Die Deutsche Bahn steht still, aber der Betrieb am Flughafen läuft weiter. Die Szene, die sich zuletzt bei Sturmtief „Sabine“ vielerorts ereignet hat, ist bei widrigen Wetterbedingungen oft zu beobachten: Während der Verkehr am Boden kollabiert, starten manche Flieger bei Wind und Wetter, als ob nichts wäre. Komisch, oder?

Fanden wir auch – und haben deshalb mal bei einem Experten nachgefragt, wieso ein Flugzeug eigentlich bei Sturm fliegen kann und bei welchem Wetter der Pilot doch lieber auf dem Boden bleibt. 

Wackelnde Tragflächen? Gutes Zeichen!

„Die Tragflächen sind flexibel konstruiert, um bei starken Turbulenzen nicht zu brechen“, sagt ein Pilot des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) – und nennt damit nicht weniger als die technische Voraussetzung für einen sicheren Flug bei starkem Wind.

Denn wenn die Tragflächen beim Flug zu wackeln beginnen, dann passt sich das Flugzeug den Windbedingungen an. Ein gutes Zeichen also, das aber bei vielen Passagieren oft für Verunsicherung sorge. Das sei allerdings vollkommen unbegründet. Der Pilot beruhigt: „Jedes Flugzeug entspricht streng geregelten Bauvorschriften.“ Also: Alles, was wackelt, soll auch wackeln. 

Übrigens: Auf welchen Flugrouten es besonders häufig zu Turbulenzen kommt, haben wir dir in diesem Überblick zusammengefasst.

Und die Norm besagt, dass ein Flugzeug bei Start und Landung Seitenwinden mit einer Stärke von bis zu 80 Kilometern pro Stunde standhalten können muss. Allerdings wird meistens davon abgesehen, die Grenzen des Fliegers auszutesten.

Bei Sturmtief „Sabine“ zum Beispiel haben die meisten Fluggesellschaften Flüge gestrichen und sind auf Nummer sicher gegangen. Dabei wäre ein Start grundsätzlich möglich gewesen. Denn der Seitenwind, der den Piloten am meisten Probleme bereitet, war diesmal nicht so stark. 

Kapitän entscheidet, ob er fliegt oder nicht

Glück für einige wenige Reisende, die trotz Sturm und Starkregen ans Ziel kamen. Die Verantwortung übernimmt in diesem Fall aber nicht etwa die Fluggesellschaft, sondern „der Kapitän entscheidet, ob ein Flug stattfindet oder nicht“, erklärt der BDL.

Der Pilot hat jederzeit alle Entwicklungen auf seiner Flugstrecke im Blick, insbesondere die Wetterprognosen für den Start- und den Zielflughafen. Auf die Vorhersage kannst du dich übrigens verlassen, denn der Wetterdienst der Luftfahrt ist um einiges exakter als die Vorhersagen, auf die wir im Alltag Zugriff haben. 

Flugzeuge meiden Gewitter und Hagel 

Ein weiteres Wetterphänomen, das Fluggäste verunsichert, ist das Gewitter. Richtig selten sind Blitzeinschläge aber gar nicht, nach Angaben von Lufthansa Technik werde jedes Flugzeug im Laufe seines Lebens mehrfach vom Blitz getroffen. Im Normalfall kann die Maschine weiterfliegen.

Trotzdem gilt grundsätzlich laut BDL: „Gewitter und Hagel werden umflogen.“ Der Mindestabstand dabei beträgt rund 50 Kilometer. Allerdings ist das nicht immer möglich. Wenn es doch mal mitten durchs Gewitter gehen muss, dann werden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Die Geschwindigkeit wird verringert und die Passagiere werden auf Turbulenzen und grelles Licht infolge eines möglichen Blitzeinschlags vorbereitet

Und sollte der Pilot den Sturm mal unterschätzen oder von einem Unwetter überrascht werden, so ist er darauf gut vorbereitet worden. „In regelmäßigen Trainings werden sie mit verschiedenen Extremsituationen konfrontiert, um im Betrieb routiniert zu agieren“, sagt der BDL. Dazu gehöre unter anderem auch das Landen bei extremem Seitenwind.