Infos.

Wichtig ist hier die große Tafel, auf der die genauen Abfahrtszeiten aller Touren stehen sowie die exakte Dauer, damit die Kreuzfahrer pünktlich zurück an Bord sind. Tipp: Die Touren, die du hier buchen kannst, entsprechen im Wesentlichen denen, die auf Kreuzfahrtschiffen angeboten werden – mit dem großen Unterschied, dass sie nur die Hälfte kosten.

Da das Tourismusbüro nicht zu verfehlen ist und die Ausflugsbusse direkt davor abfahren, ist das Prozedere wirklich easy.

Nicht nur Souvenirs: In diesem Café kannst du norwegische Schokolade genießen.

Weil Geiranger so klein ist und im Sommer vom Tourismus lebt, gibt es fast nur Souvenirläden, mit einer spannenden Ausnahme: An der Einkaufsstraße solltest du unbedingt in die Schokoladenmanufaktur gehen.

Bei „Geiranger Sjokolade“ gibt’s großartige Schoko-Kreationen zum Mitnehmen und gleichzeitig ein gemütliches Café. Sehenswert ist auch das „Norsk Fjordsenter“. Hier lernst du jede Menge über die Geschichte der Berge, des Fjordes und deren Bewohner.

Geiranger Sjokolade | Adresse: Maroksvegen 29, Fv63, 6216 Geiranger

Norsk Fjordsenter | Adresse: Gjørvahaugen 35, 6216 Geiranger | Eintritt: 130 norwegische Kronen (etwa 12,70 Euro​)

4. Unterwegs in Geiranger: Bus, Taxi, Fahrrad, Kajak?

Um Geiranger herum gibt es unterschiedliche Aussichtspunkte. Der Weg zu ihnen führt zwar über dieselbe Route, aber in verschiedenen Fahrzeugen – ganz nach deinem Geschmack und Geldbeutel.

Generell gilt: In den Sommermonaten ist es schwierig, die Viewpoints ohne Menschen anzusteuern. Das klappt nur, wenn du in Geiranger übernachtest und beim Sonnenaufgang startest. Kommst du tagsüber, brauchst du in der Hochsaison manchmal starke Nerven, wenn die Straßen verstopft und die Aussichtspunkte voller Menschen sind. Der Trip lohnt sich aber trotzdem!

Mit dem Bus: Bei der Touristeninformation kannst du aus drei verschiedenen Busrundfahrten wählen. Der Panoramabus fährt in etwa zwei Stunden zu den Aussichtspunkten Flydalsjuvet und Adlerkehre. An jedem Aussichtspunkt hast du zehn Minuten. Für gute Fotos fehlt da leider die Zeit.

Sportliche können Geiranger mit dem Rad erkunden

Mehr Spielraum lässt dir der Hop-on-hop-off-Bus, bei dem du aussteigen und zusteigen kannst, wie du möchtest. Und die dritte Bustour führt zum Dalsnibba (mehr dazu unter Punkt 7). Tickets gibt es ab etwa 270 norwegischen Kronen (etwa 26 Euro).

Mit dem Taxi: Die Luxusvariante ist eine Tesla-Taxi-Tour: Über die Touristeninformation kannst du eine Tour mit dem Fahrzeugmodel Tesla X buchen. Dann bist du individuell unterwegs und kannst selbst bestimmen, wie lange ihr wo stehen bleibt. Der Preis ist mit 3.600 norwegischen Kronen (etwa 250 Euro) für drei Stunden zwar happig, aber geteilt ist er verschmerzbar.

Mit dem Rad: Bist du sportlich, kannst du dir bei der Touristeninformation Mountainbikes und Cityräder ausleihen. Am besten ist allerdings ein E-Bike, denn die Steigungen haben es in sich.

Weil die Räder sehr gefragt sind, solltest du vorab reservieren. Zwei Stunden kosten auf einem normalen Rad ungefähr 200 norwegische Kronen (etwa 20 Euro) und auf einem E-Bike rund 270 norwegische Kronen (etwa 26 Euro). Radelst du lieber in einer Gruppe, kannst du eine geführte Bike-Tour buchen (etwa 450 norwegische Kronen, ungefähr 44 Euro). 

Mit dem Kajak: Eine völlig andere Sicht auf den Geirangerfjord bekommst du bei einer Kajaktour auf dem Wasser. Der größte Anbieter ist Active Geiranger. Eine Stunde im Kajak kostet etwa 300 norwegische Kronen (etwa 30 Euro).

Noch cooler ist eine geführte Paddeltour, zum Beispiel die zwei- bis dreistündige „Seven Sisters Tour“ zu den berühmten Wasserfällen (1.090 norwegische Kronen, etwa 106 Euro).

5. Augen auf: Viewpoint Adlerkehre

Ein absolutes Highlight hoch über Geiranger ist die Adlerkehre. Die Adlerstraße ist eine der interessantesten Routen des Landes und windet sich auf knapp 650 Metern Höhe. Kommst du auf dem Wasserweg in Geiranger an, siehst du die Straße schon vor der Ankunft: Die elf Haarnadelkurven im Berg sind gut sichtbar.

Rund um Geiranger gibt es gleich mehrere Aussichtspunkte, die eine schönen Blick auf den Fjord ermöglichen.

Insgesamt führt der Weg über eine Strecke von acht Kilometern mit einer Steigung von zehn Prozent zu. Die Adlerkehre ist dann die oberste Serpentine. Jeder Ausflugsbus macht hier halt. Deshalb gibt es einen Parkplatz und eine Aussichtsplattform, von der aus du einen umwerfenden Panoramablick auf den Fjord hast.

6. Fjord von oben: Viewpoint Flydalsjuvet

Quasi auf der anderen Seite befindet sich der Aussichtspunkt Flydalsjuvet, dort kannst du das Panorama aus einem anderen Blickwinkel genießen. Auch hier halten alle Ausflugsbusse. Flydalsjuvet ist etwa vier Kilometer von Geiranger entfernt.

Der Geirangerfjord zählt mit seinen senkrechten Felswänden zu den schönsten Fjords der Welt.

Wer sportlich ist, schafft den Weg hierher auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Aber Vorsicht: Es geht ordentlich bergauf. Die Aussichtspunkte befinden sich auf zwei Plateaus, die durch einen Weg verbunden sind. Auf dem unteren Plateau steht eine Installation, ein überdimensionaler Liegestuhl, die von der norwegischen Königin Sonja im September 2003 enthüllt wurde.

7. Höchster befahrbarer Punkt Norwegens: Dalsnibba

Wenn du mehr Zeit hast, lohnt sich die Fahrt auf die Dalsnibba. Der Berg ist der höchste Punkt Norwegens, der über eine Straße erreichbar ist. Der Gipfel liegt auf 1.476 Metern. Aufgrund seiner Höhe ist er auch im Sommer oft noch schneebedeckt.

Der Weg nach oben führt über die Mautstraße Nibbevegen. Am Viewpoint angekommen, findest du einen großen Parkplatz und einen Souvenirshop.

Stehst du dann auf dem neuen Geiranger-Skywalk, merkst du erst, in welcher Höhe du dich befindest: Die Kreuzfahrtschiffe, die vor Geiranger im Wasser liegen, wirken aus deiner Perspektive nur noch wie kleine, weiße Punkte.