Die schottischen Highlands sind berühmt für ihre atemberaubende Landschaft. Weite Täler, dichte Wälder, tiefe Seen, hohe Klippen, raue Küstenabschnitte: Je weiter nördlich man in Schottland reist, desto ursprünglicher, stiller und spärlicher besiedelt zeigt sich das Land.

Nur eine Stadt widersetzt sich der Einsamkeit der schottischen Highlands: Inverness. Die Hauptstadt der Highlands wurde 2000 von der Queen zur Stadt erhoben, als erste in Schottland nach mehr als 100 Jahren.

Denn Inverness boomt: Bei der letzten offiziellen Volkszählung 2011 wurden 48.000 Einwohner gezählt, dabei sind es heute beinahe 70.000. Wer nach Inverness reist, entdeckt eine kleine Stadt mit großem Potenzial – und erkundet Secondhandshops und Seeungeheuer genauso wie Schlachtfelder und Steinkreise.

1. Insidertipp für Inverness: High Street und Old Town

Das Herz von Inverness ist die Altstadt mit der High Street und den umliegenden kleinen Gassen. Wer allerdings eine schottische Bilderbuchstadt erwartet, wird überrascht sein. Denn Inverness hat Ecken und Kanten – und steckt voller Kontraste, vor allem in der Innenstadt.

Neben wenigen erhaltenen historischen Gebäuden reihen sich Bausünden der 60er-Jahre: So trifft auf eine hübsche Boutique mit dem Niveau einer Millionenmetropole ein kitschiger Souvenirshop made in Taiwan. Auf den ersten Blick mag die Innenstadt beliebig wirken, auf den zweiten birgt sie viele spannende Geschichten. 

Die Altstadt von Inverness überzeugt durch Gegensätze.

Inverness hat viele Gesichter – und die besten davon entdeckst du bei einem Spaziergang durch jene Ecken, die nur die Locals kennen, zum Beispiel bei der „Inverness Walking Tour“. Den ältesten Teil von Inverness findest du übrigens rund um die Church Street und die Old High Church. Die Kirche wurde 1770 errichtet und ist die älteste und hübscheste Kirche der Stadt – und die schmale Gasse direkt neben dem Friedhof bildet ein prima Fotomotiv, das aus einer anderen Zeit stammen könnte.

Walk Inverness | Treffpunkt beim VisitScotland iCenter, 36 High Street (Dienstag, Donnerstag und Freitag um 18 Uhr, Samstag um 11 Uhr, 10 Pfund pro Person)

2. Das Inverness Castle

Das Wahrzeichen der Stadt thront zwischen Zentrum und dem River Ness: Auf einem Hügel steht das Inverness Castle, dessen Geschichte kürzer ist, als man meinen würde. Denn das Schloss wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet.

Zuvor standen hier allerdings mehrere unterschiedliche Festungen, in denen viele schottische Regenten Geschichte schrieben. Die berühmteste unter ihnen war Maria Stuart. Inverness Castle ist heute aber kein klassisches Schloss: Da das Gebäude als Verwaltungszentrum und Gerichtsgebäude dient, kann man es nicht besichtigen. 

Das Wahrzeichen der Stadt dient heute als Gericht: Das Inverness Castle.

Der Schlossgarten ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier hast du einen großartigen Blick auf den River Ness und die viktorianischen Häuserzeilen am Flussufer. Spazierst du den Weg hoch, kommst du zuerst zur „Castle Gallery“. Die wunderschöne Galerie erstreckt sich über zwei Etagen und stellt Gemälde, Siebdrucke, Skulpturen, handgefertigten Schmuck und vieles mehr aus; das meiste kannst du auch kaufen.

Gehst du wenige Meter weiter, erreichst du den „Castle Viewpoint“. 94 Stufen führen zur Aussichtsplattform, von wo du einen tollen 360-Grad-Blick über die Stadt hast und auch etwas über die Geschichte von Inverness lernen kannst. 

