Nun stehe ich hier und schaue in den Abgrund. Objektiv betrachtet ist es nur für Flachlandtiroler ein beängstigender Abhang. Eigentlich ist es eine Skipiste der einfachen Kategorie. Und doch kribbelt es in meinem Magen heftig bei dem Gedanken, dort gleich auf den beiden Brettern unter meinen Füßen hinunterzugleiten.

Dabei bin ich nicht allein: Neben mir steht Mark Roos, ein Niederländer. Doch in seinen Augen lese ich, dass er gerade mit den gleichen respekterfüllten Gedanken kämpft.

Erste Abfahrt soll Höhepunkt werden

Zwei Tage lang haben wir es unter dem Titel „Skilaufen für Anfänger“ genossen, in der Tiroler Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental einen der schneereichsten Winter überhaupt mitzuerleben. Die erste Abfahrt soll nun der Höhepunkt werden. Meine schlimmsten Befürchtungen hatten sich schließlich schon bei der Ankunft zerschlagen. Mit meinen fast 50 Jahren konnte ich mir kaum vorstellen, dass es noch andere Menschen in meinem Alter gibt, die noch nie auf Skiern gestanden haben.

In Gedanken sah ich mich in einer Kindergruppe zwischen lauter Halbwüchsigen herumstaken und mich mit meiner Unbeweglichkeit blamieren. Stattdessen finde ich mich in einer Gruppe mit erwachsenen Skianfängern aus neun europäischen Ländern wie Norwegen, Tschechien und Dänemark wieder.

Zwölf Anfänger und die Skilehrerin. Der Auftakt unseres Experimentes in Ellmis Winterwelt.


Dass aber eben doch nicht jeder für ein Leben auf Skiern geboren ist, ist auch bald allen klar. Denn obwohl Briten nach Deutschen und Niederländern die meisten Übernachtungen in der Skiwelt buchen, schaffen es die beiden Engländerinnen in unserer Gruppe nicht, ihre Furcht vor der weißen Pracht zu überwinden. Sie geben ihre Versuche früh auf und vollziehen ihren persönlichen Brexit von der europäischen Gruppe.

Nach kurzer Zeit klappt’s ganz gut

Auch ich hatte so etwas von mir erwartet. Als hüftsteifer Fußballer habe ich mir schwere Stürze ausgemalt und spielte in Gedanken bereits meine Heimkehr mit gebrochenen Gliedmaßen durch. Doch mein Gefühl für die Bretter ist deutlich besser als gedacht. Einmal mit der Bergbahn auf dem Gipfel des Hartkaisers angekommen, habe ich in kurzer Zeit den Bogen raus und kann es jedes Mal kaum erwarten, bis Lisa, unsere Skilehrerin, den nächsten Übungsschritt erklärt.

Die 22-Jährige hat ihre liebe Müh mit dem älteren Herrn, der sich so gar nicht mit Grundübungen anfreunden will. Druck auf den Talski, Gewichtsverlagerung und leichte Kniebeugung – ich habe verstanden und will endlich abfahren, wenn auch nur auf dem Übungshügel in Ellmis Winterwelt. Und es klappt. Ich gleite dahin mit sanften Schwüngen, auch ohne zuvor mit einem gestreckten Arm auf Supermann zu machen oder ohne Stöcke mit Händen auf den Knien die Auswirkungen des Körpergewichtes zu erfühlen. Ich bin hin und weg.

In der Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental gibt es 21 Talabfahrten.


Was mich jetzt noch davon abhalten kann, Skifahren zu meiner Lieblingsbeschäftigung zu machen, ist die Zeit zwischen den kurzen Abfahrten auf dem Anfängerhang. Das charakteristische Quietschen eines jeden Förderbandes – für mich unverständlicherweise Zauberteppich genannt – prägt sich mit der Zeit bei mir ein, und ich bin schon davon überzeugt, mit geschlossenen Augen die verschiedenen Aufstiegshilfen voneinander unterscheiden zu können.

Warten ist nicht meins, und ich kann nur zu gut verstehen, warum es die versierten Skifahrer so eilig haben, nach jeder Abfahrt wieder in den Lift zu kommen, und warum sie am liebsten direkt bis in die Gondeln fahren würden: Erst oben fängt der Spaß wieder an, und jede Sekunde zählt, ehe das Tageslicht schwindet.

Vor dem Abgrund: Nach zwei Tagen traut sich reisereporter Uwe mit Skiern an den Füßen zumindest bis an den Start der Piste.

Muskelkater am Morgen

Beim Aufstehen am nächsten Morgen lerne ich neue Bereiche meines Körpers kennen. Ich habe Muskelkater an Stellen, wo andere nicht mal Stellen haben, da bin ich sicher.

