Würde man ein Buch schreiben über Europas schönste Küste, könnte die Algarve locker die Hauptfigur sein. Die Küstenlinie erstreckt sichin Portugal über 155 Kilometer von Ost nach West und 52 Kilometer vom Süden zum Norden. Dazwischen gibt es schwindelnd hohe Steilklippen, Badebuchten aus dem Bilderbuch und das tosende Meer.

Es wäre aber schade, die Algarve auf ihre Hotspots zu begrenzen. Zwischen Stränden und Städten locken die größten Abenteuer und die sieben besten Stopps an der Algarve.

1. Die Hauptstadt Faro

Dreh- und Angelpunkt eines Urlaubes an der Algarve ist Faro, wo alle Flugzeuge landen. Die Hauptstadt der Algarve hat jede Menge Highlights, die von den meisten aber übersehen werden. Auch wenn die Strände locken: Nimm dir Zeit und erkunde die Stadt mit ihrem historischen Kern. Die Altstadt Faros, die Vila Aldentro, ist komplett von einer Stadtmauer umgeben und kann durch drei Tore betreten werden.

Die Mauer wurde vom arabischen Fürsten Ben Bekr während der Zeit der Mauren gebaut. Die Ursprünge der Stadt Faro gehen aber auf die Phönizier zurück, die im 7. Jahrhundert vor Christus. die Westküste des Mittelmeerraumes besiedelten. Natürlich waren auch die Römer hier. Mit etwas Glück siehst du beim Bummeln alte Wasserleitungen und Brücken von einst.

Die Straßen der Fußgängerzone sind mit hübschen Mosaikböden bedeckt, die Fische oder Blumenranken zeigen. Noch schöner sind die typischen portugiesischen Fliesen, die Azulejos: Die zieren auch in Faro viele Hausmauern.

Spannend: Die meisten Häuser des 17. und 18. Jahrhunderts in der Altstadt sind nicht mehr bewohnt. Wegen der schlechten Bausubstanz wird meist nur das Erdgeschoss vieler Häuser zu Geschäftszwecken genutzt. Hier gibt es dann Touristenläden neben Boutiquen und Restaurants neben Cafés und Bars.

Mache einen Spaziergang durch die romantische Altstadt von Faro.

Ausgehen in Faro ist übrigens ziemlich cool: Anders als im feierwütigen Albufeira triffst du auf viele Einheimische. Als Universitätsstadt hat Faro viele junge Leute und ein ausschweifendes Nachtleben. Tipp für Cocktails: „The Woods“ mit einer tollen Aussicht!

Nicht weit von Faro ist ein Abstecher nach Olhao ein Muss, vor allem am Samstag. Da findet am Hafen ein traditioneller Fisch-, Fleisch- und Gemüsemarkt statt. Für Foodies bietet sich eine Food-Tour an, zum Beispiel bei Joana Cabrita Martins und ihrer Firma „Eating Algarve“. Dann gibt es einen Insider-Rundgang mit regionalen Produkten und Insidertipps.

2. Die Partystadt Albufeira

Albufeira war zuletzt in aller Munde. Der Grund: Angeblich treiben es hier die Briten bunt – und feiern lautstark Nacht für Nacht, so dass Einwohner und Urlauber gestört sind. Klar ist: Albufeira ist das Party-Mekka an der Algarve. Wenn du Party machen willst, bist du hier richtig. Aber: Der Ort hat noch weit mehr zu bieten als coole Drinks.

Albufeira umgibt ein romantisches Flair in seiner kleinen Altstadt mit schmalem Gassen und leicht verfallenen Häusern. Übersetzt heißt Albufeira übrigens „Burg über dem Meer“. Das liegt an der mittlerweile verfallenen Burg der Stadt. Dort, wo sie einst stand, befindet sich heute die Oberstadt mit den typischen, weiß getünchten Häusern.

In der Unterstadt wird ordentlich gefeiert. Der Ortsteil Guia östlich des Zentrums ist das Mekka der Nachtschwärmer. Die Partymeile wird auch „The Strip“ genannt. Hier gibt es alles, was du für eine lange Nacht brauchst: Strandbars genauso wie hippe Clubs.

Albufeira ist die Partystadt der Algarve.

Besonders cool sind Läden wie „Libertos” mit Bar, Live-Musik und Pool. Das Instagram-tauglichste Lokal ist die Bar „Portas da Villa“: Besitzer Helder Bailote hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, jede freie Fläche mit Muscheln zu bekleben – innen wie außen.

