1. Kuriositätenmuseum Spijöök: Unglaubliche Geschichten

An der Sturheit der Friesen ist schon der Dänenkönig Christian V. gescheitert, der mit dem Bau seiner „Christiansburg“ in Varel 300.000 Taler buchstäblich im Schlick versenkte. Und später Napoleon I., zumindest wenn du den „Forschern“ im Kuriositätenmuseum Spijöök Glauben schenken magst.

Denn dort hängt bis heute ein überdimensionales Vorhängeschloss, mit dem der Napoleon I. vermeintlich während der Kontinentalsperre die Schiffe am Auslaufen hindern wollte.Und gleich daneben der Schlüssel, den findige Vareler nachgebaut haben sollen, damit sie eben doch auslaufen konnten.

Spijöök | Adresse: Kohlhof 5, 26316 Varel | Öffnungszeiten: Mitte Mai bis Mitte September, Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr

2. Waisenstift: Erinnerung an die uneheliche Herkunft des Grafen

Findig war auch Graf Anton Günther, dem 1646 das Kunststück gelang, seinem unehelichen Sohn und einzigen männlichen Erben Anton auf Umwegen doch noch in den Adelsstand zu verhelfen und damit die lange Reihe der Oldenburger Grafen in Varel zu begründen.

Aus Dankbarkeit gegenüber seinem Vater gründete Graf Anton I. von Aldenburg im Jahr 1670 das prächtige, im holländischen Renaissancestil erbaute Waisenstift direkt an der Bundesstraße 437. Hier werden bis heute Kinder und Jugendliche betreut. 

Vom Grafensitz selbst ist nicht viel übriggeblieben. Nur ein paar Mauerreste, die 2012 bei der Sanierung der Kanalisation entdeckt und zwei Jahre später auf dem neu gestalteten Schlossplatz nachgebaut wurden, erinnern daran, dass hier einst das Vareler Schloss gestanden hat. Die Originalsteine schlummern weiterhin unter der Erde.

Waisenstift | Adresse: Waisenhausstraße 19, 26316 Varel

Symbol der Dankbarkeit: Das Waisenstift in Varel.

3. Schlosskirche: Geburtsort der Stadt und Ruhestätte der Grafenfamilie

Die bis heute erhaltene protestantische Kirche in Varel, 1150 als erstes Gebäude der Stadt erbaut, wurde ab 1650 Teil der Schlossanlage. Durch ein Fenster in den 1,5 Meter dicken Steinmauern rechts vom Haupteingang kannst du in die Gruft hinunterblicken. In 16 Zinnsärgen wurden hier die Mitglieder der Grafenfamilie bestattet – der letzte 1850.

Im Kircheninneren gilt der fast zehn Meter hohe Schnitzaltar, den der Hamburger Bildhauer Ludwig Münstermann 1614 im Auftrag des damaligen Grafen Anton II. von Delmenhorst gestaltete, als eines der Hauptwerke des norddeutschen Manierismus.

Schloßkirche Varel | Adresse: Schloßplatz 1, 26316 Varel | Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 16 Uhr. 1. November bis 31. März: Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr

Weithin sichtbar: Der Kirchturm der Schlosskirche zu Varel.

4. Sehenswürdigkeiten zwischen Windmühle und Wasserturm

In den Jahren 1847 bis 1848 ließ der letzte Vareler Graf, Gustav Adolf von Bentinck, die Vareler Windmühle errichten, ein Galerieholländer mit dem typischen dreiteiligen Aufbau aus steinernem Unterbau, Holzkonstruktion und Flügelkappe.

Bis zur Spitze der Kappe misst sie knapp 30 Meter, bis zur Spitze der aufrecht gestellten Flügel gar 39 Meter. Damit gilt die voll betriebsfähige Vareler Windmühle als zweithöchste Mühle Deutschlands und als einer der größten Galerieholländer überhaupt.

