Als Hauptstadt der schottischen Highlands befindet sich Inverness mitten im „Outlander“-Territorium. Hier findet die Geschichte von Claire Randall, die unter mysteriösen Umständen aus dem Jahr 1945 ins 18. Jahrhundert der schottischen Highlands versetzt wird, ihren Anfang. Was viele Fans aber gar nicht auf dem Schirm haben: Die spannende Story wurde nicht von Netflix kreiert, sondern von der US-amerikanischen Autorin Diana Gabaldon.

Sie veröffentlichte den ersten Band ihrer Highland-Saga bereits im Jahr 1991. Dass „Outlander“ heute so viele Fans hat, liegt auch daran, dass Gabaldon der Serie beratend zur Seite steht und viele Szenen aus den Büchern nahezu eins zu eins umgesetzt wurden.

Bei den Drehorten nahmen sich die Macher mehr Freiheiten heraus. Die Schauplätze entsprechen nicht ganz den Büchern und sind überall in Schottland zu finden. Inverness hat jedoch viele Verbindungen zur Geschichte von Claire und Jamie – und wir haben die schönsten davon aufgespürt.

1. „Outlander“-Drehort: Culloden Battlefield

Einer der bedeutsamsten Momente der schottischen Geschichte fand am 16. April 1746 in der Nähe von Inverness statt – und stellt auch eine Schlüsselszene bei „Outlander“ dar, auf die wir Folge für Folge hinfiebern und gleichzeitig mit Jamie und Claire bangen.

Denn die Schlacht bei Culloden ging als eine der blutigsten in die schottische Geschichte ein. Der brutale Kampf gegen die Briten war in nicht mal einer Stunde vorbei, kostete mehr als 1.000 Jakobiten das Leben und beendete schmerzvoll die damalige Kultur der Highlander, wie wir in „Outlander“ sahen.

Hier wurde einst brutal gekämpft: Das Schlachtfeld Culloden.

Seit Dezember 2007 ist das Culloden Battlefield Visitor Centre an dieser geschichtsträchtigen Stätte für Besucher geöffnet. Im weitläufigen Gebäude siehst du jakobitische Artefakte, die im Moor gefunden wurden, darunter Münzen, Waffen und Kleidungsstücke. Beeindruckend und bedrückend gleichermaßen ist der sechsminütige Film, in dem du die Schlacht von Culloden über eine 360-Grad-Leinwand miterleben kannst.

Danach gehst du selbst über das Schlachtfeld. Wo heute in der weiten Landschaft Stille herrscht, floss 1746 viel Blut. Die Kampflinien der Truppen sind mit Fahnen markiert und die Namen der Clans auf dem Culloden Stone Walkway aufgelistet. „Outlander“-Fans finden hier auch den Stein des Clan Fraser, der definitiv am häufigsten besucht wird. Viele legen Blumen vor den Stein – zur Erinnerung an Jamie und seinen treuen Clan.

Culloden Battlefield | Culloden Moor, Inverness IV2 5EU (Eintritt: 11 Pfund)

2. „Outlander“-Drehort: Clava Cairns

Der Moment, in dem die eigentliche Geschichte von „Outlander“ startet, passiert auf dem Steinkreis Craigh na Dun in Inverness, wo Claire durch die Zeit reist. Hier musste aber die Wahrheit der Dichtung weichen, denn den Steinkreis gibt es nicht. Der Craigh na Dun ist eine reine Fiktion von Autorin Diana Gabaldon.

Aber: Sie ließ sich dazu von zwei Orten inspirieren, die beide in und um Inverness zu finden sind und die du kostenlos besuchen kannst. Ganz in der Nähe des Culloden Battlefields (mit dem Auto fünf Minuten, zu Fuß 30 Minuten) steht die alte Grabstätte Clava Cairns. Der Weg dorthin ist gut ausgeschildert.

Diente als Inspiration für Outlander: Die Grabstätte Clava Cairns.

Die Clava Cairns gehen auf die Bronzezeit zurück. Heute gerätst du in magische Stimmung, wenn du entlang der Steinhügel, Ganggräber und Menhire – also stehende Steine – gehst. Genau diese Stimmung war es, die Diana Gabaldon zum Craigh na Dun inspirierte – plus ein ganz besonderer Stein.

Am hinteren Ende des Geländes steht ein gespaltener Menhir. Die ungewöhnliche Form brachte Diana Gabaldon auf die Idee, dass jemand durch diesen Spalt treten und durch die Zeit reisen könnte.  