Castle Gallery | 43 Castle St, Inverness IV2 3DU
Castle Viewpoint | Castle Wynd, Inverness IV2 3EE (Eintritt: 5 Pfund)

3. Die Pubs und Partys

Schon mal den Begriff Ceilidh gehört? Das gälische Wort bezeichnete ursprünglich ein geselliges Zusammensein beliebiger Art. Heute ist meist damit gemeint, dass man in Pubs zusammenkommt, Musik hört, tanzt, Spaß hat. Viele Pubs lassen traditionelle Musiker genauso wie Popmusiker auf die Bühne, die schottische Folksongs dann moderner interpretieren.

Es ist ein Heidenspaß, das erste Mal ein Ceilidh zu erleben und bei einem guten britischen Bier oder schottischem Whisky in diese Art der Highland-Kultur einzutauchen.

Schottische (Trink-)Kultur im ältesten Pub der Stadt erleben.

Für eine kleine Stadt hat Inverness eine große Pub-Szene. In der Old Town ist es nachts immer laut, wenn vor und hinter unzähligen bunten Türen Musik erklingt. In der Church Street und der Bridge Street sind die bekanntesten Pubs mit dem besten Programm. Das Gellions ist das älteste Pub der Stadt. Es wurde 1841 gegründet und hat neben verschiedensten Whisky-Sorten und schottischen Gerichten auch allabendlichen Livemusik – und jeden Samstag ein Ceilidh.

Das Hootananny hat mehrere Etagen. Im Obergeschoss wird hauptsächlich Rockmusik gespielt, während sich im Erdgeschoss alles um traditionelle schottische Musik dreht. Von Sonntag bis Mittwoch treffen sich jeden Abend einheimische Musiker zum Jammen.

Gellions | 14 Bridge St, Inverness IV1 1HD
Hootananny | 67 Church St, Inverness IV1 1ES

4. Die schottische Teatime

Kein Urlaub in Schottland ohne ordentliche Teatime! Denn die wird nicht nur bei den Briten, sondern auch bei den Schotten zelebriert. Der einzige Unterschied: Die Schotten mögen es süßer, dem Traditionsgebäck Scones sei Dank. Die Tee-Etikette schreibt sogar vor, dass drei Gänge zum Nachmittagstee gereicht werden müssen: Sandwiches, Scones mit Clotted Cream und zum Abschluss Shortbread oder kandierte Früchte. 

Bestandteil der schottischen Teatime: die Süßen Scones.

In Inverness sind es die besseren Hotels, die die kreativste und leckerste schottische Teatime anbieten, zum Beispiel das Loch Ness Country House Hotel. Mehr Schottland-Flair geht nicht: Du sitzt auf einem Sofa mit Schottenmuster, im Kamin prasselt ein Feuer – und neben Tee kommen mehrere Gänge auf den Tisch, alles frisch zubereitet und vor allem auch frisch gebacken. Vor allem die schottischen Scones sind ein Muss!

Loch Ness Country House Hotel | Loch Ness Road, Inverness IV3 8JN, Teatime um 25 Pfund pro Person

5. Der River Ness

Der Name Inverness stammt vom gälischen Wort „Inbhir Nis“, was so viel bedeutet wie „Mündung des Ness“. Gemeint ist damit die grüne Ader der Stadt: der River Ness, der vom berühmtesten schottischen See Loch Ness zu seiner Mündung in den Moray Firth bei Inverness fließt.

Nimm dir unbedingt einen halben Tag Zeit, um den Fluss zu erkunden. Die Gebäude, die sich an beiden Uferseiten des Flusses aneinanderreihen, zählen zu den schönsten der Stadt und sind eine Erinnerung an jene alten Zeiten, in denen wohlhabende Hochlandlairds hier ihre Häuser bauten. 

Hier könnt ihr Ausschau nach Nessie halten: der River Ness.

Am Ufer entlang führt der Ness Walk, ein Spazierweg, der dich vom Zentrum der Stadt bis zu Ness Islands führt. Denn Inverness hat eine Ansammlung von Miniinseln mitten im River Ness, die durch Hängebrücken mit dem Damm verbunden sind. Läufst du auf den Ness-Inseln herum, vergisst du vollkommen, dass du eigentlich in der Stadt bist. Augen auf: Wenn du dich gut umsiehst, entdeckst du vielleicht eine geschnitzte Version des Loch-Ness-Monsters Nessie!

