Südafrika: Keine Handys mehr im Kruger-Nationalpark?

Südafrika: Keine Handys mehr im Kruger-Nationalpark?

Südafrika überlegt, die Handysignale in den Nationalparks zu cutten. Der Grund ist traurig: Weil Menschen ihre Fotos sofort in sozialen Medien posten, haben Wilderer leichtes Spiel, die Tiere zu finden.

Eine Touristin fotografiert einen Geparden im Kruger-Nationalpark in Südafrika.
Ein Foto knipsen und gleich auf Instagram hochladen – das kann gefährlich für die Tiere werden.

Foto: imago images / Westend61

Auf Safari in Südafrika und dabei die Big Five – Löwe, Leopard, Nashorn, Büffel und Elefant – sehen, das muss natürlich auf Fotos festgehalten werden. Doch weil Touristen ihre Bilder schnell und mit vertaggter Location teilen, kann das für Tiere gefährlich werden. 

Denn Wilderer müssen sich nicht mehr selbst durch den Busch kämpfen und stundenlang auf ihre Beute warten, sie können einfach Instagram, Facebook und Co. durchscrollen und schauen, wann welches Tier wo gesichtet wurde. Sie können dann gezielt Lebensräume absuchen – oder erahnen, wohin sich die Tiere bewegt haben und bewegen werden.

Deshalb denkt der Kruger-Nationalpark in Südafrika nun darüber nach, das Handysignal im Gebiet des Nationalparks abstellen zu lassen. Dem Portal „Lowvelder“ sagten die Offiziellen, dass der drastische Schritt notwendig geworden sei, um vor allem Elefanten und Nashörner zu schützen, weil die Tiere über Social Media einfach zu orten seien. 

Touristen denken gar nicht daran, dass Wilderer ihre Profile durchforsten

Der Kommunikations-Manager des Parks, Ike Phaahla, hatte bereits vor längerer Zeit davor gewarnt, Selfies und Bilder von gefährdeten Tieren mit Geolocation zu teilen. Doch der Aufruf verpuffte. „Ich denke, dass viele Menschen schockiert wären, wenn sie wüssten, dass Wilderer ihre Sightseeing-Fotos nutzen“, sagt er. Auch ein Tour-Anbieter sagte dem Portal, dass es erschreckend sei, wie Wilderer mit der Technologie umgingen, sie hätten teilweise mehrere Profile, um Wildlife-Posts zu tracken. 

Nun würde man mit Experten zusammenarbeiten, um herauszufinden, was sich gegen das verantwortungslose Verhalten tun lasse. „Das Signal zu stören kann die Antwort sein“, sagt Phaahla. Generell ist es kein Problem, Fotos von seiner Safari online zu teilen – solange das Geotagging ausgestellt ist und nirgendwo geschrieben wird, zu welchem Zeitpunkt und an genau welchem Ort die Fotos aufgenommen wurden. 

Massentourismus bringt viele rücksichtslose Besucher in den Kruger-Nationalpark 

Jährlich kommen rund 1,8 Millionen Besucher in den Kruger-Nationalpark. Mit dem Massentourismus kamen Probleme auf den Betreiber zu, unter anderem verstopfte Wege, Verkehrsunfälle und rücksichtsloses Verhalten für das beste Foto. Erst vergangene Woche wurden vier Touristen zu einer Geldstrafe von knapp 200 Euro verurteilt, weil sie während der Safari aus ihrem Wagen ausgestiegen waren, meldet das südafrikanische Portal „Getaway“. 

Die Anzahl der gewilderten Nashörner ist in Südafrika immer noch eklatant hoch. Rund zwei Nashörner sterben dort für ihr Horn – pro Tag. Allein im ersten Halbjahr 2019 kamen 318 Tiere ums Leben, das sind immerhin fast 70 weniger als im gleichen Zeitraum 2018. Nach wie vor werden jährlich auch rund 20.000 afrikanische Elefanten von Wilderern getötet. 

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