Nach Irrfahrt: Kreuzfahrtschiff „MS Westerdam“ legt in Kambodscha an

Nach langer Irrfahrt: Kreuzfahrtschiff „MS Westerdam“ legt an

Nur weil das Kreuzfahrtschiff aus Hongkong kam: Die „MS Westerdam“ irrte tagelang durch asiatische Gewässer, wegen der Angst vor dem Coronavirus durfte sie nirgends anlegen. Nun die Erlösung: Sie dockte in Kambodscha an.

Helmut Hetzel
Die „Westerdam“ hat nach etwa zwei Wochen Irrfahrt in Kambodscha angelegt. (Symbolfoto)
Die „Westerdam“ hat nach etwa zwei Wochen Irrfahrt in Kambodscha angelegt. (Symbolfoto)

Foto: imago images/ZUMA Press

Nach einer zweiwöchigen unfreiwilligen Odyssee des niederländischen Kreuzfahrtschiffes „MS Westerdam“ durch das südchinesische Meer haben die 1.455 Passagiere an Bord nun endlich wieder Hoffnung – und die Aussicht, dass sie das Schiff verlassen und nach Hause fliegen können. Denn: Das Schiff durfte endlich anlegen, und zwar in Kambodscha.

Das Land hatte der „Westerdam“ die Erlaubnis erteilt, im kambodschanischen Hafen Sihanoukville anzulegen. Dort können die Passagiere von Bord gehen und sollen nach Phnom Penh gebracht werden. Dort müssen sie ihre Heimreise selbst regeln. 

Reederei will Passagieren den Heimflug bezahlen

Aber die Reederei, die Holland America Line (HAL), ist großzügig. Sie hat den Passagieren, darunter 91 Niederländer, versprochen, dass sie die Kosten für die Kreuzfahrt voll und ganz zurückerstattet bekommen. Auch der Rückflug wird von der HAL bezahlt. Zudem bekommen alle Passagiere im nächsten Jahr eine neue Kreuzfahrt angeboten – gratis.

Die „Westerdam“ fährt unter niederländischer Flagge – das Schiff startete seine Reise am 1. Februar in Hongkong. Es sollten Häfen in Taiwan, den Philippinen, Singapur, Guam und Thailand angelaufen werden. Endziel war der japanische Hafen Yokohama. 

Aber die „Westerdam“ durfte nirgendwo vor Anker gehen – aus Angst vor dem Coronavirus erhielt sie von keinem der Länder die Erlaubnis, in einen Hafen einzufahren, obwohl nachweislich keiner der 1.455 Passagiere mit dem Virus, das jetzt als 2019-nCov bezeichnet wird, infiziert ist.

Nur Taiwan gab der „Westerdam“ die Erlaubnis, in einen Hafen einzulaufen, um die Vorräte aufzufrischen. An Bord ist  auch Hans van Bemmelen. „Es geht uns gut an Bord. Wir werden von der Crew bestens betreut und versorgt und genießen jeden Tag das vorzügliche Essen“, schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

Der pensionierte Diplomat van Bemmelen macht die Kreuzfahrt zusammen mit seiner aus Irland stammenden Frau Joan und ist ein begeisterter Kreuzfahrt-Fan. „Wir verbringen die Zeit an Bord mit viel lesen, gut essen und trinken. Aber einige Passagiere hatten in den vergangenen Tagen schon Probleme damit, dass sie nicht von Bord gehen konnten und wir nirgendwo mehr anlegen durften“, so van Bemmelen weiter.

Die HAL, die in New York und Rotterdam beheimatet ist, bat die amerikanische und die niederländische Regierung um Hilfe, damit die zeitweise aussichtslose Kreuzfahrt-Odyssee der „Westerdam“ endlich beendet werden konnte.

„MS Westerdam“ ist in Kambodscha eingelaufen

Und dann Erleichterung: „Wir sind gerade in den kambodschanischen Hafen Sihanoukville eingelaufen“, lässt Hans van Bemmelen am Donnerstagmorgen um 7 Uhr (Ortszeit) wissen. „Bin gespannt, wann wir endlich von Bord können.“

Ein Schiff der thailändischen Marine begleitete die „Westerdam“, als diese durch thailändische Gewässer fuhr. Die Eskorte war gleichzeitig auch eine Warnung, dass sie nicht versuchen sollte, einen thailändischen Hafen anzulaufen.

Denn zunächst hatte die Regierung in Bangkok der „Westerdam“ die Erlaubnis erteilt, einen thailändischen Hafen anzusteuern, wo die Passagiere an Land hätten gehen können und dann vom Flughafen Bangkok aus nach Hause hätten fliegen sollen. Doch in letzter Minute zog die Regierung in Bangkok diese Erlaubnis wieder zurück.

Und auch jetzt ist die Odysee der „Westerdam“ noch nicht zu Ende: „Wir können immer noch nicht an Land und liegen nun schon sieben Stunden vor Anker im Hafen“, schreibt van Bemmelen etwa sieben Stunden nach dem Anlegen.

Die Passagiere werden erst noch einmal medizinisch untersucht und auf Fieber überprüft. Nach Angaben des Hafendirektors sollen am Donnerstag 600 Menschen das Schiff verlassen, am Freitag 800 weitere.

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