Mal sind sie von Pflanzen überwuchert, mal von oben bis unten mit Graffiti beschmiert, und wieder andere sehen aus, als wären sie erst gestern verlassen worden – hinter den Lost Places in Niedersachsen verbergen sich spannende Geschichten und schaurige Mythen. Der reisereporter nimmt dich mit auf eine Rundreise zu sieben Ruinen.

1. Continental-Werk, Hannover

Das alte Continental-Werk in Hannover ist aktuell wieder in aller Munde. Schließlich entsteht zurzeit auf dem ehemaligen Gelände des Reifenproduzenten die Wasserstadt, ein neuer Stadtteil für Hannover. Doch neben den lärmenden Baggern gibt es noch zwei große Gebäude der alten Fabrik, die leer stehen.

Das alte Continental-Werk in Hannover ist voller Graffiti.

Seit 1899 stellte das Unternehmen in dem Werk im Stadtteil Limmer Gummigemische her. Doch hundert Jahre später zog die Firma um und verließ das Gelände. Seitdem wurden die Gebäude sich selbst überlassen. Nach und nach wurden die meisten der hohen Backsteinhäuser abgerissen, bis auf zwei.

Die stehen heute noch am Kanal und dienen für viele Stadtkinder als illegaler Abenteuerspielplatz. Sämtliche Geräte und das Mobiliar aus der Zeit, als das Werk noch in Betrieb war, sind zwar längst verschwunden, aber trotzdem verschaffen sich fast täglich Menschen illegal Zutritt zu den Ruinen. Kein Wunder, schließlich sind die bunt besprühten Wände und Säulen in den langen Hallen ein super Fotomotiv.

2. Haus Eichengrund, Wietze

Dieser Lost Place ist weniger bekannt und gar nicht so leicht zu finden. Das Haus Eichengrund befindet sich bei Wietze, genau zwischen den Autobahnen 352 und 7. Von einem dichten Blätterdach bedeckt, lässt sich das Haus auch nur schwer mithilfe von Google Maps ausfindig machen und bleibt deshalb ein kleiner Geheimtipp unter Lost-Places-Freunden.

Das Gebäude steht völlig frei im Wald und versprüht eine gruselige Aura. Eine Eingangstür gibt es nicht mehr, und einige der Fenster fehlen auch. Dadurch hatte die Natur freie Bahn und eroberte das Haus nach und nach zurück. Das Innere des Hauses zeigt aber deutlich, dass hier einst Menschen wohnten.

Überall liegen Dokumente, Fotos und Möbelstücke herum. An den Wänden hängen Zeitungsausschnitte, deren Datierungen im Jahr 1987 enden. Seitdem steht das Haus vermutlich leer. Ermittlungen legen nahe, dass die Familie, die einst hier wohnte, ein Leben voller Zwietracht und psychischer Probleme führte. Die genauen Gründe für das Verlassen des Hauses sind aber nicht bekannt, und somit behält Haus Eichengrund einen schaurigen Charakter.

3. Waisenhaus, Braunschweig

Ein verlassenes Waisenhaus, dass zur Ruine verfällt – wer würde da schon freiwillig herumstöbern wollen? Tatsächlich gilt das Gebäude aber als einer der bekanntesten Lost Places in Niedersachsen und wird immer wieder von Hobby-Abenteurern heimgesucht. 

Die Geschichte des Waisenhauses in Braunschweig reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals wurde auf dem Gelände ein Krankenhaus für Arme und Alte eingerichtet, das im Laufe der Zeit zu einem Waisenhaus umfonktioniert wurde und rund 360 Kinder beherbergte.

Doch im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude komplett zerstört. Erst im Jahr 1961 begann der Neubau des Waisenhauses, das nun schon seit vielen Jahren leer steht und verfällt. Der Grund für die Aufgabe des Hauses war übrigens eine Finanzkrise des Trägers.

4. Stüveschachtanlage, Osnabrück

Der Stüveschacht am Piesberg in Osnabrück ist eigentlich kein echter Lost Place. Die Ruine wird nämlich momentan ganz offiziell zum begehbaren Objekt umgebaut. Trotzdem soll der alte, verwitterte Charakter des Schachts bestehen bleiben, in dem im 16. Jahrhundert mit der Förderung von Anthrazitkohle begonnen wurde.