Clava Cairns | Inverness IV2 5EU (Eintritt frei)

3. „Outlander“-Drehort: Tomnahurich Cemetery

Während bei „Outlander“ der Craigh na Dun auf einem Hügel liegt, stehen die Clava Cairns in einem kleinen Tal. Es gibt aber einen Ort in Inverness, der Diana Gabaldon dazu inspirierte, den Craigh na Dun auf einem Hügel anzusiedeln. Am Stadtrand südöstlich vom Citycenter in Inverness gibt es einen Friedhof: Tomnahurich Cemetery.

Inmitten des Geländes erhebt sich ein kleiner Hügel, der gleichnamige Tomnahurich Hill. Auf dem Weg nach oben kommst du an zahlreichen alten Gräbern vorbei, viele davon sind mehrere Hundert Jahre alt.

Auf den Spuren von „Outlander“ in den Highlands.

Dass Diana Gabaldon auf die Idee kam, den Tomnahurich Hill als Inspiration zu nutzen, liegt an dem mystischen Hintergrund des Hügels. Der ist schon immer als Feenhügel bekannt. Es heißt, dass dort, wo die Toten begraben liegen, Feen leben. Und zwar schon länger, als Menschen sich erinnern. Spazierst du auf dem gewundenen Weg nach oben, umgibt dich ein magisches Flair.

Die Hänge sind steil, die Wege geheimnisvoll und dunkel. Oben angekommen, erheben sich die Grabsteine, verwittert, schief, von Moos bewachsen. Von hier aus hast du einen tollen Blick auf die Stadt. Auf der einen Seite siehst du über das Zentrum von Inverness bis zum Meer, auf der anderen auf den Caledonian Canal. 

Schräge Story: Im 17. Jahrhundert machte der Brahan Seer (der Brahan-Seher) eine Vorhersage über die Zukunft. Er sagte: „So seltsam es Ihnen heute erscheinen mag, die Zeit wird kommen, und es ist nicht mehr weit, wenn voll ausgerüstete Schiffe nach Osten und Westen segeln, im Rücken des Tomnahurich-Hügels.“ Der Caledonian Canal wurde aber erst 1822 gebaut.

Wie konnte also der Kanal zwei Jahrhunderte vor seinem Bau vorhergesehen werden? Einheimische und „Outlander“-Fans sind sich sicher: Es liegt an der magischen Umgebung auf dem Feenhügel.

Tomnahurich Cemetery | 118 Glenurquhart Road, Inverness IV3 5BD (Eintritt frei)

4. „Outlander“-Drehort: Loch Ness und Urquhart Castle

Der berühmteste schottische See, Loch Ness, kommt bei „Outlander“ nur indirekt vor, in den Büchern von Diana Gabaldon allerdings schon. Bereits im ersten Band äußert sie ihre Theorie rund um das berühmte Monster von Loch Ness: Womöglich gibt es in dem tiefen See (bis zu 240 Meter!) auch ein Zeitportal, durch das man durch die Jahrhunderte reisen kann – und vielleicht existiert Nessie wirklich und ist ein Plesiosaurier aus vergangenen Zeiten.

Ob real oder nicht: Loch Ness ist bei einer Reise nach Inverness auf jeden Fall einen Ausflug wert. Der zweitgrößte See Schottlands verfügt aufgrund seiner Tiefe über das mit Abstand größte Wasservolumen aller schottischen Seen. Weil Loch Ness so lang und schmal ist, gibt es unterschiedliche Bootstouren.

Die bekannteste führt zum malerischen Urquhart Castle. Die mittelalterliche Festung aus dem 13. Jahrhundert steht auf einer Landzunge am Westufer des Sees mit Blick auf das Schloss und Loch Ness. Auf einem Hügel hoch über dem Schloss gibt es zudem ein Visitors Center mit Café und Shop.

Am Rande von Loch Ness solltet ihr die Festung Urquhart Castle besuchen.

Nicht weit entfernt lohnt sich ein Abstecher zum „Loch Ness Centre & Exhibiton“. Hier tauchst du in verschiedenen Räumen in die Geschichte des berühmtesten Monsters der Welt ein. Spannend sind vor allem die Berichte der Zeitzeugen, die alle Nessie gesehen haben wollen. Und im Shop kannst du dir eines von unzähligen Nessie-Plüschtieren kaufen.

