Er ist der größte auf dem Festland befindliche Nationalpark Deutschlands – der Müritz-Nationalpark mit der Mecklenburgischen Seenplatte. Wer gern auf dem flachen Land wandert oder Fahrradtouren rund um die Seen unternimmt, kennt ihn vielleicht, doch die wenigsten wissen, dass sie dort auch mit Rangern auf Safari gehen können, um wilde Tiere und Vögel aus der Nähe zu beobachten.

Safari an der Mecklenburgischen Seenplatte: Die Natur als Boss

Sie haben so lange Beine, dass manches Model neidisch werden könnte, graues Gefieder, eine rote Kappe und gleiten zu Dutzenden über die Wälder des Müritz-Nationalparks: Kraniche. Die griechische Mythologie sieht sie als „Vögel des Glücks“, die Chinesen und Japaner halten sie für ein Symbol eines langen Lebens.

Kraniche sind (nicht nur) für Vogelbeobachter einer der natürlichen Höhepunkte im Nationalpark.

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Das interessiert Ranger Ronald Gipp, 54, in der Region aufgewachsen, wenig, aber er kennt sich mit den Müritzer Vögeln aus: „Zu den heimischen Kranichen kommen ab August bis Mitte oder Ende Oktober noch mehr aus dem Norden, bevor es weiter nach Afrika geht“, erzählt er. Doch Kraniche sind nicht die einzigen Bewohner oder Gäste des Nationalparks, die du erspähen kannst – ebenso häufig lassen sich Eisvögel, Fisch- und Seeadler, Damwild, Füchse und Waschbären blicken.

„Waschbären sind Neubürger bei uns, werden aber genauso geschützt wie andere Tiere. Wir lassen hier Natur Natur sein, ganz wertfrei.“ Laut Gipp durchlebe auch der Wald einen Erneuerungsprozess, das heißt, Birken, die man früher für Unkraut hielt, würden nicht mehr abgeholzt, neue Eichen entstünden dank der Eichelhäher, und schon bald würden auch wieder mehr Buchen heranwachsen.

Ronald Gipp (54) führt als Ranger Safari-Teilnehmer durch den Nationalpark.

Die Natur im Müritz-Nationalpark ist Boss über 322 Quadratkilometer, davon 72 Prozent Wald und 13 Prozent Seen. Schon Kinder und Jugendliche aus der Region sollen sich für die Natur engagieren, beispielsweise als Junior-Ranger, aber auch du kannst dich über Aktionstage informieren und mitmachen, wie bei der Pflege der Wacholderheide.

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Tief hinein in den „Urwald“

Richtig spannend wird es ab 18 Uhr, denn dann schwingt sich Gipps Kollegin Birgit Zahn vom Informationszentrum Federow auf den Sattel und radelt mit Besuchern tief hinein in die Wälder, wo die Tiere nach pünktlich deutscher Zeit mit dem Abendessen beginnen.

Mit dem Rad kannst du entspannt durchs Flachland cruisen.

Eine Vorschau, was es bei dieser Abend-Safari zu sehen gibt, bekommst du im Informationszentrum selbst, denn dort spielt schon seit 1999 Fischadler-Big-Brother: Eine mit Solarmodulen betriebene Kamera überträgt live aus dem Fischadlerhorst auf einem Strommast am Janker See. Im Nest sitzen zwei Fischadlerbabys, die wir kurz darauf durchs Fernglas sehen. „Wichtig ist, mindestens 300 Meter Abstand zu den Nestern zu halten, sonst räumen die Fischadler sie“, warnt Zahn.

Mittlerweile sind die Vögel große Fans von „stählernen Bäumen“, also Hochspannungsmasten, geworden – aber nur, weil es nicht mehr genug frei stehende Bäume gibt, die sie zum Nisten bevorzugen. Immerhin hat ein Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden, denn bis in die 60er-Jahre seien die Nester laut Zahn oft von den Masten entfernt worden. Heute bringt man dagegen Nisthilfen darauf an, damit sie noch mehr Fischadler zum Nisten nutzen.

Tierbeobachtung am Wasserloch

Auf den Warener Hauswiesen grasen Hirsche und Kraniche Seite an Seite, und dann ist der Vogelbeobachtungsstand am Rederangsee erreicht – ein Lieblingsspot der Kraniche. Wie bei einer Cocktailparty sammeln sich dort Dutzende der Vögel im Wasser und schwatzen durcheinander.

Aussicht vom Vogelaussichtspunkt in der Abendsonne.

Die Zeit vergisst du ganz schnell, während du immer mehr Kraniche heranschweben siehst und einen Eisvogel, der mit Formel-1-Geschwindigkeit übers Wasser jagt. Und zum großen Finale spaziert eine Herde Rotwild aus dem Wald, hüpft hinter den Vögeln in den See und planscht fröhlich mehrere Minuten lang.

Kann fast mit Sonnenuntergängen in Afrika mithalten: Abenddämmerung an der Müritz.

Die Kraniche zeigen sich ungerührt von den Störenfrieden, bis diese schließlich abziehen und das Wasser wieder still wird. Es ist, als würden die Vögel warten, bis sich die Kulisse hinter ihnen abendhimmelrot färbt. Vielleicht haben die Griechen recht, dass Kraniche Glück bringen, denn es ist ein großes Glück, bei solch einem Spektakel so nah dabei zu sein.

Diese Reise wurde organisiert vom Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte e.V. Über Auswahl und Inhalt entscheidet allein die Redaktion.