Immer mehr Länder öffnen sich dem Tourismus und tauchen damit auf dem Radar abenteuerlustiger Urlauber auf. So gelten zum Beispiel Königreiche wie Saudi-Arabien oder das „unbeliebteste Reiseland“ Moldawien aus unterschiedlichen Gründen nicht gerade als typische Urlaubsländer und halten deshalb viel Unentdecktes bereit.

Solch eine Schatzkiste ist auch Usbekistan, ein für dich vielleicht eher unscheinbarer Binnenstaat in Zentralasien, der wie viele andere dort verorteten Länder einfach nur auf „-istan“ endet.

Ein unterschätztes Reiseland! Hier verschmelzen – vielleicht wie an keinem anderen Ort – Welten miteinander. Ob kulturell, landschaftlich, oder architektonisch. Du erfährst vom reisereporter, warum 2020 der ideale Zeitpunkt für deine Reise zum Trendziel ist.

1. Usbekistans bewegte Geschichte

Gähner und Langeweile sind bei Usbekistans Geschichte fehl am Platz: Das Land birgt einen wahren Reichtum an historisch bedingten Schätzen. Jahrhunderteandauernde muslimische Dynastien wurden im 19. Jahrhundert von russischen Kolonialherrschern abgelöst, zwischenzeitig wurde das Land mehrmals umbenannt. Erst im Jahr 1991 erklärte die damalige Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion – dir sicher auch als UdSSR bekannt.

Heute heißt die Hauptstadt Usbekistans Taschkent, gesprochen wird Usbekisch, das zu den Turksprachen zählt, mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Regiert wird (offiziell) im demokratischen Stil. Der kurze Rückblick in die wechselhafte Geschichte ist wichtig, um Land und Leute, aber auch die Reisebedingungen vor Ort zu verstehen.

2. Usbekistans Facettenreichtum

Die Einflüsse des Islams sind bis heute unverkennbar. In Ballungsräumen wie den Städten Samarkand und Buchara dominieren die aufwendig verzierten Prachtbauten der Moscheen und anderer Tempel das Stadtbild. In der Hauptstadt Taschkent erlebst du den Kontrast, dort, wo Wolkenkratzer in den Himmel ragen.

Wegen ihrer kulturellen und historischen Bedeutung wurden die Städte Buchara, Samarkand, Chiwa und Shahrisabz von der Unesco in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen. Genau dort verläuft übrigens einer der schönsten Abschnitte der sagenumwobenen Seidenstraße, die alte Karawanenroute von China nach Mitteleuropa.

Der Registan in Samarkand ist DAS Must-see in Usbekistan. Der Hauptplatz der antiken Stadt.

Aber was unterscheidet das Land von anderen muslimisch geprägten Nationen? Der Facettenreichtum zeigt sich auch landschaftlich. Im Westen erstrecken sich die Wüsten des größtenteils ausgetrockneten Aralsees, während der Osten im fruchtbaren Ferghanatal ergrünt. Dort grenzen mehrere Gebirgsketten an, der höchste Berg Usbekistans misst 4.643 Meter und liegt im Hissargebirge. Dementsprechend reicht das Klima von heiß-trocken über feucht-warm bis regnerisch-kalt.

Wo Wüste und verschneite Berglandschaft sich abwechseln: So sieht es in der Provinz Taschkent aus.

3. Usbekistans würzige Küche

Auch kulinarisch entführt dich das Land in die arabische Welt: Zwischen mehr als tausend Gerichten solltest du dir auf keinen Fall Mantı (die gefüllten Teigtaschen kennst du vielleicht vom Türken) oder Pilau entgehen lassen.

Letzteres ist ein schmackhaftes Reisgericht mit Fleisch, Fisch oder Gemüse. Auch der Reiseintopf könnte dir in ähnlicher Form vom Inder oder Syrer bereits bekannt vorkommen. Verfeinert wird das Essen mit pikanten Gewürzen.

4. Umstrittenes Usbekistan

Bei all der Schönheit des Landes, können wir dir nicht die Knackpunkte einer Reise verheimlichen. Auf Social Media siehst du den Traum aus Tausendundeiner Nacht. Worüber viele Blogger nicht berichten, sind die politischen Kontroversen. Immer wieder wird der Regierung Menschenrechtsverletzung in Form von Verfolgung, Folter, eingeschränkter Meinungsfreiheit und Zwangsarbeit vorgeworfen.

Trotz Öffnungstendenzen seit dem Regierungswechsel 2016 sehen Organisationen wie Human Rights Watch die Situation im Land kritisch. Der Vorwurf: Mehr Autokratie statt Demokratie. Wie Amnesty International anprangert, ist Homosexualität nach wie vor strafbar, gleichgeschlechtliche Paare könnten willkürlich festgenommen werden.

Wissenswertes für deine Usbekistan-Reise

Dabei will Usbekistan, unter anderem durch eine starke Präsenz in den sozialen Medien und gelockerte Einreisebestimmungen, ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz setzen. Und – machen wir uns nichts vor – natürlich den Tourismus als weitere Einnahmequelle nutzen. So brauchen Deutsche seit diesem Jahr bei einem Aufenthalt von bis zu 30 Tagen kein Visum mehr. 

Aber dafür, darauf weist das Auswärtige Amt hin, sei eine Registrierung innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft nötig. Das müsse über die UVViOG (Verwaltung für Ein-/Ausreise und Staatsbürgerschaft) geschehen, oftmals übernehme aber auch das Hotel die Formalitäten. 

Für Individualreisende sei das Land laut Bundesbehörde aufgrund der schlechten Straßen und der nicht ausreichend entwickelten Infrastruktur nur bedingt geeignet. Selbst ans Steuer setzen? Das solltest du nur mit einem gültigen internationalen Führerschein und mit dem Wissen, dass „Verkehrsregeln“ im Ausland oft ein Fremdwort ist, tun.

Abgesehen davon warnt das Auswärtige Amt für das ganze Land, aber insbesondere in Bezug auf die Grenzregionen zu Afghanistan und zu Tadschikistan und Kirgisistan, vor extremistischen Gruppen. Was die Kriminalität angeht, ist diese nicht bedeutend höher als anderswo. Nimm dich vor Taschendieben auf den Basaren in Acht. Bezahlt wird in der Landeswährung Sum (UZS), deine Euros oder Dollar kannst du vor Ort eintauschen. Und: Mach dir immer bewusst, dass du in ein muslimisch geprägtes Land reist, das spezielle und sensible Verhaltensregeln verlangt.

Wir wollen dir den Besuch nicht madigmachen, dennoch sind das alles Punkte, die du beachten und kennen solltest. Wofür es sich lohnt? Laut dem bekannten Reiseblogger Mark Weins, der sich auf Youtube vor einem Millionenpublikum um den Globus isst, vor allem wegen der Gastfreundschaft.