Im Inneren betreibt der Heimatverein eine Dauerausstellung. Herzstück der Sammlung sind zwei vollständig restaurierte, in Varel gebaute Hansa-Automobile aus den Jahren 1919 und 1924. Zeitweise arbeiteten am Hansa-Standort in Varel mehr als 1200 Menschen. Mehr als 10.000 Automobile gingen hier vom Band. 1914 fusionierten die Hansa-Werke mit der Norddeutschen Automobil- und Motoren-Aktiengesellschaft in Bremen zur Hansa-Lloyd. Der Eintritt ist übrigens frei!

Etwa zur gleichen Zeit wurde der gut 50 Meter hohe Vareler Wasserturm gebaut, von dessen Aussichtsplattform du auf die ganze Stadt, den Jadebusen und bei klarer Sicht bis nach Butjadingen auf der andere Seite der Meeresbucht schauen kannst.

Wasserturm und Mühle sind durch den Varel-Pfad verbunden, einen etwa 3,5 Kilometer langen Rundweg, auf dem die geschichtsträchtigtsten und sehenswertesten Gebäude der Stadt passierst. Hier findest du mehr Informationen zum Varel-Pfad.

Windmühle | Adresse: Mühlenstraße 52, 26316 Varel | Öffnungszeiten: 1. Februar bis 30. November: Samstag von 10 bis 12 Uhr. 1. Mai bis 31. Oktober: Mittwoch, Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr. In den Sommerferien zusätzlich Samstag und Sonntag von 12 bis 16 Uhr

Wasserturm | Adresse: Oldenburger Str. 62, 26316 Varel | Öffnungszeiten: täglich von 8 bis 16 Uhr

Der zweithöchsten Mühle Deutschlands in der Nahe der Vareler Innenstadt musst du auf deiner Sightseeing-Tour durch Varel unbedingt einen Besuch abstatten.

5. Vareler Hafen: Kleinod ohne viel touristischen Schnickschnack

Ein Stück außerhalb liegt der Vareler Hafen, ein Produkt der friesischen Sturheit. Denn nach dem Tod Graf Antons im Jahr 1680 kam die Herrschaft Varel vorübergehend unter dänische Zwangsverwaltung, weil der einzige männliche Erbe, Anton II. von Aldenburg, erst sieben Monate nach dem Tod seines Vaters geboren wurde.

Und dem dänischen König Christian V. schien die Gelegenheit günstig: Um seinen Einfluss in Varel zu manifestieren, begann er umgehend mit dem Bau der „Christiansburg“, einer Festung am Jadebusen.

Indem er den Bürgern Steuerfreiheit versprach, Handwerk und Gewerbe außerhalb der Festungsstadt verbot, einen eigenen Markt und ein Gericht installierte, wollte er die Vareler zum Umzug bewegen – vergeblich.

Weil der Hafen zunehmend verschlickte, wurde die Christiansburg schon 1696 geschleift. Nur ein paar Erdwälle und eine Gedenktafel erinnern an den Dänenkönig.

Mehr als 200 Jahre später boomte der Schiffsverkehr mit der einsetzenden Industrialisierung dann doch, allerdings nur für kurze Zeit. Dann drängten der Siegeszug der Eisenbahn und das Aufkommen der Großreedereien den Hafen erneut in die Bedeutungslosigkeit.

Zurückgeblieben ist ein Kleinod ohne viel touristischen Schnickschnack. Noch immer arbeiten in kleinen und mittelständischen Betrieben rund um den Hafen mehr als 200 Menschen. Die überregional bekannte Firma Bahlsen backt hier ihre Kekse.

Am Kai liegen Fischkutter neben Sportbooten. Ein 4,5 Kilometer langer Rundweg führt vorbei an Cafés, Restaurants und Handwerksbetrieben, Antiquariat und Kuriositätenmuseum und Galerien. Und an Uschi Reents „Up’n Prüfstand“: mit 4,5 Quadratmetern Schankraum die wohl kleinste Kneipe Deutschlands.

Bahlsen Fabrikladen | Adresse: Christiansburg 5d, 26316 Varel | Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 16 Uhr

Up’n Prüfstand | Adresse: Am Hafen 4, 26316 Varel-Dangast | Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 11 Uhr bis 14 Uhr und ab 17 Uhr

Der Vareler Hafen erzählt die Geschichte der sturen Ostfriesen.