„Outlander“ entdeckst du nur wenige Kilometer entfernt in einem anderen Nessie-Store. Der „Loch Ness Gift Shop“ ist offizieller Vertreiber der „Outlander“-Merchandising-Produkte. Eigens für die Serie wurde ein Tartan, das Muster auf einem schottischen Kilt, entworfen.

Es gibt einen Fraser- und einen MacKanzie-Tartan, aus dem Plaids und Schals gefertigt wurden. Du kannst dir aber auch eine Jacke oder Armstulpen im Stil von Claire kaufen, „Dragonfly in Amber“-Schmuck, Tassen, Schlüsselanhänger und vieles mehr.

Jacobite Cruises | zweistündige Bootstour zu Urquhart Castle (Ticket: 21 Pfund)
Loch Ness Centre & Exhibition | Drumnadrochit, Inverness IV63 6TU (Eintritt: 7,95 Pfund)
Clansman Loch Ness Gift Shop | Inverness IV3 8AU

5. „Outlander“-Drehort: Beauly Priory

In der kleinen Stadt Beauly westlich von Inverness ist das Leben beschaulich. Nur etwas mehr als 1.000 Menschen verleihen dem Ort einen dörflichen Charakter. Seit „Outlander“ herrscht hier immer wieder mal Hochbetrieb. Fans pilgern zur Beauly Priory, den Ruinen einer Abtei aus dem 13. Jahrhundert. In den Büchern von Diana Gabaldon kommt die Abtei mehrfach vor.

Im zweiten Band, „Die geliehene Zeit“, sind Jamie und Claire länger in Beauly. Sie erzählt: „Es gab auf Beauford eine kleine Kapelle, aber die inzwischen recht verfallene Abtei von Beauly war und blieb auch weiterhin die Begräbniskirche der Lovats. Der Fußboden im Altarraum war mit Grabplatten der verstorbenen Lovats gepflastert. Es war ein friedlicher Ort, den ich manchmal trotz des kalten, stürmischen Wetters aufsuchte.“

In der alten Abtei Beauly Priory könnt ihr euch auf die Suche nach dem Grabstein James Frasers begeben.

Beauly spielt aber auch in der Serie eine Rolle. In der Folge „The Fox’s Lair“ kommen erstmals Jamies Verwandte der Lovat-Linie ins Spiel, die aus der Gegend stammen. Hier stimmt die Geschichte mit der realen Geschichte überein: Der Clan Fraser of Lovat ist der wichtigste Clan in der Region und seine lokale Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im Inneren der Kirche gibt es viele Gräber, einige davon von Mitgliedern des Fraser-Clans. Suchspiel für „Outlander“-Fans: Auf dem Friedhof vor der Abtei gibt es einen Grabstein mit dem Namen James Fraser. 

Beauly ist auch ideal für eine kleine Runde zu lokalen Erzeugern. Bei „Campbell’s of Beauly“ dreht sich seit 1858 alles um Stoffe, Kilts und Tartans. Betrittst du den Laden, hast du automatisch das Gefühl, eine Zeitreise zu machen. Gegenüber findest du den perfekten Platz für eine kleine Pause: Der „Corner on the Square“ ist der Treffpunkt der Stadt und eine Mischung aus Gemischtwarenladen und Café. Perfekt für einen Lunch mit Lokalkolorit!

Beauly Priory | Beauly IV4 7DY (Eintritt frei)
Campbell’s of Beauly | Highland Tweed House, High Street, Beauly
Corner on the Square | 1 High St, Beauly IV4 7BY

6. „Outlander“-Drehort: Boleskine House & Graveyard

Der Boleskine Graveyard, auch bekannt als Clan Fraser Cemetery, liegt auf der ruhigen, östlichen Uferseite von Loch Ness. Die Grabsteine erheben sich auf einem Hang über dem Wasser. Hier sind viele Mitglieder des Clans Fraser beigesetzt. Das ist zwar die einzige Verbindung zu „Outlander“, es gibt aber spannende Geschichten rund um Boleskine Graveyard, sodass ein Stopp hier ein Muss ist.

Zum Beispiel jene über einen ganz bestimmten Grabstein: Nach der Schlacht von Culloden kam es hier zu einer Auseinandersetzung zwischen einer trauernden Fraser-Familie und vorbeiziehenden Regierungstruppen. Noch heute sieht man in einem Grabstein die Löcher der Musketenschüsse, die damals abgefeuert wurden. 

Einen weiteren Stopp auf einem Friedhof solltet ihr auf dem Boleskine Graveyard einlegen.

