Die Fluggastrechte der Europäischen Union sind klar geregelt: Flüge in die EU, aus der EU, innerhalb der EU oder von Airlines mit Sitz in der EU dürfen maximal zwei Stunden und 59 Minuten verspätet sein, danach gibt es – insofern keine außergewöhnlichen Umstände für die Verspätung verantwortlich sind – Geld.

Bei einer Flugstrecke bis zu 1.500 Kilometer gibt es 250 Euro, bis 3.500 Kilometer 400 Euro und 600 Euro, wenn die Strecke mehr als 3.500 Kilometer misst. Doch einige Airlines stellen sich zumindest zunächst einmal taub.

Das zeigt eine Analyse des Fluggastrechteportals „Airhelp“ für die „Bild“. Demnach weisen 58 Prozent von 51 analysierten Airlines berechtigte Ansprüche zunächst einmal ab. 

Verweigern Entschädigungen: Tunisair, Vueling und Ernest Airlines sind Flops

Besonders oft weigern sich demnach vier Fluglinien: Tunisair, Vueling, Ernest Airlines und Bulgaria Air wiesen 99,9 Prozent der Entschädigungsforderungen zu Unrecht ab. Auf Platz fünf folgt Blue Air (99,8 Prozent), danach Ryanair mit 98,4 Prozent. 

Auch andere namhafte Airlines sind in den Flop 10 vertreten, Easyjet beispielsweise liegt mit 87,3 Prozent auf Rang neun. Ebenfalls deutlich mehr als die Hälfte der Forderungen lehnen British Airways (66,6 Prozent), Finnair (65,6 Prozent), SAS (65,3 Prozent), Air Canada (61,4 Prozent), Wizz Air (61,4 Prozent), Swiss (61,1 Prozent) und Norwegian (57,4 Prozent) ab. Lufthansa landet mit 52,7 Prozent auf Rang 27 von 51.

Icelandair und Eurowings gehen mehr auf ihre Kunden ein

Emirates, KLM, TAP, United Airlines und Austrian Airlines liegen zwischen 40 und 50 Prozent, Qatar Airways, Tui Fly, Air France und Condor zwischen 30 und 40 Prozent. 

Die Airline, die in Sachen Entschädigungen am wenigsten Zeit und Nerven kostet, ist tatsächlich Eurowings – nur in 23,6 Prozent aller Fälle hatte die Lufthansa-Tochter zu Unrecht zunächst eine Entschädigung nicht ausgezahlt. Kurz dahinter landen Icelandair (26,7 Prozent), American Airlines (27,4 Prozent), Brussels Airlines (27,5 Prozent) und Delta Air Lines (27,8 Prozent). 

Einbezogen in die Analyse wurden die 51 Airlines, bei denen „Airhelp“ zwischen Januar und Oktober 2019 mindestens 1.000 aus Sicht des Portals berechtigte Forderungen gestellt hat.

Flug verspätet – wie gehe ich vor?

Hat dein Flug Verspätung, solltest du zunächst versuchen herauszufinden, was die Ursache ist: Liegt ein technischer Defekt vor, handelt es sich um einen Entschädigungsfall – anders sieht es bei Gewitter aus. Inzwischen gibt es auch eine App, die mit ein paar Klicks den Anspruch ermittelt.

Ist der Fall eindeutig, solltest du zunächst selbst bei der Airline deine Forderungen geltend machen und auf ein Fluggastrechteportal zurückgreifen, falls du rechtliche Hilfe benötigst. Wird die Entschädigung ausgezahlt, gehen meist um die 25 Prozent als Provision an das Portal. Ein Geltendmachen lohnt sich auf jeden Fall – rund fünf Milliarden Euro pro Jahr verschenken Fluggäste, weil sie keine Entschädigung für ihre Verspätung fordern.

Nicht eindeutig sind die Regelungen bei einem Streik. Galten früher alle Verspätungen und Flugausfälle durch Streiks als höhere Gewalt und wurden nicht entschädigt, gibt es inzwischen einige Urteile, nach denen Passagiere doch Geld erhielten.