Eigentlich könnte das Leben und Arbeiten an Bord von Kreuzfahrtschiffen einem Traum gleichen: Umgeben von entspannten Urlaubern, unterwegs zu malerischen Destinationen und sich dabei die Meeresluft um die Nase wehen lassen. Die Realität sieht aber leider oft ganz anders aus. Harte Arbeit, lange Schichten und häufig schlechte Bezahlung bestimmen die Arbeit an Bord. 

Trotzdem bleiben die Mitarbeiter freundlich und geben täglich ihr Bestes, um den Urlaubern eine gute Zeit zu bereiten. In manchen Situationen fällt das Lächeln aber schwerer als in anderen – auch verursacht durch Passagiere aus Deutschland. Wie unsere Landsleute die Nerven der Kreuzfahrt-Crew besonders strapazieren, haben Mitarbeiter verschiedener Reedereien dem Portal „kreuzfahrtberater.de“ verraten.

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Über Kleinigkeiten beschweren

Klar, wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll, ist das nervig. Jedoch würden besonders deutsche Urlauber dazu neigen, selbst kleinste Mängel anzukreiden – in der Hoffnung auf eine Entschädigung in Form von kostenlosen Goodies. Ilona W. arbeitet als Maître d’Hotel auf einem Kreuzfahrtschiff. Sie beobachtet eine „regelrechte Beschwerdekultur“.

Wir Mitarbeiter rotieren sowieso schon und wollen uns nicht auch noch mit solchen Dingen herumärgern.

Ilona W., Maître d’Hotel auf einem Kreuzfahrtschiff

„Eine auffällige Eigenart von vielen deutschen Kreuzfahrturlaubern ist es, jede Gelegenheit zu nutzen, um an kostenlose Goodies zu kommen.“ Ihr zufolge spekulierten anscheinend viele auf Getränkegutscheine, geschenkte Sektflaschen oder sonstige Werbeartikel, wenn sie sich über bestimmte Umstände beschweren.

„Das sehen wir überhaupt nicht gern, denn oft werden dafür sogar Beschwerden erfunden oder kleine Mängel maßlos übertrieben. Wir Mitarbeiter rotieren sowieso schon und wollen uns nicht auch noch mit solchen Dingen herumärgern.“ Ilonas Wunsch: mehr Dankbarkeit und Menschlichkeit vonseiten der Gäste.

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Beim Trinkgeld auf der Kreuzfahrt geizen

Die Menschen, die sich bei deiner Kreuzfahrt um saubere Kabinen, leckere Drinks und schnellen, zuvorkommenden Service kümmern, schuften Barkeeperin Vanessa S. zufolge oft zwischen zehn und zwölf Stunden am Tag – bei geringem Festgehalt. Sie sind auf zusätzliches Trinkgeld angewiesen. 

Entsprechend enttäuscht seien die Mitarbeiter, wenn Gäste für gute Leistungen keine oder unangemessen niedrige Trinkgelder bekämen. „Wir sind enttäuscht und demotiviert, denn wir versuchen, täglich 100 Prozent zu geben, obwohl wir keinen einzigen Tag zur Erholung haben“, erzählt Vanessa. „Es ist schön, wenn Gäste unsere Arbeit würdigen.“

Rezeptionisten anschreien

Dass Gäste manchmal unzufrieden mit Service, Essen, Sauberkeit oder Organisation sind, ist nicht ungewöhnlich. Auch Rezeptionist Thomas R. erhält deshalb Beschwerden. Das sei auch nicht schlimm – solange die Mitarbeiter nicht „in aller Öffentlichkeit angeschrien“ würden. Schließlich seien die nicht persönlich für das Problem verantwortlich, sondern wollten nur helfen. 

Wir wünschen uns ein bisschen Empathie und Wertschätzung.

Thomas R., Rezeptionist auf einem Kreuzfahrtschiff

„Ich wünsche mir, dass Gäste bei ihren Anliegen freundlich bleiben, uns nicht beschimpfen oder gar beim Vorgesetzten anschwärzen. Gerade an der Rezeption kriegen wir sehr viel Ärger ab, dabei wollen wir Hilfestellungen in alle Richtungen anbieten und sind ehrlich am Wohlbefinden des Gastes interessiert.“

Bei mangelndem Respekt vonseiten der Gäste falle die Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen schwer. „Wir sind monatelang auf See und von Familie und Freunden getrennt, absolvieren ein hohes Arbeitspensum, da wünschen wir uns zumindest ein bisschen Empathie und Wertschätzung.“

Mitarbeitern respektlos begegnen

Ähnlich sieht das die Fitnesstrainerin Nadja A. Sie beschreibt Begegnungen mit Passagieren, die ihre höflichen Umgangsformen über Bord werfen würden. „Crew-Mitglieder, die keine weiße Offiziersuniform tragen, weil sie keinen Offiziersstatus haben, werden von einigen Gästen wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Manchmal werden wir nicht mal gesehen oder gegrüßt.“

Sie plädiert für gegenseitigen Respekt und Anstand. „Einige Urlauber benehmen sich wie die Axt im Wald, dabei sind auch sie zu Gast an Bord und haben das Schiff nicht gekauft.“

Stur nur Deutsch sprechen

Die Mitarbeiter auf Kreuzfahrtschiffen sind meist ein Potpourri aus unterschiedlichen Nationalitäten. Deshalb ist es nicht selbstverständlich, dass jeder von ihnen Deutsch versteht oder spricht – auch wenn Reedereien mit deutschsprachigen Mitarbeitern werben. Denn das beziehe sich hauptsächlich auf das Personal in Schlüsselpositionen wie etwa Manager.

Gäste sollten nicht erwarten, dass jeder einzelne Mitarbeiter an Bord perfekt Deutsch spricht oder versteht.

Gonzo K., Fotomanager auf einem Kreuzfahrtschiff

Fotomanager Gonzo K. schildert, dass er wie viele andere ein internationales Team leite. „Da kommen Asiaten, Inder, Amerikaner und Europäer zusammen. Gäste sollten daher nicht erwarten, dass jeder einzelne Mitarbeiter an Bord perfekt Deutsch spricht oder versteht. In Zeiten von Personalnot und immer größer werdenden Schiffsneubauten kann das auch überhaupt nicht mehr gewährleistet werden.“

Ein paar Brocken Englisch würden schon reichen, um sich an Bord besser – und rücksichtsvoller – zu verständigen. „Gäste machen sich nicht sonderlich beliebt, wenn Sie meine philippinische Mitarbeiterin permanent in deutscher Sprache anweisen, diese aber aus Höflichkeit, Ängstlichkeit oder Unwissenheit gar nicht weiß, wie sie sich verhalten soll.“ Dabei müssten keine perfekten Sprachkenntnisse ausgepackt werden: „Schon der Versuch allein, eine sprachliche Schnittmenge zu finden, wird von der Crew sehr hoch geschätzt.“

Fazit: Eigentlich ist es nicht anders als im Alltag – auch auf Kreuzfahrt sollten Urlauber ihren Mitmenschen aufmerksam, freundlich und respektvoll begegnen. Egal, welche Position, Herkunft oder Sprachkenntnisse ein Mitarbeiter hat. Dazu gehört auch, gute Arbeit mit einem angemessenen Trinkgeld zu belohnen. Wie viel du geben solltest, verraten wir dir in unserem Trinkgeld-Guide für Kreuzfahrten.