Städte am Meer üben eine große Faszination aus. Dort, wo schon immer Schiffe in den Häfen lagen, um in die große, weite Welt aufzubrechen, gibt es die spannendsten Geschichten zu entdecken. Ob Seehandel, Fischerei oder Weltentdeckung: Die „Tore zur Welt“ waren immer schon wichtig und spielen auch heute eine große Rolle im Tourismus.

Denn egal ob Kreuzfahrtschiffe oder Wochenendurlauber: Hafenstädte locken Touristen in Scharen an. Das hat auch Nachteile: Overtourismus hat Hafenstädte wie Venedig, Barcelona oder Dubrovnik erreicht. 80 Prozent des Kreuzfahrtverkehrs in Kroatien entfallen beispielsweise auf Dubrovnik.

Seit „Game of Thrones“ hier gedreht wurde, kann sich die kroatische Hafenstadt vor Touristen nicht mehr retten. Bleibt die Frage: Warum Ziele ansteuern, die überlaufen sind, wenn Europa auch andere Hafenstädte zu bieten hat? Hier kommen fünf der schönsten und weniger besuchten Hafenstädte Europas – inklusive hipper Hafenviertel.

1. Niederlande: Unterwegs in Utrecht

Utrecht ist eine echte Alternative zu Amsterdam– denn die Stadt ist ähnlich schön, hat aber deutlich weniger Touristen... Denn so schön und cool Amsterdam auch ist, so überlaufen ist der Hafen, der als viertgrößter Frachtschiffhafen der Europäischen Union gilt. Rund 98,5 Millionen Tonnen Güter werden hier jährlich verschifft.

Der gechillte Gegenpol zum trubeligen Amsterdam ist Utrecht. Hier leben nur 350.000 Einwohner – und die sind jung. Denn in Utrecht gibt es fast 70.000 Studenten. Hier befindet sich die größte Universität der Niederlande.

"Utrecht ist fast so schön wie Amsterdam - nur ohne Touristen"

Das macht die Stadt zum idealen Ort für einen Trip mit Hipster-Flair und Hafen-Feeling. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Bauweise entlang der Wasserwege ist besonders spannend. Grachtenhäuser und Kaianlagen sind über einen Tunnel unter der Straße miteinander verbunden. So konnte man die Waren direkt in die Häuser transportieren.

Noch heute gibt es mehr als 700 dieser Gewölbekeller, nur spielt sich die Ware nun anders ab – in Form von hippen Cafés, Restaurants, Discos und Shops. Lifestyle-Faktor? Sehr hoch!

Lokal-Tipp: Ein kleines, gemütliches Restaurant mit großen Portionen: De Witte Ballons | Adresse: Lijnmarkt 12, 3511 KH Utrecht

2. Malta: Vielfalt in Valletta

Kleine Insel, große Geschichte: Mit einer Fläche von nur 300 Quadratkilometern ist Malta eine kleine Insel und in etwa so groß wie München. Klein bedeutet aber ganz klar oho. Obwohl Valletta mit einer Einwohnerzahl von 7.000 auch eine der kleinsten Hauptstädten Europas ist, lohnt es sich, hier anzulegen.

Direkt vor der Stadtmauer ist der Naturhafen Grand Harbour, wo sowohl Segeljachten als auch große Kreuzfahrtschiffen liegen. Der Hafen in Valletta zählt zum schönsten Naturhafen im Mittelmeer.

Ein Highlight ist auch die Innenstadt. Die verwinkelten Gassen und historischen Bauten dienten mehrfach als Filmkulisse, unter anderem für „Game of Thrones“, „Troja“ und „Gladiator“. Auf deine To-do-Liste gehören unbedingt die St.-John's-Co-Kathedrale, die Upper und Lower Barrakka Gardens, die Karmelitenkirche, der Regierungspalast und das Festungsmuseum – aber natürlich auch der Hafen. Die Valletta Waterfront ist besonders schön am Abend, wenn du in einem der Lokale sitzt und das Mittelmeer vor der Nase hast.

Malta wirkt noch immer „very british“, zum Beispiel durch die roten Telefonzellen – hier eine vor der Bridge Bar in Valletta.

Lokal-Tipp: Lässige Bar mit Jazz-Gigs und Blick auf den Grand Harbour: Bridge Bar | Adresse: 258 St Ursula Street, Valletta

3. Deutschland: Hipster in Hamburg

Wer ein Faible für Hafenstädte hat, kommt an Hamburg nicht vorbei. Die Hansestadt trägt zurecht den Namen „Deutschlands Tor zur Welt“. Mit 118,8 Millionen Tonnen umgeschlagener Güter gilt Hamburg als drittgrößter Frachtschiffhafen Europas.