Und wenig später erwischt es mich auch auf der Piste: Zu sicher starte ich in die erste Abfahrt in Ellmis Winterwelt. Auf dem flach abfallenden Hang ist der Schnee nach frostiger Nacht noch verharrscht. Ich bekomme einen Schwung nicht richtig hin und knalle gegen die Einhausung des Zauberteppichs.

Rums, da liege ich und zähle erst einmal alle heil gebliebenen Knochen durch. Aber mir ist nichts passiert, und so versuche ich nach kurzem Schock, mich weiter an die Pistenreife heranzuüben.

Abfahrt, Förderband, Abfahrt, Förderband – am Nachmittag ist es dann endlich so weit: Lisa nimmt Mark Roos, der ebenso fleißig gearbeitet hat, und mich mit zum Start der blauen Piste. Die anderen Skiläufer rasen rechts und links an uns vorbei. Auch Kinder, manche im Grundschulalter, sind darunter. Das deprimiert.

Denn niemand, so scheint es, lässt sich von der für uns gähnenden Tiefe beeindrucken. Sie rauschen zu Tal und verschwinden schon bald hinter einem Buckel. Für uns ist es anders. Mark und ich stehen mit mehr oder weniger wackeligen Knien da und versuchen, uns einen inneren Schubs zu geben.

Bergwelt bietet beste Ausblicke

Kurz lenkt mich der Blick über das atemberaubende Panorama ab. Der Berg in unserem Rücken ist der berühmte Wilde Kaiser. Zwischen ihm und uns liegt im Tal die 3.000-Seelen-Gemeinde Ellmau. Angeblich kann man in seinem Kamm den schlafenden Karl den Großen entdecken. Der hat offenbar alle Ruhe der Welt, er muss sich auch über viele Tausend Jahre dort nicht hinunterbewegen, geht es mir durch den Kopf.

Der Skiort Ellmau liegt zwischen dem Hartkaiser und dem Wilden Kaiser.


Ich schaue Mark an und er mich. Wir schütteln den Kopf und kehren zu unserem Übungshang zurück. Dass dort im Sommer eine Kinderspielwelt die Besucher auch abseits der Skisaison auf den Berg locken soll, ist bei der hohen Schneedecke nicht zu erahnen.

Eigentlich dauere es etwa fünf Tage in einem normalen Skikurs, ehe man auf einer Piste fahren könne, erklärt uns Lisa. Sie stammt wie Mark aus den Niederlanden und ist einer von mehr als 100 Skilehrern, die in dem Tiroler Gebiet gut an ihren diagonal rot-weiß gestreiften Anzügen zu erkennen sind. Das beruhigt mich. Drei Tage mehr und ich hätte die nötige Routine und Sicherheit, da bin ich mir sicher.

Leider hab ich nicht so viel Zeit. Mein Aufenthalt auf dem Hartkaiser endet schon heute. Also schnell noch ein paarmal auf unserer Übungswiese abfahren. Es ist doch einfach zu schön, dahinzugleiten und ein paar leichte Schwünge zu machen...

Tipps für deine Reise nach Tirol

Das Reiseziel: Die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental umfasst die Orte Brixen im Thale, Ellmau, Going, Hopfgarten, Itter, Kelchau, Scheffau, Söll und Westendorf und betreibt auf 284 Pistenkilometern 90 Lifte und Bergbahnen.

Anreise: Wer auf der Autobahn München–Innsbruck unterwegs ist, gelangt über die Abfahrt Kufstein-Süd in die Skiwelt. Die bayerische Hauptstadt ist etwa 110 Kilometer entfernt. Von den Flughäfen München, Salzburg und Innsbruck sowie von den näher gelegenen Bahnhöfen Kufstein, Wörgl und St. Johann gibt es Shuttleservices.

Beste Reisezeit: Die Skisaison beginnt mit dem Opening-Party-Wochenende Anfang/Mitte Dezember, danach sorgen mehr als 1700 Kunstschneemaschinen dafür, dass das Pistenvergnügen in einem der größten zusammenhängenden Skigebiete Österreichs auch in schneeärmeren Jahren nicht getrübt wird.

Unterkünfte: Ein besonderes Ambiente erwartet Reisende in der neuen Tirol Lodge, vollständig gebaut aus Lärchen- und Fichtenholz, in Ellmau. Von dort sind es nur wenige Schritte zur Hartkaiserbahn und zur Hausbergbahn gegenüber. Während der Superskiwochen vom 14. März bis 13. April bietet die Skiwelt bis zu 25 Prozent günstigere Preise.

Die Reise wurde unterstützt von Tirol Werbung. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.