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6 Gründe für einen Urlaub in Ostfriesland

Wind, Wellen und ein nicht enden wollender Himmel. In Ostfriesland ticken die Uhren anders und die Menschen sind von einem besonderen Schlag. Hier sind sechs Gründe für einen Urlaub im hohen Norden.

Alice Düwel
Blaues Meer, sattgrüne Deiche, goldene Sonnenstrahlen: Das allein sind doch schon genug Gründe, um dich nach Ostfriesland zu locken, oder?
Blaues Meer, sattgrüne Deiche, goldene Sonnenstrahlen: Das allein sind doch schon genug Gründe, um dich nach Ostfriesland zu locken, oder?

Foto: imago images/Priller&Maug

1. Dem Himmel so nah

Künstler schätzen den weiten Horizont und das klare Licht in Ostfriesland. Der Maler Franz Radziwill, einer der bedeutendsten Vertreter des magischen Realismus, lebte bis zu seinem Tod 1983 im friesischen Dangast bei Varel.

Die „Brücke“-Maler Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein schufen in Dangast und Umgebung bedeutende expressionistische Werke.

Dünen, Deiche, Watt und Meer, aber auch Moor, Wald und das Spiel der Wolken – „Diese Landschaft bietet unendlich viele Möglichkeiten, an den schönsten Plätzen der Welt eine Leiche abzulegen“, schreibt Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf.

Inspirierende Kulisse: Das ostfriesische Naturschauspiel aus Watt, Wolken und Sonne beeinflusste schon viele Künstler.
Inspirierende Kulisse: Das ostfriesische Naturschauspiel aus Watt, Wolken und Sonne beeinflusste schon viele Künstler. Foto: imago images/Priller&Maug

2. Thalasso gibt es nur an der Küste

Ein Bad in den Fluten regt den Kreislauf an, wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. Algen und Schlick versorgen die Haut mit Nährstoffen und Feuchtigkeit und ein Strandspaziergang durch die salzhaltige Meeresluft befreit die Atemwege. Das volle Thalassoerlebnis gibt es nur an der Küste.

Thalasso in Ostfriesland ist einzigartig: Bei einem erfrischenden Bad in der Nordsee, bei Strandspaziergängen mit Meeresluft in der Nase oder einer Schlickbehandlung kommst du runter – und dein Körper und Geist wieder auf die Beine.
Thalasso in Ostfriesland ist einzigartig: Bei einem erfrischenden Bad in der Nordsee, bei Strandspaziergängen mit Meeresluft in der Nase oder einer Schlickbehandlung kommst du runter – und dein Körper und Geist wieder auf die Beine. Foto: imago images/Priller&Maug

3. Drei ist Ostfriesenrecht – Teetrinken will gelernt sein

Die Haare vom Wind zerzaust, die Wangen rot vom kalten Wind und im Kamin knistert das Feuer. Kein Wunder, dass die Ostfriesen mit 300 Liter pro Kopf und Jahr so viel Tee trinken wie sonst niemand in Europa.

Aber aufgepasst, Teetrinken will gelernt sein: Zuerst kommt der Kluntje (Kandiszucker) in die Tasse. Dann wird der Tee eingeschenkt. Mit einem speziellen Löffel, der in der Form an eine Suppenkelle erinnert, gibst du die Sahne so in die Tasse, dass ein Wulkje (Wolke) entsteht.

Der Teelöffel ist auf keinen Fall zum Umrühren gedacht, sondern bleibt während der ganzen Zeremonie schön neben der Tasse liegen.

Ostfriesentee genießt man in drei Phasen von sahnig über bitter bis süß. Der Gastgeber schenkt solange Tee nach, bis du zum Zeichen dafür, dass du nicht mehr möchtest, den Löffel in die Tasse legst. Das tust du nach drei Tassen, denn drei ist Ostfriesenrecht.

Das liegt daran, dass ein Kluntje für drei Tassen reicht. Weniger zu trinken, wäre demnach Verschwendung, nimmst du mehr, bist du unverschämt.

