Der karminrote Umschlag mit goldenem Aufdruck: Der Reisepass der Bundesrepublik Deutschland gibt deutschen Staatsbürgern ziemlich viele Privilegien. Während andere an den Passkontrollen auf Flughäfen minutenlang auf die Folter gespannt werden, wirkt es bei Deutschen meist eher wie ein gemütlicher Durchmarsch.

Dass der deutsche Reisepass zu den wertvollsten weltweit gehört – keine Frage, aber an der Spitze befinden sich seit Jahren asiatische Länder. Das wiederholt sich auch 2021, wie der „Henley Passport Index“ zeigt. Kenner werden ahnen: Es war mal wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Japan und Singapur.

Weltspitze: Mit dem japanischem Pass geht es in 193 Länder – teils ohne Visum 

Vorne landet … Japan. Mit dem japanischen Reisepass dürfen 193 Nationen ganz ohne Visum oder mit Visum on Arrival betreten werden. Zumindest theoretisch, wären da nicht Corona-bedingte Grenzschließungen.

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Mächtigster Reisepass 2021: Deutschland teilt sich Platz drei mit Südkorea

Ermittelt wurde das auf Basis der Daten der International Air Transport Association (IATA). Dicht hinter Platz eins folgt Singapur mit 192 visafreien Ländern auf Platz zwei. Den dritten Platz muss sich Deutschland mit Südkorea teilen. Wer einen Pass aus einem der beiden Länder besitzt, kann in 191 Nationen ohne Voraus-Beantragung eines Visums einreisen.

Die Top 10 der mächtigsten Reisepässe im Überblick:

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  1. Japan: 193 Länder
  2. Singapur: 192 Länder
  3. Deutschland und Südkorea: 191 Länder
  4. Italien, Finnland, Spanien, Luxemburg: 190 Länder
  5. Dänemark, Österreich: 189 Länder
  6. Schweden, Frankreich und Portugal: 188 Länder
  7. Schweiz, USA, Vereinigtes Königreich, Belgien, Neuseeland: 187 Länder
  8. Norwegen, Griechenland, Malta, Tschechien, Kanada, Australien: 185 Länder 
  9. Ungarn: 184 Länder
  10. Slowakei, Litauen, Polen: 183 Länder

Warum Japan in anderen Rankings nur auf Platz drei landet

Aber: Es gibt auch mehrere Rankings zu den mächtigsten Reisepässen der Welt mit anderen Messkriterien. Während bei „Henleys“ Japan schon im dritten Jahr in Folge die Spitzenposition belegt, verdrängten im diesjährigen „Passport Index“ von Arton Capital Neuseeland (Platz eins) und einige europäische Länder, darunter auch Deutschland (Platz zwei mit Spanien und Australien), das Land von der Spitzenposition. Japan kommt hier nur mit 134 Ländern auf Platz drei.

Woran liegt das? Einfache Antwort: Die Datenlage ist unterschiedlich. Während „Henley & Partners“ die IATA-Daten auswertet, vergleicht „Arton Capital“ die offiziellen Angaben der 199 UNO-Mitgliedstaaten und Gebieten.

Starke Abweichungen gibt es aber bei beiden Rankings nicht: Das zeigen auch die letzten Plätze, die überwiegend Länder aus Afrika und dem Mittleren Osten listen.

Coronavirus könnte Ranking beeinflussen

Die Corona-Krise spielt im Ranking der Kanzlei Henley und Partner jedoch keine Rolle. Dabei dürfte sie das Ranking maßgeblich beeinflussen: Denn nach wie vor sind die Grenzen vieler Länder dicht, Deutsche dürfen beispielsweise aktuell nicht nach Japan.

Die internationale Mobilität im ersten Quartal 2021 liegt laut „Henley und Partners“ noch immer nur bei zwölf Prozent des Vor-Pandemie-Niveaus. Das bedeute, dass „die Kluft zwischen theoretischem und tatsächlichem Reisezugang, den hochrangige Pässe bieten, weiterhin groß ist“.

Aktuell ist nicht nur die Staatsbürgerschaft entscheidend – sondern beispielsweise auch die Corona-Lage im gewünschten Reiseland. Hinzu kommt, dass in der Europäischen Union am 1. Juli das digitale Impfzertifikat an den Start gegangen ist. Das soll für Reisefreiheit und gleiche Reiserechte für EU-Bewohnerinnen und -Bewohner sorgen. „Corona-Ausweise werden die Ungleichheit der Pässe ohne Zweifel weiter vorantreiben“, sagte Christian H. Kaelin, Vorsitzender von Henley & Partners, gegenüber dem US-Sender „CNN“.