Muss uns jetzt mulmig werden? Von den Wellen des Meeres droht keine Gefahr, und allzu weit zu unserem Ziel ist es ja auch nicht. Aber dieser Motor am linken Heck des Longtailbootes! Ein rostiges Ungetüm, das aussieht, als käme es direkt vom Schrottplatz.

Sei’s drum: Es gibt zum Glück einen zweiten Motor, und der tuckert während der halbstündigen Überfahrt vom Küstenort Kep zur Kanincheninsel so munter vor sich hin, dass an Bord das eigene Wort kaum zu verstehen ist. Der andere bleibt stumm und dient wohl nur dazu, das Boot in Balance zu halten.

Ohne Boot geht nichts: Wer sich auf den Weg nach Koh Tonsay macht, auf den wartet eine halbstündige Überfahrt.


Wir sind unterwegs auf dem Golf von Thailand und auf direktem Weg dorthin, wo es noch jene Idyllen geben soll, nach denen Reisende anderswo längst vergeblich sucht.

Den Sandstrand, den man fast für sich allein hat, die Hängematte unter Palmen und die Bambushütte mit dem Dach aus Zweigen, in der einen um 5 Uhr morgens der Hahn mit seinem Kikeriki aus dem Schlaf holt. Gleich dahinter der Dschungel mit den für europäische Ohren so befremdlichen tierischen Geräuschen.

Koh Tonsay ist ein Ort zum Durchatmen

Koh Tonsay heißt dieser Sehnsuchtsort vor der Südostküste Kambodschas, der sich als ein Platz zum Tagträumen und zum Durchatmen präsentiert. Hier kannst du loslassen bei der Suche nach der inneren Balance. Was du dazu brauchst, sind lediglich Badesachen, ein bisschen Bargeld – und Insektenschutz, zumindest für die Nacht. Ansonsten lässt du dich treiben.

Auf der Kanincheninsel Koh Tonsay kannst du dich ein wenig wie Robinson Crusoe fühlen.


Koh Tonsay, auch Rabbit Island genannt, ist vor allem Ziel von Tagestouristen. Wer länger bleibt und für zwei oder drei Tage Anker wirft, der muss das einfache Leben mögen. Von wegen Internet oder warmes Wasser aus dem Hahn!

In den 70 Bungalows, die in Sichtweite vom Sunset Beach für 10 bis 25 Dollar pro Tag zu mieten sind, gibt es am Abend nur für vier Stunden elektrischen Strom. Gegen 22 Uhr, wenn der Generator verstummt, wird es zappenduster auf dem zwei Quadratkilometer großen Eiland. Mal abgesehen vom Licht der Sterne, die einen nachts in ihren Bann ziehen.

Die Küche ist preiswert und lecker

Es ist Mittagszeit, und wir haben uns bei Großmutter Orn niedergelassen, einem Lokal direkt am Strand. Das Badevergnügen im lauwarmen Meer mit dem für die Tropen typischen Blau hat hungrig gemacht. Es gibt Gemüse, Fisch und Hühnerfleisch in unterschiedlichen Variationen – alles frisch zubereitet, preiswert und lecker. Einfache Küche kann so fantastisch sein.

Vielfalt auf dem Tisch: Kambodschas Küche setzt auf frische Zutaten, kommt dabei aber ohne scharfe Gewürze aus.


Großmutter Orn gehört einer der elf Familien, die auf Koh Tonsay seit Generationen zu Hause sind. Mit einer Unterbrechung: Nachdem die Roten Khmer 1975 die Macht in Kambodscha übernommen hatten und Tod und Schrecken verbreiteten, wurden alle Bewohner der Insel aufs Festland verbannt – zur Zwangsarbeit auf den Reisfeldern. Erst Jahre später konnten sie zurückkehren, und aus Fischern wurden touristische Kleinunternehmer.

Außer dem kleinen Restaurant gehören der Familie inzwischen 13 Bungalows, ein sicheres Indiz dafür, wohlhabend zu sein. Landesweit liegt das jährliche Durchschnittseinkommen nach offiziellen Angaben gerade einmal bei 1.763 Dollar.

Deutscher bietet Touren auf dem Teuk Chhou an

Als wohlhabend würde sich Björn Seewald nicht bezeichnen. Aber der 33-Jährige ist auch nicht nach Kambodscha gekommen, um hier reich zu werden. „Ich habe die Ruhe und das einfache Leben gesucht“, sagt er. Und er hat es gefunden.