Über dem Friedhof steht das Boleskine House, um das sich die schrägsten Geschichten in der Region drehen. Der berüchtigte Okkultist Aleister Crowley baute das Haus 1899 und nutzte es als Ort für seine Rituale. Das ging so weit, dass er zum „bösesten Mann der Welt“ erklärt wurde. Die Residenz wird noch heute von einigen Einheimischen gemieden.

Allerdings nicht nur wegen Aleister Crowley, sondern auch wegen Jimmy Paige. Der Gründer der Band Led Zepplin erwarb 1971 das Boleskine House – und veranstaltete fortan Partys und Rituale okkulter Natur. Später wurde das Haus renoviert und wieder verkauft – bis es 2015 durch einen Brand schwer beschädigt wurde. Es ist jetzt unbewohnt und unzugänglich.

Boleskine House & Graveyard | General Wade’s Military Rd, Inverness IV2 6XT

7. „Outlander“-Drehort: Highlights in Inverness

Die Szenen, die bei „Outlander“ in Inverness spielen, wurden viel weiter im Süden Schottlands gedreht, nur eine Stunde entfernt von Edinburgh im kleinen Ort Fife.

Die Hauptstadt der Highlands hat aber jede Menge Ecken, an denen „Outlander“-Feeling aufkommt und du das Gefühl hast, Jamie und Claire zu begegnen oder eine Zeitreise zu machen.

Flora MacDonald diente ebenfalls als Inspiration für „Outlander“.

Church Street und Old High Church

Der erste Straßenname, den Diana Gabaldon im ersten Band ihrer Highland-Saga erwähnt, ist die Church Street, eine der ältesten Straßen in Inverness. Hier steht auch seit 1770 die Old High Church, die älteste und hübscheste Kirche der Stadt. Nach der Schlacht von Culloden wurde die Kirche als Gefängnis für jakobitische Rebellen genutzt und auf dem Kirchhof wurden Exekutionen vollzogen.

Leakey’s Bookshop

Hinter der Old High Church steht ein weiteres Gotteshaus. Einst diente die gälische Kirche als Kriegskrankenhaus für in der Schlacht von Culloden verwundete Männer, heute verbirgt sich hinter den historischen Mauern „Leakey’s Bookshop“ (Church St, Inverness IV1 1EY), Schottlands größte Secondhand-Buchhandlung. Sobald du die Türen geöffnet hast und dich zwischen Tausenden Büchern befindest, hast du das Gefühl, in einem anderen Jahrhundert gelandet zu sein.

Abertarff House

Das älteste erhaltene Gebäude in Inverness stammt aus dem Jahr 1593 und ist das typische Stadthaus eines Hochlandlairds. Abertarff House (71 Church St, Inverness IV1 1ES) wurde für den Clan Fraser von Lovat erbaut und einst von Oberst Archibald Fraser bewohnt, dem Sohn des berüchtigten „Old Fox“, Lord Lovat. 1966 wurde das Haus vom National Trust for Scotland restauriert. Noch kann man es nicht besuchen, aber immerhin von außen anschauen.

Flora-MacDonald-Statue

Vor dem Wahrzeichen der Stadt, dem Inverness Castle, steht eine Statue, die auf den ersten Blick beliebig wirkt, allerdings eine ganz eigene Geschichte erzählt. Zu sehen ist Flora MacDonald, die als bekannteste Jakobitin Schottlands gilt. Als nach der Schlacht von Culloden Bonnie Prince Charlie fliehen musste, war es Flora MacDonald, die ihm half: Sie verkleidete ihn als ihr weibliches Dienstmädchen „Betty Burke“ und reiste mit ihm „über das Meer nach Skye“.

Wer es bis jetzt nicht wusste: Der Titelsong von „Outlander“ basiert auf dem Folksong „The Skye Boat Song“, der auf der Flucht des schottischen Nationalhelden Bonnie Prince Charlie basiert. Für die Serie wurde der Text angepasst, behielt aber die Zeile, in der er „über das Meer nach Skye“ segelt.

Kurz und knapp

Die fünfte Staffel von „Outlander“ startet in den USA am 16. Februar und wenige Stunden später in Deutschland auf RTL Passion. Tipps für Inverness und „Outlander“ gibt es bei Visit Inverness & Loch Ness. Praktisch sind Tagestouren ab Inverness zu den Drehorten oder Anleitungen, wie die Car-Tour rund um „Outlander“.