Notfall an Bord: Wie fühlen sich eigentlich die Piloten?

Notfall an Bord: Wie fühlen sich eigentlich die Piloten?

Hunderttausende Flüge sind pro Tag unterwegs – und nicht bei allen läuft es rund. Was genau machen eigentlich Piloten, wenn es ein Problem mit der Maschine oder einen Notfall an Bord gibt?

Zwei Piloten fliegen der Sonne entgegen.
Wie geht es eigentlich Piloten damit, wenn nicht alles glatt läuft? (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Ave Chuklanov

7700 – diesen oft auch als „Seven seven – going to heaven“ bezeichneten Code senden die Piloten, um auf eine Luftnotlage aufmerksam zu machen. Dazu zählen Treibstoffmangel, medizinische Notfälle an Bord, technische Defekte oder andere Probleme. Aber was passiert eigentlich, wenn ein solches Maday abgesetzt wird? Was machen die Piloten im Cockpit – und wie geht es ihnen dabei?

Die meisten Notfälle sind nicht dringend

Pilot Ken Hoke, der im Cockpit von Maschinen des Typs Boeing 757/767 für eine Paket-Express-Airline arbeitet, erklärt dem Portal „Flightradar 24“, was wirklich passiert, wenn es während des Flugs einen Notfall gibt.

Bei einem Triebwerksausfall kurz nach dem Start würde der Pilot sofort den Code 7700 senden und wäre augenblicklich auf die Hilfe der Fluglotsen am Boden angewiesen.

Mayday – wie fühlen sich Piloten in solch einem Moment? (Symbolfoto)
Mayday – wie fühlen sich Piloten in solch einem Moment? (Symbolfoto) Foto: imago images/photothek

In den meisten Fällen müsse sich der Flugkapitän bei einem Notfall aber nicht beeilen. Häufig hätten die Piloten und die Crew genug Zeit, um die Lage an Bord sachlich einzuschätzen, den genauen Grund für die Situation herauszufinden und dann abzuwägen, ob der Notruf wirklich gesendet werden muss, so Hoke.

Was macht der Pilot im Notfall?

Dank der ausgefeilten Technik in modernen Flugzeugen bekommt der Pilot in der Regel eine Fehlermeldung auf seinem Monitor im Cockpit angezeigt, wenn etwas mit der Maschine nicht stimmt. Sollte das Problem nicht unmittelbar die Sicherheit des Fluges gefährden, bewahrt der Kapitän zunächst Ruhe und arbeitet nach einem festen Protokoll.

Flugzeug im Landeanflug.
Wenn etwas mit der Maschine nicht stimmt, sorgen die Fluglotsen für genug Platz bei der Landung. (Symbolfoto) Foto: imago images/ZUMA Press

Für jede Fehlermeldung hat er nämlich eine Checkliste, die er mithilfe des Co-Piloten abarbeitet und die dabei helfen kann, das Problem selbst zu beheben. Sollte das Notfallprotokoll aber nicht helfen, meldet der Pilot einen Notfall per Funk. Dadurch erhält das Flugzeug sofort Priorität vor allen anderen Flugzeugen in der Luft und kann ohne Verzögerung seine Route ändern und unverzüglich landen.

Code 7700 setzt alle Regeln außer Kraft

Sollte es an Bord brennen oder sind die Treibstofftanks plötzlich leer, zögert der Pilot in der Regel keine Minute und funkt sofort den Notfallcode 7700. Aber auch bei kleineren technischen Problemen, die während des Flugs mithilfe der Checkliste bereits gelöst werden konnten, meldet der Kapitän häufig bei der Landung einen Notfall beim Tower.

Schließlich könne er sich nie zu 100 Prozent sicher sein, ob die Checkliste das Problem wirklich behoben hat. Um Risiken zu vermeiden, hilft ihm der Code 7700, denn dadurch werden für den Piloten sämtliche Regeln der Luftfahrtbehörden außer Kraft gesetzt.

Im Notfall müsse er sich dann nicht mehr an Geschwindigkeitsbegrenzungen und Landewinkel halten, sondern könne so handeln, wie er es in der Situation für angemessen und sicher hält.

Fluglotsin im Tower.
Fluglotsen helfen den Piloten im Notfall. (Symbolfoto) Foto: imago images/ITAR-TASS

Die mentale Belastung ist dabei aber extrem hoch. Sobald der Notfall ausgerufen wurde, steigt das Arbeitspensum für den Piloten enorm.

Dabei noch den Überblick zu behalten und auf die Sicherheit aller Passagiere an Bord zu achten stellt eine echte Herausforderung dar, die die Flugkapitäne regelmäßig im Simulator trainieren.

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