6. Der Caledonian Canal

Auf der anderen Seite der Stadt stößt du auf einen weiteren Fluss, der eine wesentliche Rolle in Schottland spielt: den Caledonian Canal. Der wurde im 19. Jahrhundert angelegt, um einen Wasserweg von der Nordsee zum Atlantischen Ozean zu schaffen.

Dafür dachte man sich ein ausgeklügeltes System aus: Nur ein Drittel des Kanals wurde künstlich geschaffen, in Wahrheit wurden bestehende Gewässer miteinander verbunden: der Moray Firth an der Nordsee mit dem River Ness, Loch Ness, Loch Oich, Loch Lochy und dem Firth of Lorne am Atlantischen Ozean. 

Auf dem Caledonial Canal kannst du eine Bootstour unternehmen.

Heute hat der Caledonian Canal eine Länge von 97 Kilometern mit insgesamt 29 Schleusen. In Inverness kannst du entlang des Kanals spazieren gehen oder auf dem Wasser schippern – entweder bei einer Bootstour auf dem Weg zum sagenumwobenen Loch Ness oder bei einem Bootsurlaub auf dem Caledonian Canal ab Inverness. Hier gibt es viele Anbieter, bei denen man ein Hausboot mieten kann.

Jacobite Cruises | zweistündige Bootstour zu Urquhart Castle (Ticket: £ 21)
Caley Cruisers | eine Woche auf einem Boot für 2 bis 4 Personen ab ca. £ 915

7. Der Victorian Market

Eine kleine Zeitreise machst du, wenn du den Victorian Market betrittst. Die Einkaufspassage geht aufs 19. Jahrhundert zurück und verströmt das Flair vergangener und vor allem viktorianischer Zeiten. Heute hast du die Wahl, in welchem der über 40 Geschäfte du einkaufen möchtest: Sollen es frische Lebensmittel, Gewürze, Souvenirs, Schmuck oder Kleidung sein? Auf dem viktorianischen Markt findest du eine Auswahl an Geschäften, die es sonst in der Stadt nicht gibt – vom familiengeführten Fischhändler bis zur Retro-Milchbar.

Shoppen wie im 19.Jahrhundert: der Victorian Market.

Spazierst du durch die Halle, halte Ausschau nach drei Dingen: 

  1. Der ursprüngliche Eingang in der Academy Street aus dem Jahr 1870 besteht aus drei Rundbögen. Im Mittelbogen ist ein Stierkopf, auf den beiden kleineren Bögen sind Widderköpfe zu sehen.
  2. Zu den sehenswertesten Elementen der Passage gehört die viktorianische Uhr, die seit 1890 nicht einmal stehen geblieben ist.
  3. Beim Eingang zur Church Street solltest du den Sandsteinbogen genauer anschauen. Entdeckst du hier Einkerbungen, dann sind es jene, die entstanden, als die Fischhändler ihre Messer schärften, als die Markthalle noch ein Fischmarkt war.

Victorian Market | Academy St, Inverness IV1 1JN

8. Leakey’s Bookshop

Der absolut coolste Laden der Stadt lässt nicht nur bei Buchliebhabern das Herz höherschlagen. In einer ehemaligen gälischen Kirche befindet sich heute Schottlands größte Secondhand-Buchhandlung! Und die hat es echt in sich: Sobald du die Türen geöffnet hast und dich zwischen Tausenden Büchern befindest, hast du das Gefühl, in einem anderen Jahrhundert gelandet zu sein. Die Buchhandlung ist so magisch, dass man meint, Harry Potter könne jeden Moment um die Ecke biegen!

In Leakey’s Bookshop auf den Spuren von Harry Potter wandeln.

Ein älteres Ehepaar betreibt den großartigen Shop, in dem vor allem die Farben besonders sind: Tausende von Büchern aus zweiter Hand überfluten das Innere mit Farbe, während die Buntglasfenster daran erinnern, dass du hier tatsächlich in einer Kirche stehst. Und damit du dich wirklich nicht mehr losreißen kannst, knistert den ganzen Tag ein romantisches Feuer in einem kleinen Holzofen. Ein absolutes Must-see und der Book-Heaven für Leseratten!