3. Die Hafenstadt Lagos

Ein völlig anderes Flair herrscht in Lagos. Die Luft ist salzig und riecht nach Abenteuer, denn als ehemalige Seefahrernation sind Küstenstädte wie diese fast immer spannend. Lagos ist klein, aber voller Geschichten. Das Fort Ponta da Bandeira am Hafen erklärt heute noch, wie wehrhaft die Portugiesen ihren Hafen gegen Angreifer verteidigten. Hier gibt es ein Seefahrtsmuseum, das sich der maritimen Geschichte widmet.

Spazierst du durch die Altstadt, entdeckst du Einflüsse der unterschiedlichsten Kulturen und Epochen. Du schlenderst durch verwinkelte Gassen und bunte Häuschen aus dem 18. Jahrhundert und stolperst an jeder Ecke über ein charmantes Café. Die Phönizier, die Kelten, die Römer – sie siedelten alle hier.

Es gibt sogar eine alte arabische Stadtmauer aus dem 8. Jahrhundert. Denn fast 800 Jahre war die Region von den Arabern besetzt (der Name Algarve stammt vom arabischen „Al Gharb“ ab, was so viel wie „der Westen“ bedeutet).

Die beeindruckende Stadtmauer von Lagos stammt noch aus dem 8. Jahrhundert.

Entlang steiler Gassen kommst du von der Altstadt zur mit Palmen gesäumten Uferpromenade und der Marina. Ein Spaziergang zum Sonnenuntergang ist hier ein Muss – inklusive Sundowner natürlich! Denn gefeiert wird auch hier, nur eben gechillter.

Nur ein Stück weiter südwestlich erstreckt sich eine atemberaubende Felsklippenlandschaft mit versteckten Stränden und Buchten bis hin zu einer der interessantesten Attraktionen Portugals, der Ponta da Piedale ‒ eine rotgelbe Felsformation im Meer, durchzogen von Höhlen und Grotten. Ein absolutes Must-Do ist eine geführte Tour mit dem Kayak, bei der du durch Grotten und Höhlen paddelst.

Entdecke versteckte Strände zwischen den eindrucksvollen Felsklippen von Lagos.

4. Die Südwestspitze & Sagres

Der westlichste Punkt des europäischen Festlandes liegt an der Algarve, genauer gesagt die äußerste Südwestspitze am Cabo de São Vicente. Von hier trennt dich nur der Atlantik von Amerika und du kannst dir förmlich vorstellen, wie abenteuerlich es für Christoph Kolumbus gewesen sein muss, als er 1492 auf dem Weg in die Neue Welt hier vorbeigesegelt ist.

Cabo de São Vicente ist ein Must-See, du solltest allerdings in der Früh kommen. Ab der Mittagszeit rollen Touri-Busse an und bringen Urlauber aus der gesamten Region zum westlichsten Punkt des Kontinents. Kein Wunder, dass die Portugiesen stolz auf ihre Geschichte als Seefahrernation sind!

In See stechen sollst du hier nicht, dafür aber Sagres anschauen. Die kleine und abgelegene Stadt gilt als Geheimtipp: Die Hafenstadt punktet nicht nur mit einer malerischen Altstadt, sondern ist auch umgeben von paradiesischen Stränden und einer atemberaubenden Grotten- und Felsenlandschaft. Hier findest du Europas südwestlichste Badebucht Praia do Beliche.

Bettenburgen gibt es keine, dafür Surfer und Backpacker, denn die Region ist viel dünner besiedelt und deshalb ruhiger. So ist das Flair auch alternativer in den Surfer-Shops, Cafés und Bars. Besonders hip: der „Surf Planet“ mit den coolsten Surf-Klamotten und das „Agua Salgada“ mit Live-Musik.

Sagres ist die perfekte Surfer-Region.

Übrigens: Das Kap des heiligen Vincent ist End- und Startpunkt der insgesamt über 700 Kilometer langen Wanderrouten der Ruta Vicentina und Via Algarviana. Denn die Algarve ist nicht nur ideal zum Surfen, sondern auch zum Wandern. Wer gerne mit Meerblick wandert, sollte den 19 Kilometer langen Gezeitenweg um Carrapateira herum gehen.

5. Das Hinterland der Algarve

Wenn man an der Küste der Algarve auf der perfekten Welle suft, fällt es leicht, nicht darüber nachzudenken, was sich dahinter verbirgt. Und das ist wörtlich gemeint, denn das Hinterland wird gerne vergessen, dabei offenbart sich hier wieder eine völlig andere Seite der Algarve. In der bergigen Region des Hinterlands ist das Leben noch ursprünglich und authentisch.

Handwerk spielt eine große Rolle, allen voran Kork. Denn Portugal hat die größte Korkproduktion weltweit! Im Hinterland der Algarve werden immer noch nach alter Tradition die Korkeichen geschält. Korkeichen liefern den Rohstoff für Flaschenkorken, Bodenbelag und Schuhe, aber auch Accessoires wie Hüte, Handtaschen und Schmuck.

