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Warum du unbedingt mal Potsdam besuchen musst

„Vorgarten von Berlin“ oder „die kleine Schwester“ wird die Stadt an der Havel oft genannt. Aber Potsdam hat sein ganz eigenes Flair. Die Stadt an der Havel ist Weltstadt und Kulturmekka in Brandenburg.

Christopher Braemer
Das Viertel um den Alten Markt mit dem Stadtschloss in Potsdam.
Das Viertel um den Alten Markt mit dem Stadtschloss in Potsdam.

Foto: imago images/penofoto

Die Stadt erinnert mit preußischem Prunk, dem vielen Wasser und der hohen Dichte an Kultur an St. Petersburg, wie Peter der Große sammelten die deutschen Kaiser das Schönste aus aller Welt. So entstanden neben dem Weltkulturerbe Sanssouci ein kleines Stück Russland (Alexandrowka-Kolonie), das Holländerviertel und italienische Baukunst. Mit 180.000 Einwohnern ist Potsdam mit Abstand die größte Stadt in Brandenburg

Und es wirkt ein bisschen wie in Paris, wenn du auf beleuchtete Fassaden blickst, am Abend in der Dortustraße umherschlenderst und durch barocke Flure mit Stuck an den Decken in alte Innenhöfe spazierst. Die Innenstadt ist beleuchtet und voller Restaurants und Bars; in den Cafés tummeln sich die jungen, gut gekleideten Leute.

Die Kulturszene boomt, davon zeugen die Schiffbauergasse und das Rechenzentrum, in dem die Künstler trotz steigender Mieten an der Havel günstigen Freiraum erhalten. Und irgendwo auf der Havel schippern Stand-up-Paddler und Wassertaxis durch das kalte Nass. 

Das Holländerviertel in Potsdam ist ein Touristenmagnet.
Das Holländerviertel in Potsdam ist ein Touristenmagnet. Foto: Christopher Braemer

Sehenswertes und Museen in Potsdam

Der Luisenplatz ist der erste Anlaufpunkt, durch die Wassertropfen des Springbrunnens am Brandenburger Tor flanierst du zwischen Jugendstil, Wassertaxis und Barock durch das Herz der brandenburgischen Landeshauptstadt. Du siehst schick gekleidete Potsdamer, Studenten auf E-Scootern und Touristen aus aller Welt.

Der Alte Markt mit Nikolaikirche, dem Museum Barbarini und dem Brandenburger Landtag ist neben dem Luisenplatz (Brandenburger Tor) ein wichtiger Treffpunkt in der Stadt. Der Alte Markt mit der Nikolaikirche – dem Wahrzeichen Potsdams – wurde aufwendig restauriert und hat die Atmosphäre vom alten Potsdam, das sich vom Fischerdorf zur preußischen Kurfürstenstadt entwickelte. Das Ganze bestaunst du am besten von ganz oben auf dem Belvedere oder vom Mühlenberg, falls es dir auf dem Touristenspot zu voll ist.

Das Flair im Holländischen Viertel erinnert ein bisschen an Amsterdam, es fehlen nur die Grachten und die Coffeeshops. Die 134 malerischen Backsteinhäuser wirken wie eine Stadt in der Stadt und sind ein Hingucker zu jeder Jahreszeit, die zu einem Spaziergang locken. Kleine Cafés, Läden und Bars prägen die Atmosphäre des Viertels.

Ein Stück Russland in Potsdam: Die Kolonie Alexandrowka mit Holzhäusern.
Ein Stück Russland in Potsdam: Die Kolonie Alexandrowka mit Holzhäusern. Foto: imago images/imagebroker

Ein Stück Russland in Potsdam

In Babelsberg locken Künstler, linke Fußballszene und der Filmpark. Ein Mekka für Kinofreaks sind die Studios in Babelsberg, in denen seit 1912 über 3000 Film- und TV-Produktionen entstanden. Wenn du den Eingang durchquert hast, kannst du weit hinter die Kulissen blicken, durch Filmsets touren und in der Traumwerker-Halle bei Requisite, Maske, Kostüm vorbeischauen.