Leakey’s Bookshop | Church St, Inverness IV1 1EY

9. Lokale Designer

Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, dass man in einer kleinen Stadt wie Inverness das große Shoppingerlebnis haben kann, doch der Schein trügt: Es gibt mehrere Läden, die locker mit den schottischen Großstädten mithalten können. Der wohl schönste Laden mit hohem In-Charakter ist Judith Glue: Jedes einzelne Stück ist eine Augenweide, vieles stammt aus Schottland: von Strickwaren der Orkney-Inseln über handgemachte Klamotten, Taschen und Schmuck der Highlands bis hin zu großartigen Food-Produkten.

Genauso spannend ist Meggie & Suzi’s Boutique: Hier dreht sich alles um Mode, allerdings mit nachhaltigem Fokus. Maggie Blyth und Suzi Stewart eröffneten ihren Laden als kleine Rebellion gegen die Fast-Fashion-Industrie. Was hier in den Regalen liegt, wurde nachhaltig produziert, stammt von schottischen Designern und hat eine lange Haltbarkeit. Und im Keller gibt es eine große Auswahl an hochwertiger Secondhand-Mode.

Auch Mode-Liebhaber kommen in Inverness auf ihre Kosten.

Was in Schottland natürlich auch nicht fehlen darf, ist eine Lektion in Sachen schottischer Mode, genauer gesagt über das Traditionsstück Kilt. Die holst du dir zum Beispiel im Highland House of Fraser, wo du im Scottish Kiltmaker Visitor Centre alles über die Geschichte traditioneller schottischer Bekleidung erfährst.

Wenn du willst, kannst du dir auch für etwa 50 Pfund pro Nacht einen Kilt ausleihen. Auch Duncan Chisholm and Sons ist eine prima Adresse: Bei dem traditionellen, auf Maß schneidernden Kiltmaker aus Inverness dreht sich alles um Tartans, Tweed und Kilts. Soll’s dann doch lieber ein Whiskey als Mitbringsel sein, geh unbedingt zu IT Tours, Drinks & Gifts. Hier findest du lokale Kunst, Geschenke und Whisky.

Judith Glue | 15 Bridge St, Inverness IV1 1HG
Meggie & Suzi’s Boutique | Drummond St, Inverness IV1 1QD
Highland House of Fraser | 4-9 Huntly St, Inverness IV3 5PR
Duncan Chisholm and Sons | Huntly St, Inverness IV3 5HP
IT Tours, Drinks & Gifts | 55 Church St, Inverness IV1 1DR

10. „Outlander“-Drehlocations

Als Hauptstadt der schottischen Highlands liegt Inverness mitten im „Outlander“-Territorium. Hier findet die Geschichte von Claire Randall, die unter mysteriösen Umständen aus dem Jahr 1945 ins 18. Jahrhundert der schottischen Highlands versetzt wird, ihren Anfang.

Was viele Fans nicht auf dem Schirm haben: Die Story wurde nicht von Netflix kreiert, sondern von der US-amerikanischen Autorin Diana Gabaldon. Sie veröffentlichte den ersten Band ihrer Highland-Saga bereits 1991. Inverness hat viele Verbindungen zur Geschichte von Claire und Jamie – und zwei der schönsten sind gerade mal eine halbe Stunde von der Innenstadt entfernt.

Auf den Spuren von „Outlander“.

Die Schlacht von Culloden am 16. April 1746 ging als eine der blutigsten in die schottische Geschichte ein. Der brutale Kampf gegen die Briten war in nicht mal einer Stunde vorbei, kostete über 1000 Jakobiten das Leben und beendete schmerzvoll die damalige Kultur der Highlander. Im Dezember 2007 öffnete das Culloden Battlefield Visitor Centre an dieser geschichtsträchtigen Stätte seine Türen.

Um die Ecke liegt die Grabstätte Clava Cairns, die auf die Bronzezeit zurückgeht. Hier findest du Steinhügel, Ganggräber und stehende Steine, die die „Outlander“-Autorin Diana Gabaldon zum Craigh na Dun inspirierten. Genauer gesagt war es ein ganz besonderer Stein: ein gespaltener Menhir. Die ungewöhnliche Form brachte sie auf die Idee, dass jemand durch diesen Spalt treten und durch die Zeit reisen könnte.  

Culloden Battlefield | Culloden Moor, Inverness IV2 5EU (Eintritt: 11 Pfund)
Clava Cairns, Inverness IV2 5EU (Eintritt frei)