Es ruckelt im Flieger, das Anschnall-Zeichen leuchtet auf, die Crew setzt zur Durchsage an: Eine unangenehme Situation auf einem Flug, doch wer ohnehin Flugangst hat, kann nun schnell panisch werden. „Was, wenn es technische Probleme gibt? Was, wenn der Pilot keine Kontrolle mehr hat?“ sind da Gedanken.

Vorfälle wie diese, die Alltag in der Luftfahrt sind, sind es, die Menschen sogar vom Fliegen abhalten. Laut einer Studie des Instituts for Demoskopie Allensbach haben 16 Prozent der Deutschen Flugangst, 22 Prozent fühlen sich sehr unwohl, wenn sie ein Flugzeug betreten. 

Dagegen geht die Fluglinie British Airways seit Jahren erfolgreich vor: Piloten der Airline und ausgebildete Psychotherapeuten bieten an verschiedenen Flughäfen wie Johannesburg in Südafrika, Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder London in Großbritannien Seminare an. „Flying with Confidence“ heißt das Programm. 

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Fakten gegen die Angst: Piloten erklären das Flugzeug

Fakten sind die stärksten Gegner von Angst – und hier kommt der Pilot ins Spiel. Denn wer versteht, wie ein Flugzeug funktioniert, kann auch besser begreifen, warum dieses Verkehrsmittel als so sicher gilt. Auf „Travel and Leisure“ schreibt eine Teilnehmerin, wie sehr ihr ein Kurs in Heathrow geholfen hat. 

Kira Turnbull schreibt, dass sie gelernt hat, dass ein Flugzeug etwa auch dann noch fliegen kann, wenn beide Triebwerke ausfallen. Dass es mindestens vier große Vögel braucht, um Triebwerken zu schaden. Dass Piloten jedes halbe Jahr geschult werden – und zwangsbeurlaubt werden, wenn sie nicht fit genug sind. Auch mit den theoretischen Grundlagen der Bernoulli-Gleichung, Grundlage für die Berechnung von Aerodynamik, haben sich die rund 20 Teilnehmer beschäftigt. 

Auch das Thema Turbulenzen spielt eine Rolle, denn immerhin treten sie häufig auf. Der Pilot erklärte: „Turbulenzen sind unangenehm, nicht gefährlich. Sie sind wie ein Stück Obst, das in einem Wackelpudding steckt. Es wackelt, aber es wird nie plötzlich auf den Boden fallen.“

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Die Angst vor dem Fliegen – warum sie irrational ist

Wer also all die Dinge in dem 300 Pfund teuren Kurs (etwa 355 Euro) gelernt hat, muss sie beim nächsten Flug nur noch gezielt anwenden: Fakten verdeutlichen, dass man die Angst nicht überhandnehmen lassen sollte. Für Turnbull auch wichtig: „Piloten haben immer Notfallpläne – die sie aber nur sehr selten benutzen müssen.“

Rund 50.000 Menschen hat British Airways nach eigenen Angaben schon geschult, die meisten in Gruppen-Kursen, aber es werden auch Workshops in Kleingruppen oder Eins-zu-eins-Seminare angeboten. Ein Video der Airline begleitete einen 72-jährigen Mann, der noch nie geflogen war. Die Tochter des Südafrikaners zog allerdings vor 15 Jahren nach London. 

Durch den Kurs konnte er seine Angst überwinden und revidierte die Aussage, nie in ein Flugzeug zu steigen, sagt Ronnie Leach. Er war sogar ein besonders schwieriger Fall, beschreibt sein Pilot und Trainer Steve Allright in dem Video: „Er sagte zu Beginn des Kurses, dass man einem alten Hund keine neuen Tricks mehr beibringen könne.“

Selbst nach der Schulung wollte Leach nur mit Captain Steve fliegen. Der organisierte allerdings, dass der Pilot der Maschine von Johannesburg nach London sich persönlich vorstellte und Passagier Leach eine gute Betreuung erhielt – und so konnte er zum ersten, aber sicherlich nicht zum letzten Mal seine Tochter in London besuchen.