Lost Places in NRW – 8 faszinierende verlassene Orte

Lost Places in NRW – 8 faszinierende verlassene Orte

Leer stehende Fabriken, Villen, deren Pracht verstaubt, oder Gebäude mit trauriger Geschichte: Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es faszinierende Lost Places. Doch nicht immer ist die Entdeckungstour legal.

Die ehemalige Kokerei und Zeche Hansi Hansa in Dortmund-Huckarde ist heute ein Industriedenkmal.
Verlassener Pott-Charme: Die ehemalige Kokerei Hansa in Dortmund.

Foto: imago images / Winfried Rothermel

Du liebst Orte mit spannender Vergangenheit und sprödem Charme? Dann ist die Jagd nach Lost Places das perfekte Hobby für dich. Dafür musst du nicht gleich quer durch Europa oder ans andere Ende der Welt reisen. Faszinierende bröckelnde Zeitzeugen kannst du auch in Deutschland besuchen, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen.

Der reisereporter hat acht schaurig-schöne Orte in NRW gesammelt. Aber Vorsicht – bei vielen von ihnen gilt: Betreten verboten! Informiere dich vor deinem Besuch also genau, ob und wie viel du von den Gebäuden besichtigen darfst.

1. Kokerei Hansa, Dortmund

Völlig legal kannst du die ehemalige Kokerei Hansa in Dortmund besuchen. Wo von 1928 bis 1992 Steinkohle zu Koks (nicht die Droge, sondern der Brennstoff) verarbeitet wurde, kannst du heute dem industriellen Boom im Ruhrgebiet nachspüren.

Auf dem Gelände findest du hohe Türme, gigantische Maschinen und immer wieder Räume, die sich die Natur zurückerobert. Außerdem ist das Industriedenkmal regelmäßig Schauplatz verschiedenster Veranstaltungen.

2. Villa Oppenheim, Köln

Hinter diesem prunkvollen Namen verbirgt sich die Ruine eines Gestüts. Um 1880 kaufte der Kölner Bankier Eduard Freiherr von Oppenheim ein Stück Land in Köln-Fühlingen, auf dem er ein Gutshaus und ein Gestüt mit Pferderennbahn errichten ließ. Diese wurde jedoch schnell wieder plattgemacht, und auch das Gutshaus ist zum Teil abgerissen. Die noch stehende Ruine zieht aber bereits seit Jahren „Urban Explorers“ in ihren Bann. Wie lange das Gebäude noch in diesem Zustand bleibt, ist ungewiss: Immer wieder spricht die Stadt Köln von verschiedenen Bauprojekten.

Übrigens: Auch das Palais du Rhin im Kölner Stadtteil Bayenthal ist als Villa Oppenheim bekannt. Es ist aber weitestgehend intakt und wurde in den vergangenen Jahren unter anderem für Veranstaltungen genutzt. Nun soll die Villa zu mehreren Luxuswohnungen umgebaut werden.

3. Villa Amalia, Wuppertal

Vom Wohnhaus zum Seniorenheim zum Drehort: Diese Entwicklung hat die Villa Amalia in Wuppertal durchgemacht. Von 1883 bis 1884 wurde sie für den Jurist und Politiker Albert Neuhaus erbaut. Zwischen 1976 und 2012 diente die Villa dann als Altenheim.

Danach stand das Gebäude einige Jahre leer, bevor es von einer Aachener Immobilienfirma gekauft wurde. Diese will die Villa sanieren und dann vermieten. Fans der Serie „Babylon Berlin“ könnten die Villa übrigens kennen: Sie diente als ein Drehort für die dritte Staffel.

4. Nato-Kaserne, Grefrath

Militär-Flair der 1960er-Jahre verströmt die Kaserne am ehemaligen Nato-Standort in Vinkrath. Bis 1995 waren dort noch amerikanische Soldaten stationiert, seitdem stehen die meisten der 15 Gebäude auf dem Areal leer.

Ideen, was damit passieren soll, gibt es auch hier viele: Sie reichen von einer Fotovoltaikanlage bis zum Seniorenheim oder Wohnhäusern. Deshalb gilt auch hier: Schnell noch hin, wenn du den Lost Place nahe der niederländischen Grenze vor dem Umbau erleben willst.

5. „Geisterhaus“, Essen

Der gruseligste Ort in dieser Liste ist garantiert ein verlassenes Haus bei Essen, dem nachgesagt wird, dass es dort spukt. Allein der Weg dorthin ist abenteuerlich: Das Haus liegt versteckt in einem Wald in Essen-Werden. Mehrere Legenden ranken sich um die Bruchbude – unter anderem soll sich der ehemalige Besitzer dort erhängt haben.

Statt Geistern entdecken Abenteurer drinnen aber hauptsächlich alte Möbel, Bücher, Lebensmittel und jede Menge Müll. Das zeigen auch Aufnahmen wie diese: 

6. Schlackebahn, Bochum

Ein weiteres Relikt der Industrie im Ruhrpott ist die Schlackebahn in Bochum. Sie wurde 1934 erbaut und genutzt, um die anfallende Schlacke aus dem Stahlwerk durch ein unterirdisches Tunnelsystem abzutransportieren.

Ziemlich beklemmend sind die Tunnel, Werkstätten und der Luftschutzbunker unter der Erde. Noch immer stehen hier Geräte und Werkzeuge aus Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg weitgehend unberührt – seit den 1980er-Jahren steht die Schlackebahn still. 

7. Geisterdorf Immerath

Immerath ist ein Opfer des Braunkohleabbaus: Der Ortsteil von Erkelenz wird seit 2006 umgesiedelt, zahlreiche Häuser und die Kirche wurden bereits abgerissen. Die wenigen, die noch stehen, sind zum Großteil unbewohnt.

Die gespenstische Stille im Geisterdorf macht es zu einem beliebten Ziel für Lost-Places-Jäger. Übrigens: Das neu errichtete Neu-Immerath liegt nur knapp acht Kilometer entfernt am Stadtrand von Erkelenz.

8. Kent School, Schwalmtal

Kaum ein Lost Place in NRW hat so eine tragische Vergangenheit wie die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt Süchteln-Johannistal – auch als Kent School bekannt. Erbaut wurde sie 1909 von den Franziskanern, die dort für geistig behinderte Kinder und Jugendliche ein Heim einrichteten. 

Für sie begann ab 1941 ein Albtraum: Unter dem NS-Regime wurden in der Anstalt die behinderten Kinder getötet, indem man sie verhungern ließ oder ihnen regelmäßig erhöhte Dosen Phenobarbital verabreichte. Etwa hundert Kinder starben in der Zeit. Mit entsprechendem Respekt sollten Besucher dem zweifelsohne beeindruckenden Gebäude und seiner Geschichte begegnen. Nach dem Kriegsende wurden die Gebäude noch als Krankenhaus und Lazarett genutzt, bevor sie von 1963 bis 1991 als britische Kent-Schule dienten. Seitdem stehen sie leer.

Das Gelände der Kent School auf eigene Faust zu betreten ist verboten. Aber: Der Besitzer des Grundstücks bietet Fototouren durch die geschichtsträchtigen Gebäude an. Kosten für den viereinhalbstündigen Rundgang: 45 Euro pro Person.

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