Die Inselgruppe Spitzbergen (Norwegisch: Svalbard) mit der gleichnamigen Hauptinsel liegt zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol. Arktische Bewohner sind deshalb keine Seltenheit: Die rund 2.600 Einwohner teilen sich das Archipel mit geschätzt 3.500 Eisbären. 

Eher selten kommt es aber zu Zusammentreffen mit den Tieren. Zuletzt gab es Kritik an der Reederei Hapag-Lloyd, nachdem ein Eisbär auf Spitzbergen ein deutsches Crewmitglied getötet hatte und daraufhin von Eisbärwächtern erschossen wurde. Etwas weniger dramatisch war dagegen der Besuch eines Eisbären in Longyearbyen. Dort mussten Einheimische und Urlauber am zweiten Weihnachtsfeiertag in den Häusern bleiben, weil das Tier durch die Straßen spazierte. Doch auch dieser Eisbär wurde getötet, weil er sich nicht verjagen ließ.

Touristen bei Hundeschlitten-Tour von Eisbär überrascht

Besonders nah kamen sich Mensch und Eisbär am vergangenen Mittwoch erneut. Auf dem Weg zum Scott-Turner-Gletscher kreuzte ein Eisbär den Weg von mehreren Hundeschlitten des Unternehmens Green Dog Svalbard. Anscheinend von den Hunden angelockt, kam der Bär der Truppe ziemlich nah. Aber: „Er wirkte nicht aggressiv, nur neugierig“, schildert Mitarbeiter Marcel Starinsky die Situation gegenüber dem norwegischen Nachrichtensender „NRK“. 

Trotzdem habe der Tourguide nicht lange gezögert – immerhin ging es nicht nur um seine Sicherheit, sondern auch um die der Touristen. Marcel reagierte schnell und verscheuchte den Eisbären. Mehrfach schlug er ihn mit einem Seil auf die Schnauze, bis das Tier davontrottete. „Ich war der aggressive in dieser Situation, nicht der Bär“, sagt Marcel. 

Eisbär-Besuch war eine Ausnahme

„Heute war der erste Tag in der Geschichte unseres Unternehmens, an dem wir tatsächlich einen Bären auf unserer Tour getroffen haben“, heißt es auf der Facebook-Seite von Green Dog Svalbard. „Die Jungs sind dafür ausgebildet, mit solchen Situationen umzugehen, sie haben sehr professionell gehandelt und niemand wurde verletzt… Außer vielleicht der Bär, der wahrscheinlich eine schmerzende Nase hat, nachdem Marcel sie mit einem Bremsseil getroffen hat.“

In den Kommentaren meldet sich einer der Urlauber zu Wort, der das Abenteuer miterlebt hat. „Ich muss sagen, dass wir unseren Tag gestern mit euch nie vergessen werden“, schreibt er. „Gut gemacht, Marcel, eine großartige Leistung, den Bären anzubrüllen und mit einem Seil zu verjagen! Unglaublich!“

Am kommenden Mittwoch will Green Dog Svalbard wieder eine Tour auf derselben Route durchführen. Zur Sicherheit sollen die Schlitten dann von einem Schneemobil begleitet werden. Mithilfe von Wärmeferngläsern sollen die Guides sicherstellen, dass der Bär weit genug weg ist.