In kurzer, durch die Sonne verblasster Hose heißt der Mann aus Deutschland uns in Kampot willkommen, der verschlafenen Provinzhauptstadt mit dem Charme der französischen Kolonialzeit. Der Teuk Chhou, der auch Kampot Bay River genannt wird, durchschneidet den Ort und bildet seine Lebensader. Und für Seewald ist er das Revier, in dem er sein Leben lebt. Leinen los zur Fahrt flussaufwärts – mit dem Deutschen als Begleiter, der Land und Leute inzwischen so gut kennt, als sei er hier groß geworden.

Bei seinem Aussteigertrip durch Indochina ist der gebürtige Nordhäuser im Jahr 2010 in der 55.000 Einwohner zählenden Stadt gelandet. Auf Anhieb hat er sich in sie verliebt – und ist geblieben. Seit fünf Jahren bietet Seewald, der in Kampot die Sprache der Khmer erlernt hat, Touren auf dem Teuk Chhou an. Wir passieren die beiden Brücken, die West- und Ostufer verbinden, jetzt wird der Fluss Teil einer faszinierenden Landschaft. Es geht vorbei an Mangroven, ein Adler zieht seine Kreise. Man könnte sich im Paradies wähnen.

Der deutsche Auswanderer Björn Seewald bietet Touren auf dem Teuk Chhou an.


„Das ist geschütztes Gebiet. Eigentlich“, sagt Seewald und zeigt mit der Hand nach Nordwesten. Dorthin, wo sich in der Ferne in sattem Grün die Elefantenberge erheben. Sie sind Teil des Bokor-Nationalparks, hier leben nicht nur Wildelefanten, sondern auch Leoparden, Tiger und Malaienbären.

Doch das Plateau, einst Sommerfrische der französischen Kolonialherren und in den Neunzigerjahren einer der letzten Rückzugsorte der Roten Khmer, ist seit einiger Zeit eine große Baustelle. Chinesische Investoren lassen den Bokor Hill nach ihren Vorstellungen und mit dem Wohlwollen der Regierung umkrempeln. So wie es vielerorts im ganzen Land geschieht. Durch den Regenwald frisst sich in Serpentinen eine breite Straße, die auf den 1.080 Meter hohen Gipfel mit seiner fantastischen Aussicht zum neuen Casino-Luxushotel führt.

Auch das Gesicht des Teuk Chhou hat sich gewandelt: hier ein Resort unmittelbar am Ufer, da das nächste. „Als ich hierhergekommen bin, gab es das alles noch nicht“, sagt Seewald. Jetzt sind Touristen in Kanus auf dem Fluß unterwegs, und hinter den hölzernen Anlegestegen wird Party gemacht. Die Fischer, die in ihren Booten im Konvoi hinaus aufs Meer fahren und die unseren Gruß winkend erwidern, scheint das nicht zu stören.

Kampot hat sich sehr schnell verändert. nicht immer zum Vorteil.

Björn Seewald, Auswanderer aus Deutschland

„Kampot hat sich sehr schnell verändert. Nicht immer zum Vorteil“, berichtet Seewald. Da gehe es um sehr viel Geld, und manches Geschäft sei so undurchsichtig wie das Wasser des Teuk Chhou in der Regenzeit.

Ziel vieler Gläubiger: Der Tempel Prasat Phnom in der Nähe von Takeo ist einer der ältesten des Landes.


Wir sind zurück in Kampot. Im noch stark französisch geprägten Viertel am Ostufer reiht sich Lokal an Lokal, jedes lohnt den Besuch. Nicht zu übersehen ist, dass an der Flaniermeile und in den Nebenstraßen einiges getan wird, um den verblichenen Glanz aufzupolieren. Die Kleinstadt bewahrt sich so ihren speziellen Reiz und versprüht beim Passieren der Cafés, Bars und Garküchen eine Romantik, die man nicht erwartet hat.

Zahl der Touristen ist überschaubar

Am Straßenrand hoffen Tuk-Tuk-Fahrer geduldig auf neue Fahrgäste; von überbordender Geschäftigkeit ist – anders als etwa im wuseligen Phnom Penh mit seinen ständig verstopften Straßen oder in Sihanoukville, wo man sich auf einer staubigen Großbaustelle wähnt – wenig zu spüren. Noch ist die Zahl der Touristen, die hierherkommen, überschaubar. Vom Ostufer aus, in Höhe des Provinzial-Museums, den Sonnenuntergang am gemächlich dahinfließenden Teuk Chhou zu verfolgen ist ein Erlebnis, das sich einbrennt in die Erinnerung.

