Zwischen Massentourismus in VenedigTouri-Abzocken in Rom und 1-Euro-Häusern auf Sizilien verstecken sich auch einige Lost Places in Italien. Kein anderes Land hat so viele Unesco-Welterbestätten – doch auf der anderen Seite gibt es einst prachtvolle Villen und Kirchen, die verfallen.

Ob wegen Naturkatastrophen oder aus wirtschaftlichen Gründen, die Orte stehen heute leer. Und in Italien gibt es einige davon. Los(t) geht’s!

1. Craco, die düstere Geisterstadt

Craco ist eine historische Stadt auf einer Berkuppe, die über die Region Basilikata ragt. Einstmals hatte die berühmteste Geisterstadt Italiens mehr als 2.000 Einwohner. Cracos tragische Geschichte beginnt vor knapp 400 Jahren, was den Gänsehautfaktor um einiges erhört.

Im 17. Jahrhundert wurde das Dorf von einer Plage heimgesucht, Hunderte starben an Hungersnöten. Zuletzt hatte Craco zwischen den 1950er- und 1970ern-Jahren mit immer wiederkehrenden Erdrutschen zu kämpfen. Viele Häuser wurden zerstört und den steilen Abhang hinuntergerissen. Daraufhin verließen die übrig gebliebenen Bewohner das Dorf. 

Während im Tal mit Craco Peschiera ein neues Dorf entstand, verfiel das alte Craco zusehends. Doch genau das war es, was berühmte Filmemacher aus Hollywood wie Mel Gibson anzog. Die Geisterstadt diente schon als Drehort für Filme wie „Die Passion Christi“ und „Ein Quantum Trost“ (James Bond).

Heute kann Craco im Rahmen offizieller Touren besichtig werden. Gegen eine Mindestspende von zehn Euro erhältst du eine „Craco Daily Card“, mit der du das verlassene Dorf betreten darfst. Führungen kannst du vor Ort buchen.

2. La Gaiola, die verfluchte Insel

Kristallklares Wasser und eine prächtige Villa in der Bucht von Neapel – klingt nach einer Trauminsel, doch viele Italiener machen einen großen Bogen um La Gaiola. Sie glauben, dass auf der Insel ein Fluch laste. Es heißt: Bislang widerfuhr jedem, der die kleine Felseninsel im Laufe der Jahre besessen hat, Schlimmes. 

La Gaiola forderte schon viele Opfer: Der erste Besitzer verlor all sein Geld und ging pleite. Der zweite Besitzer wurde ermordet und eingerollt in einem Teppich gefunden. Seine Frau nahm sich kurz darauf das Leben und ertränkte sich im Meer. Ähnlich erging es auch den nachfolgenden Eigentümern – sie gingen bankrott, starben bei tragischen Unfällen oder begangen Suizid.

Der letzte Privatbesitzer der Insel landete schwer verschuldet im Gefängnis. Seine Frau starb bei einem Autounfall – ausgerechnet am Tag, an dem die Insel versteigert werden sollte. Heute ist das Eiland ein Schutzgebiet, das der Region Kampanien gehört. Gewohnt hat dort schon lange keiner mehr.

Vom Festland aus sind es nur wenige Schwimmzüge bis zum idyllischen Mini-Eiland. Die Gegend ist ein echtes Taucherparadies – im Wasser um La Gaiola befinden sich noch Reste aus der Römerzeit.

3. Caserma Monte Cimone, die verlassene Kaserne

Ehemalige militärische Anlagen haben auf viele eine magische Anziehungskraft. Zu aktiven Zeiten waren sie absolute Sperrgebiete, nur Soldaten kamen auf die Gelände. Was in den Kasernen geschah oder wie es dort aussah, wussten nur wenige.

Einer dieser Orte ist „Caserma Monte Cimone“, die ehemalige Kaserne in der Region Emilia-Romagna wurde Anfang der 1990er-Jahre geschlossen. Seitdem gilt sie als düstere Pilgerstätte für Touristen – obwohl das unbefugte Betreten nach wie vor verboten ist.

Die vergangenen Jahre sind nicht spurlos an der Kaserne aus dem Ersten Weltkrieg vorbeigegangen. 2013 brach in der „Caserma Monte Cimone“ ein Feuer aus, das den Ort weiter verfallen ließ. Vandalismus und Wetter tun ein Übriges.

4. Villa Sbertoli, die unheimliche Psychiatrie

Die „Villa Sbertoli“ ist ein altes Anwesen in der Toskana, das im 19. Jahrhundert von Augustine Sbertoli zu einer psychiatrischen Klinik umgebaut wurde. Der Professor soll die Villa ursprünglich gekauft haben, um dort seinen Sohn zu pflegen. Nach und nach kamen weitere Patienten dazu. Später wurden in der Villa auch politische Gefangene festgehalten.

Inzwischen ist die Anlage, die vor 20 Jahren stillgelegt wurde, verlassen und ziemlich verkommen. Doch auf dem weitläufigen Gelände stehen verschiedene Gebäude, in denen sich noch heute medizinische Gegenstände aus alten Zeiten finden lassen. 

5. Greenland, der schaurig-schöne Freizeitpark

„Greenland“ wurde in den 1960er-Jahren gebaut und sollte ein städtischer Freizeitpark werden, doch das Projekt scheiterte nur ein paar Jahre später. Mangelnde Sicherheit und Hygiene führten dazu, dass der Funpark gerichtlich beschlagnahmt wurde. 

Seitdem steht „Greenland“ etwas außerhalb von Mailand still – und zieht dennoch jedes Jahr viele Besucher an. Mittlerweile erobert sich die Natur die 374.000 Quadratmeter große Fläche zurück. Pflanzen wuchern zwischen Karussellen, Achterbahnen und Autoskootern.

Heute hast du den Vergnügungspark ganz für dich allein – ohne Besucherschlangen und Wartezeiten. „Greenland“ ist übrigens nicht der einzige Lost Place seiner Art – einen Artikel zu den zehn spektakulärsten verlassenen Freizeitarks findest du hier.

Leider ist nicht bei allen Lost Places der jeweilige Ort bekannt. Wo genau diese in Italien liegen, behalten einige Fotografen lieber für sich. Trotzdem wollen wir dir diese Fotos nicht vorenthalten, die dich auf eine Reise in die Vergangenheit mitnehmen: