Lost Places ziehen Abenteurer und Hobby-Entdecker förmlich an. Kein Wunder, schließlich versprühen die alten, verlassenen und teilweise schaurigen Gebäude einen ganz speziellen Charme und erzählen dabei interessante Geschichten von vergangenen Tagen. Der reisereporter nimmt dich mit auf eine Tour zu sieben Lost Places in Berlin.

1. Irakische Botschaft

Dieser Lost Place zählt mit Sicherheit zu den ungewöhnlichsten in Deutschland. Eine verlassene Botschaft mitten im Berliner Bezirk Pankow ist seit Jahren dem Verfall überlassen.

Zwischen 1974 und 1991 fungierte das Gebäude als Botschaft des Iraks. Heute zeugen Schriftstücke in arabischer Schrift und alte Schreibmaschinen von den einstigen Bewohnern.

Schreibmaschinen und Bürotische zeugen von den ehemaligen Bewohnern der irakischen Botschaft in Berlin.

Jahrelang war das Haus in der Tschaikowskistraße der Arbeitsort irakischer Botschafter und Diplomaten. Doch wegen des Irak-Kriegs im Jahr 1991 forderte die Bundesregierung sämtliche Mitarbeiter auf, das Land zu verlassen.

Seitdem verfällt das Haus – und ist mit einem Zaun gesichert. Das Betreten ist verboten, trotzdem erscheinen immer wieder Fotos aus dem Inneren des Gebäudes in sozialen Medien.

2. Stadtbad Lichtenberg

Das Stadtbad in Lichtenberg ist wohl einer der fotogensten Lost Places überhaupt. Die blauen Fliesen, die Schwimmbadleitern und die große Kuppel machen das einst gut besuchte Bad zu einem atemberaubenden Fotomotiv. Doch das Gebäude verfällt immer mehr und der Glanz früherer Tage verblasst langsam, aber sicher.

1928 sah das noch ganz anders aus. Nach der Eröffnung des Schwimmbades galt die Einrichtung als eines der modernsten Bäder Berlins. Doch im Jahr 1991 zerstörte eine Havarie sämtliche Anlagen und sorgte für die Schließung.

Nun steht das Stadtbad unter Denkmalschutz, wird aber weiterhin dem Verfall überlassen. Die Zugänge wurden verschlossen, der Zutritt ist untersagt.

3. Alte Eisfabrik

Eine alte Eisfabrik – das klingt doch zuckersüß. Tatsächlich ist von dieser Seite der Fabrik aber nicht mehr viel übrig. Das Gebäude an der Köpenicker Straße im Ortsteil Mitte ist von oben bis unten mit Graffiti bemalt, die alten Maschinen sind größtenteils entfernt worden. Ein altes, massives Schwungrad zeugt aber noch heute von den früheren Geschäften.

Das Schwungrad in der Eisfabrik in Berlin zeugt noch vom einstigen Zweck des Gebäudes.

Im Jahr 1896 startete in der Fabrik die Eisproduktion. Mithilfe einer Eisgießerei produzierten die Mitarbeiter dort Eis in Form von Stangen, das dann portionsweise in Geschäften verkauft wurde.

1995 wurde die Produktion aber eingestellt und ein Brand im selben Jahr besiegelte das Schicksal des Gebäudes – ein Lost Place war geboren.

4. Kinderkrankenhaus Weißensee

Schon der Name dieses Lost Places lässt Abenteurern die Nackenhaare hochstehen. Ein verlassenes Kinderkrankenhaus klingt nach jeder Menge Grusel. In Wahrheit ist das Krankenhaus in Weißensee aber einer der berühmtesten Lost Places Berlins, obwohl das Betreten streng verboten ist.

Im Jahr 1901 eröffnete die Einrichtung als eine der modernsten Kliniken des Landes. Doch 1997 machte sie aus finanziellen Gründen dicht. Mittlerweile bestimmen Trümmer das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Hauses. Zahlreiche Fußböden des riesigen Komplexes sind eingebrochen und stellen eine echte Gefahr bei unerlaubten Besuchen dar.

5. Freizeitpark Spreepark

Der Spreepark im Ortsteil Plänterwald ist eine echte Berühmtheit in der Lost-Places-Szene. Kein Wunder, wo findest du sonst alte Achterbahnen, ein Riesenrad und verlassene Imbissbuden, die auf einem riesigen Areal frei herumstehen?

Der Freizeitpark galt nach seiner Eröffnung im Jahr 1969 als der einzige seiner Art in der DDR und zog jährlich rund 1,7 Millionen Besucher an.

Das Riesenrad im Spreepark war einst ein echter Publikumsmagnet.

Nach der Wiedervereinigung wechselte dann aber der Besitzer und der Park veränderte sich. Die Umbauarbeiten wurden plötzlich stark beschränkt, als große Teile des Spreeparks zum Landschaftsschutzgebiet des Plänterwald erklärt wurden und nicht mehr nutzbar waren.

In den folgenden Jahren blieben die Besucher aus, der Park schloss aus finanziellen Gründen im Jahr 2001 endgültig seine Tore. Der neue Eigentümer bietet nun aber ganz offiziell Führungen durch den einstigen Vergnügungspark an. Lost-Places-Fans wird dringend empfohlen, an einer Führung teilzunehmen, anstatt sich selbst illegalerweise Zutritt zum streng bewachten Areal zu verschaffen.

6. Blub-Badeparadies

Das Blub-Badeparadies ist das zweite verfallene Schwimmbad in Berlin. Das Gelände befindet sich im Stadtteil Britz und hat ein ziemliches Auf und Ab hinter sich. Nach der Eröffnung des Freizeitbades im Jahr 1985 kamen bis zu 600.000 Besucher jährlich. Doch schnell machten sich Gerüchte über unhygienische Zustände und Gefahrenstellen im Bad breit.

Im Jahr 2002 bewahrheiteten sich diese Gerüchte schließlich. Das Gesundheitsamt musste das Schwimmbad wegen eines Rattenbefalls schließen und besiegelte damit das Ende des Badeparadieses.

Der Sauna-Bereich war zwar noch bis 2012 in Betrieb, seitdem ist das Gelände aber verwaist. Mehrere Großbrände haben das Blub zu einer einsturzgefährdeten Ruine gemacht, die einen Besuch zu einem gefährlichen Ausflug machen kann.

7. Institut für Anatomie

Dieser schaurige Ort ist irgendwie fehl am Platz. Schließlich steht die Ruine des ehemaligen anatomischen Instituts der Freien Universität Berlin mitten im Villenviertel Dahlem. Das 1929 gebaute Haus wurde seit 1949 von der Uni für die Lehre der Anatomie genutzt. In den oberen Stockwerken befanden sich die Hörsäle, im Keller die schaurigen Seziertische.

Doch nach dem Zusammenschluss der FU und der Humboldt-Universität zur Charité war das Institut in Dahlem überflüssig und wurde geschlossen. Im Jahr 2008 kaufte Aldi das Gelände und wollte einen Discounter-Markt eröffnen, erhielt aber keine Baugenehmigung. Seitdem wird das alte Haus sich selbst überlassen und ist somit zu einem der beliebtesten Lost Places in Berlin geworden.