Tempelinsel Phnom Da liegt an der Grenze zu Vietnam

Wasser bleibt unser Begleiter während der Reise durch Kambodschas Süden. Im Schnellboot geht es von Takeo über Kanäle zur Tempelinsel Phnom Da dicht an der vietnamesischen Grenze. Bei der einstündigen Fahrt durch das riesige Überschwemmungsgebiet des Mekong sehen wir Reisbauern, die mit der Hacke ihre Felder beackern; Fischer, die Netze ausgeworfen haben, stehen bis zur Hüfte im Wasser. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.

Der Phnom-Da-Tempel, dessen Geschichte bis ins sechste Jahrhundert zurückreicht und der damit älter ist als das weltberühmte Angkor Wat, thront auf einem 50 Meter hohen Hügel. Am Eingang treffen wir auf zwei alte Frauen und eine Schar Kinder mit erwartungsfrohen Augen. Für eine kleine Geldspende wird eine Kerze angezündet. Hoffen auf bessere Zeiten.

Zu den steinernen Attraktionen dieser Region gehört der dem hinduistischen Gott Shiva geweihte Tempel Ta Prohm unweit des Tonle-Bati-Sees.


Nicht anders beim Tempel Ta Prohm auf der Halbinsel Tonle Bati, einer heiligen Stätte aus dem zwölften Jahrhundert. Auch hier wird Kambodschas wechselvolle Historie anschaulich. Am Eingang sehen wir eine Buddha-Statue; die Roten Khmer haben ihr vor Jahrzehnten den Kopf abgeschlagen. Damals, als aus dem Tempel ein Gefängnis wurde.

Davon wüssten inzwischen nur noch die wenigsten, sagt unser Begleiter Chum Sethor (51). „Über die Pol-Pot-Zeit redet man nicht gern. Daran wollen sich viele nicht erinnern.“ Doch auch steinerne Zeugen können sprechen. Und an denen fehlt es Kambodscha nicht.

Tipps für deine Reise nach Kambodscha

Anreise: Direktflüge aus Deutschland nach Kambodscha sind nicht möglich. Singapore Airlines bietet mehrere Verbindungen an. Ab Frankfurt am Main geht es zweimal täglich, ab München einmal täglich und ab Düsseldorf viermal wöchentlich zunächst nach Singapur, von dort aus mit der Tochtergesellschaft Silk Air weiter nach Phnom Penh oder Siam Reap.

Hin- und Rückflug sind in der Economy Class ab 749 Euro buchbar – bei 30 Kilogramm Freigepäck. Ein preisgünstiges Stopover-Programm der Airline bietet die zusätzliche Gelegenheit, Singapur kennenzulernen.

Einreise: Bei Einreise über die Flughäfen Phnom Penh oder Siam Reap ist ein Touristenvisum nötig. Es ist einen Monat lang gültig und kann online beantragt werden. Die Kosten betragen 36 US-Dollar. Der Reisepass muss mindestens noch sechs Monate gültig sein.

Beste Reisezeit: Von November (dann ist die Regenzeit zu Ende) bis März. Die Temperaturen am Tag liegen dann zwischen 23 und 33 Grad Celsius – bei einer für Mitteleuropäer akzeptablen Luftfeuchtigkeit.

Veranstalter:Dertour bietet die sechstägige Privatreise „Kambodschas zauberhafter Süden“ ab 812 Euro pro Person ab Phnom Penh an. Die Reisenden sind im Auto oder mit Boot mit deutsch sprechendem Reiseleiter unterwegs. Besucht werden unter anderem Angkor Borei, Kep, die Kalksteinhöhle Phnom Sia, die Insel Koh Tonsay und der Ream-Nationalpark. Übernachtet wird in Mittelklassehotels. Eine individuelle Verlängerung ist möglich. Das gilt auch für die Gruppenreise „Tempel und Traumstände“ von Meiers Weltreisen. Diese ist auf acht Tage ausgelegt; ab Siem Riep geht es dabei zum Einstiegspreis von 1112 Euro pro Person im klimatisierten Minibus über Angkor Wat und Battambang bis zur Insel Koh Rong.

Geld: Touristen kommen in Kambodscha auch gut ohne die Landeswährung Riel aus. Bezahlt wird meistens in US-Dollar, die es auch an Geldautomaten gibt. Ein Dollar entspricht 4.000 Riel.

Gesundheit: Außerhalb von Phnom Penh, Sihanoukville und Siem Reap ist die medizinische Versorgung dürftig. Der Impfschutz (speziell Hepatitis A, Tollwut und gegebenenfalls Cholera) sollte vor Reiseantritt überprüft werden. Das Malariarisiko ist mit Ausnahme vom Norden und Nordosten des Landes sowie südlich des Tonle-Sap-Sees gering. Wichtig ist der Schutz vor Mücken abends und nachts.

Die Reise wurde unterstützt von DER Touristik und Singapore Airlines. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.