Herzstück des Hinterlands ist die Serra de Monchique. Die Gebirgslandschaft der Algarve erhebt sich hinter der Küste, die zwei höchsten Berge sind der Foia mit 902 Metern und der Picota mit 773 Metern. Inmitten einer üppigen Naturlandschaft stößt du auf kleine Bergdörfer, zum Beispiel das urige Monchique.

Schöne Aussicht auf die Gebirgslangschaft.

Hier musst du einen Erdbeerbaumschaps kosten, die Spezialität des Hinterlandes. Nach alter Tradition wird der „Medronho“ langsam über einem Holzfeuer destilliert und kann bis zu 55% Alkoholgehalt aufweisen.

Tipp: Falls du Lust auf eine Wanderung hast, solltest du die Via Algarviana genauer anschauen. Der Weitwanderweg, den du auch mit Rad oder Pferd bewältigen kannst, gilt als Geheimtipp und sehr ruhig. Die Strecke schlängelt sich auf fast 300 Kilometern durch das Hinterland.

6. Die besten Surfer-Hotspots

Die Algarve ohne Surfer ist wie ein Sommer ohne Eis. Denn der südlichste Zipfel Portugals bietet die besten Strände mit den optimalsten Bedingungen für Surfer. Raue See und hohe Wellen gibt es hier en masse. Beim kleinen Dorf Odeceixe gelegen, hat sich der Praia de Odeceixe Mar zu einem beliebten Surfspot entwickelt.

Auch Anfänger sind hier goldrichtig: Willst du dich das erste Mal aufs Wasser wagen, kannst du in einer Surfschule eine Stunde buchen, zum Beispiel in der „Odeceixe Surf School“. Es gibt jeweils zwei Surfstunden am Tag. Die morgendliche Session beginnt um 11 Uhr, nachmittags um 16 Uhr.

An der Algarve sind viele Surfer-Hotspots zu finden.

Ebenso empfehlenswert ist der etwas südlicher gelegene Praia da Arrifana. Die Bucht hat die Form eines Fingernagels und ist umgeben von Klippen. Der Strand ist bei Surfern aller Schwierigkeitsgrade beliebt und es gibt mehrere Surfschulen in der Umgebung. Auch Tauchen ist möglich.

Nordwestlich von Carrapateira liegt der Praia de Vale Figueira, ein langer und breiter Strand, der von Klippen gesäumt wird. Hier findest du keine Surfschule oder Restaurants, dafür tolle Wellen und weniger Leute. Und ganz in der Nähe des westlichsten Punktes von Europa am Cabo de São Vincente ist am Strand von Carrapateira das Wellenreiten ganz früh morgens und in der Abenddämmerung angesagt. Hier trifft man sich gerne in den kleinen Cafés auf einen „meia de leite“, einen Milchkaffee.

7. Die schönsten Strände

Entlang der gesamten Südküste ziehen sich wunderschöne Strände und versteckte Buchten. Als einer der schönsten Strände gilt Praia da Falésia. Das Besondere an dem sechs Kilometer langen Sandstrand sind die roten Sandsteinfelsen, die mit Pinien bewachsen sind.

Felsiger Strand an der Algarve im Sonnenuntergang.


Kein Geheimtipp, aber sehenswert ist die Bucht Praia da Marinha. Weil die Bucht von Felsen geschützt ist, kannst du immer prima sonnenbaden, aber auch schnorcheln. Es sollen sich sogar manchmal Delfine zeigen.

Ein Insidertipp liegt zwischen Cacela Velha und Faro, mitten in einem riesigen Naturschutzgebiet. Hier haben sich vor der Küste viele Sandinseln gebildet. Eine davon ist die Insel Ilha de Tavira, die einen Traumstrand hat: den Praia Barril. Von Pedras D’el Rei kannst du mit einer Bummelbahn zum Strand fahren und am weißen Sandstrand relaxen.

Halte die Augen offen! Delfine sind hier manchmal zu sehen.

Du solltest aber auch einen Abstecher an die Westküste machen. Entlang der Costa Vicentina geht es ruhiger zu als im Süden. Hier entdeckst du Naturschutzgebiete genauso wie wilde Buchten. Toll ist die Felsenformation Algar Seco in der Nähe von Ferragudo, eine vom Wind und den Wellen bizarr geformte Felsenwand.

Als Geheimtipp gilt die Bucht bei Aljezur, angeblich eine der schönsten Badebuchten der Westküste. Hier treffen schwarze Felsen auf türkis-blaue Wasser und weißen Sand – Bilderbuchkulisse pur!