Seit Jahrhunderten ist der Hafen an der Elbe Zentrum für Weltumsegler, Containerschiffe und Kreuzfahrer. Doch anders als in Venedig oder Dubrovnik ist die Stadt trotz großem Schiffbetriebs weniger überlaufen – und legt jedes Jahr in Sachen Coolness eine Schippe drauf.

Die HafenCity wächst über sich hinaus. Millionen Besucher kommen nicht nur wegen der Elbphilharmonie, sondern wegen dem neuer Stadtteil, der südlich der Speicherstadt boomt: die HafenCity Hamburg.

Auch Deutschland hat viel zu bieten. Zum Beispiel: Die idyllische Speicherstadt von Hamburg.

Besonders cool: Die HafenCity versteht sich als ein "Labor des nachhaltigen Bauens". So kommen viele recycelte, unter sozialen Arbeitsbedingungen und bei geringem Energieverbrauch hergestellte Materialien zum Einsatz. Was hier entsteht, trägt vielerorts einen hippen Stempel.

Zum Shoppen geht’s auf den Überseeboulevard mit vielen lässigen Stores, Kaffee trinkt man am Traditionsschiffhafen, wo entlang des Sandtorkais und des Kaiserkais eine Flaniermeile liegt, die wegen der Cafés als "Kaffeekanal" bezeichnet wird.

Lokal-Tipp: Direkt gegenüber der „Elbphi“ Snacks im Bistro futtern oder edel speisen: Carls | Adresse: Am Kaiserkai 69, 20457 Hamburg

4. Norwegen: Originalität in Oslo

Denkt man an nordische Seehäfen, kommen einem sofort Bergen und Stavanger in Norwegen in den Sinn. Dabei ist auch der Hafen der Hauptstadt Oslo ein bedeutender Fährhafen an der Nordsee. Und nicht nur das: Hafenpromenade und Hafenviertel tragen einen hippen Stempel!

Die Hafenpromenade ist ein Highlight von Oslo.

Die „Havnepromenaden“ am Fjordufer in Oslo ist neun Kilometer lang und verbindet die Stadt von Ost nach West. Das Hafenviertel Aker Brygge ist besonders im Sommer ein Hotspot der Stadt. Hier gibt es unzählige Restaurants, Cafés und Boutiquen.

Im Laufe der letzten Jahre ist rund um Aker Brygge ein Szeneviertel entstanden. Highlights sind das gleichnamige Einkaufszentrum in einem ehemaligen Werftgelände, dessen Optik mit Glas und Backstein ein absoluter Hingucker ist. Um die Ecke liegt das „Astrup Fearnley Museum of Modern Art“, wo regelmäßig Art Nights veranstaltet werden. Um den Kiez vom Wasser aus zu sehen, solltest du eine Fährfahrt durch den Oslofjord machen.

Lokal-Tipp: Stylisches Café mit dem besten Kaffee im Hafenviertel: Mesh, Tordenskiolds gate 3, 0160 Oslo

5. Spanien: Magie in Malagá

Eine jener Hafenstädte, die am stärksten mit Overtourism zu kämpfen hat, ist Barcelona. Schuld daran sind 2,7 Millionen Kreuzfahrtpassagiere und ein Containerumschlag von rund drei Millionen TEU jährlich (steht für Twenty-foot Equivalent Unit. Zu Deutsch: Zwanzig-Fuß-Standardcontainer; eine Einheit zur Zählung von ISO-Containern verschiedener Größen und zur Beschreibung der Ladekapazität von Schiffen und des Umschlags von Terminals beim Containertransport).

Warum also nicht lieber an der Costa del Sol anlegen und im andalusischen Malagá eine Hafenstadt entdecken, die weniger überlaufen ist?

Malaga statt Barcelona - die weniger überlaufene Hafenstadt Spaniens.

Bereits vor über 3.000 Jahren nutzten die Phönizier den Hafen vor Málaga. Der liegt gerade mal zehn Gehminuten von der Altstadt entfernt. Du solltest aber unbedingt genug Zeit für das Hafenviertel einplanen, denn hier hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan. Früher war der Hafen nicht begehbar, doch kürzlich das Hafengelände umgestaltet und unter dem Namen „Muelle Uno“ neu eröffnet.

Das Gelände ist nun eine Art offenes Einkaufszentrum mit einer langen Promenade, die zum Leuchtturm La Farola führt. Cafés, Restaurants und Boutiquen reihen sich aneinander und es finden Kunsthandwerkermärkte, Ausstellungen, Konzerte und Filmvorführungen in einem offenen Kino statt.

Lokal-Tipp: Die besten Tapas und Weine im Hafenviertel: Gorki, Paseo de la farola, Centro comercial Muelle 1, 29001 Málaga