Ein Stück Russland in Potsdam, mit Holzhäusern (russisch: Isba), Park, orthodoxer Kirche und russischem Restaurant. Los geht’s zu einem Spaziergang mit slawischer Romantik oder „Dawaj, Pojechali“, wie es so schön in Russland heißt.

Ist Potsdam etwas für dich?

Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht etwas versnobt, aber Potsdam hat viele Facetten. Die Szenen prallen in der Innenstadt auf engstem Raum aufeinander, schick und schäbig, Potsdam und Protzdam sitzen am Abend dicht beieinander am Tresen. Die Bar Olga, zahlreiche Cocktailbars, Hotels und Restaurants zeigen, dass Potsdam auch bezahlbar sein kann.

Im „urban paradise“, dem Freiland, treffen sich Studenten, Künstler, Fridays-for-Future-Aktivisten, Kohlegegner und andere Potsdamer. An den diversen Gebäuden auf dem ehemaligen Fabrikgelände findest du Street-Art für einen Instagram-Snapshot.

Graffiti im Kulturzentrum Freiland in Potsdam.
Graffiti im Kulturzentrum Freiland in Potsdam. Foto: imago images/Steinach

Regelmäßig locken Upcycle-Workshops, Lesungen, Vorträge, Jamsessions (im Bigloud Jamclub) und Partys (Spartacus Club). Für Bier und einen Snack zur Stärkung wird gesorgt. In einem alten Bürogebäude aus den 1970ern trifft sich das kreative Potsdam – und lädt regelmäßig zu Kunstvorstellungen, Vorträgen, Lesungen, Musik- und Filmabenden sowie Ausstellungen. So kulturverwöhnt wie die Potsdamer sind wohl nur wenige in Deutschland.

Nachtleben in Potsdam: Gehobene Barkultur, aber kaum Clubs

Potsdam ist ein Mekka der Cocktail-Liebhaber und Chiller, gehobene Barkultur und Shisha-Bars machen die Havelstadt gemütlich. Es locken Karaokebars, Konzerte in alten Fabriken, zum Beispiel im Waschhaus in der Schiffbauergasse. Und es gibt eine kleine LGBT-Szene, im La Leander und in der Unscheinbar trifft sich das queere Potsdam, auch wenn man es nicht gleich vermutet.

Und irgendwo auf der Brandenburger Straße in einem schicken Herrenhaus treffen sich Headbanger und Metalfans. Viele blieben zu Hause oder würden lieber nach Berlin fahren, klagte jüngst ein Betreiber über das spärliche Nachtleben. Aber auch wenn es an guten Technokellern und Drum-’n’-Base-Schuppen fehlt, schlenderst du in der Potsdamer Nacht durch stuckverzierte Flure und Innenhöfe an die Bar oder blickst bei einer Flasche Wein am Mühlenberg von oben auf die Kurfürstenstadt hinunter.

Potsdam: Anreise und Mobilität

Potsdam ist leicht zu erreichen, die S-Bahn fährt rund um die Uhr nach Berlin – aber auch der Regionalexpress bringt dich zurück in die Hauptstadt. In der Potsdamer City wartet die volle Bandbreite von öffentlichen Verkehrsmitteln auf dich. Fahrrad, Wassertaxi, Straßenbahn oder doch der E-Scooter? Autofahrer aufgepasst, Parkplätze in der Innenstadt sind rar – und das Ordnungsamt ist großzügig mit Strafzetteln.

Übernachten in Potsdam

Es gibt zwar etwa 6000 Hotelzimmer, aber ein Besucherrekord jagt den nächsten – deswegen kann die Übernachtung in Potsdam einiges kosten. Mit etwas Glück und etwas Vorlauf findest du ein Schnäppchen in den Viersternehotels rund um den grauen Betonklotz Mercure mit seiner schicken Panoramabar.

Von dort oben hast du den besten Blick der Stadt. Es stehen aber auch bezahlbare Doppelzimmer, Designer-Wohnungen im Holländerviertel und eine Bootskajüte zur Miete. Auch wenn Potsdam an günstigen Hostels geizt, gibt es einen Ausweg aus der Konsumfalle. Kostenlos schläfst du bei den 3.500 Potsdamer Couchsurfing-Hosts. So viele gibt es in keiner anderen Stadt in Brandenburg.

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