Den Namen erhielten der Schacht und das umliegende Gebäude von Carl Bertram Stüve, der Mitte des 19. Jahrhunderts Bürgermeister von Osnabrück war. Im Jahr 1898 wurde der Schacht jedoch stillgelegt. Ein tragisches Minenunglück und streikende Mitarbeiter zwangen den Betreiber zur Schließung.

Jetzt soll die Ruine zu neuem Leben erweckt werden. Die Baumaßnahmen dafür haben bereits begonnen, und der Eingang zum Schacht soll mit einem Gitter und einem Geländer gesichert werden, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Der letzte Bauabschnitt ist aber noch nicht abgeschlossen.

5. Waldkrankenhaus, Wintermoor

Allein der Name dieses Lost Places sorgt für einen kalten Schauder. Ein verlassenes Krankenhaus im Wald – das klingt nach einem wirklich schaurigen Ort. Und tatsächlich steht in Wintermoor, Schneverdingen, eine alte Klinik am Waldrand. Das Gebäude wurde 1942 von polnischen und sowjetischen Zwangsarbeitern gebaut und diente zunächst als Ausweichstelle für das Hamburger Krankenhaus.

Im Laufe der Zeit wurde die Einrichtung aber in eine Tuberkuloseklinik umgewandelt und erhielt den Namen „Hamburgisches Krankenhaus Wintermoor“. In den folgenden Jahren änderte sich der Name des Hauses immer wieder, bis es 1997 zu einem Altersheim umfunktioniert und 2005 schließlich wegen Insolvenz geschlossen wurde.

Seitdem verfällt das Gebäude, wird regelmäßig Opfer von Vandalismus und ist mittlerweile mit etlichen Graffiti versehen. Die Gerätschaften wurden allesamt entfernt, Alarmknöpfe und einzelne, herumliegende Krankenhausutensilien erinnern aber noch heute an den einstigen Zweck des Gebäudes.

6. Holländischer Pavillon, Hannover

Dieser Lost Place in der niedersächsischen Landeshauptstadt war wohl noch nie ein Geheimtipp, trotzdem ist er ein absolutes Highlight für Stadt-Abenteurer. Denn das hohe Gebäude hat in jedem Stockwerk einen anderen Charakter.

Gebaut wurde der Pavillon für die Ausstellung der Niederlande auf der Expo im Jahr 2000. Auf acht Stockwerken präsentierte das Land unterschiedliche Landschaften und Blumengärten. Eines der Stockwerke wurde sogar mit riesigen Baumstämmen gestützt, und Aufzüge brachten die Besucher in die unterschiedlichen Etagen.

Heute ist von der bunten Ausstellung wenig geblieben. Die Farben im Pavillon werden mittlerweile von Graffiti bestimmt. Die großen Säulen aus Baumstämmen stehen aber immer noch an ihren Plätzen, und selbst die Aufzüge hängen noch in unterschiedlichen Stockwerken fest.

7. Geisterdorf, Lüneburger Heide

Im Ort Lopau in der Lüneburger Heide lebt heute keine Menschenseele mehr. Dabei hatte das Dorf nach dem Zweiten Weltkrieg rund 200 Einwohner und ein blühendes Dorfleben. Doch der Ort befand sich in der Sicherheitszone eines Truppenübungsplatzes, und die Bundeswehr brauchte plötzlich mehr Platz für den Bau einer neuen Schießbahn.

Deshalb mussten die Bewohner ihr Dorf verlassen, und etliche Gebäude wurden abgerissen. Im Jahr 1970 lebten dann nur noch 62 Menschen in dem Ort, die ebenfalls umgesiedelt wurden, sodass Anfang der 80er die Schießbahn gebaut werden konnte. Trotzdem wurden nicht alle Häuser abgerissen, und seitdem steht das Geisterdorf Lopau mitten auf dem Truppenübungsplatz in der Lüneburger Heide.

Doch Vorsicht: Auf dem Platz finden militärische Übungen mit scharfer Munition statt. Auch Panzer feuern hier ihre Geschosse ab und Lost-Places-Fans sollten dringend auf Warnschilder achten und keine Schranken übersteigen.