Der Teegenuss lässt sich übrigens nicht exportieren. Seinen besonderen Geschmack kannst du nur vor Ort in Ostfriesland genießen. Das liegt daran, dass das Wasser hier weicher ist als anderswo.

Zu echtem Ostfriesentee gehören Kluntje!
Zu echtem Ostfriesentee gehören Kluntje! Foto: imago images/Martin Bäuml Fotodesign

4. Ein Urlaub ist Ostfriesland ist zugleich eine Sprachreise

In Ostfriesland sagt man „Moin“ – und das zu jeder Tageszeit. Denn mit „Morgen“ hat das nichts zu tun. Moin steht für „mooi Dag“ – schönen Tag. Wortkarg, wie die Ostfriesen eben sind, haben sie einfach aus zwei Wörtern eins gemacht. Wer „Moin Moin“ sagt, gilt als sabbelig.

Plattdeutsch ist mehr als ein Dialekt. Als anerkannte Regionalsprache wird es durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen geschützt. In der Praxis heißt das, wer will, darf Platt sprechen – überall. Auch in der Schule oder vor Gericht.

Und die Ostfriesen machen von diesem Recht Gebrauch. Es kann dir also durchaus passieren, dass du im Gespräch mit Einheimischen nur Bahnhof verstehst. Für diesen Fall hat die Ostfriesische Landschaft ein Online-Wörterbuch herausgebracht – hier kannst du schon mal Vokabeln lernen.

Ein einfaches Moin reicht. Moin Moin ist schon Gesabbel!
Ein einfaches Moin reicht. Moin Moin ist schon Gesabbel! Foto: imago images/Panthermedia

5. Ein Gefühl von Freiheit

Apropos Ostfriesische Landschaft: Die Institution kümmert sich nicht nur um den Erhalt von Sprache und Kultur. Sie ist vor allem Symbol der Friesischen Freiheit.

In Ostfriesland gab es anders als anderswo keine Lehensherren und keine Leibeigenen. Die freien Friesen hatten bis ins Spätmittelalter niemanden außer dem Kaiser über sich. Und als die Häuptlingsfamilie der Cirksena ihren Einflussbereich immer weiter ausweitete und Kaiser Friedrich der III. sie schließlich 1464 in den Reichsgrafenstand erhob, sicherte er den Ostfriesen zugleich urkundlich zu, dass ihre Rechte und Freiheiten bestehen bleiben.

Um diese gegenüber dem Grafen durchzusetzen, entwickelte sich die Ostfriesische Landschaft, in der nicht Klerus, sondern Adel, Bürgerschaft und Bauernstand gleichberechtigt über Gesetzgebung, Steuererhebung und Rechtsprechung bestimmen konnten. Ein Novum in der Geschichte.

Und den Wind der Freiheit, der über diesen besonderen Landstrich weht, kannst du bis heute spüren.

6. Grenzenloses Friesland, so weit die Küste reicht

Freie Friesen gab es im frühen Mittelalter von der Zuiderzee in den heutigen Niederlanden bis an die Unterweser. Die roten Herzen auf der blau-weiß-gestreiften Flagge der niederländischen Provinz Friesland stellen sieben Seerosenblätter als Symbol der sieben Zeelande dar.

Die bäuerlichen Landesgemeinden entwickelten ihr eigenes Rechtssystem. Ihr „Parlamentssitz“ war der Upstalsboom, westlich der Stadt Aurich, im Herzen Ostfrieslands, das übrigens seinen Namen aufgrund der geografischen Lage östlich der niederländischen Provinz Friesland trägt. Das Denkmal kannst du heute in Aurich bewundern.

Upstalsboom | Adresse: Friesische Freiheit 1, 26605 Aurich

Der Upstalsboom in Aurich: Ein Symbol der Friesischen Freiheit.
Der Upstalsboom in Aurich: Ein Symbol der Friesischen Freiheit. Foto: imago images/alimdi

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