Nicht französisch, nicht deutsch, sondern elsässisch: Die urigste Region Frankreichs liegt im Elsass, wo sich französischer Charme mit deutschen Traditionen vermischt, Sauerkraut neben Entenleber auf dem Teller liegt und die deutsch-französische Freundschaft zum Alltag gehört.

Die meisten Touristen zieht es in das instagramtaugliche Colmar, dabei hat Elsass Hauptstadt Straßburg genauso viele fotogene Ecken. reisereporterin Jasmin hat acht Highlights für Hipster in Straßburg aufgespürt:

1. Durch La Petite France schlendern

Das malerische Altstadtviertel La Petite France ist das charmanteste Viertel Straßburgs. In den verwinkelten Gassen reihen sich Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert aneinander, dazwischen schlängelt sich der Fluss Ill durch die Bilderbuchkulisse.

Hier findest du viele nette, kleine Restaurants und Cafés und tolle Geschäfte, die zum Stöbern einladen. Tagsüber und abends kann es in den Gastgärten richtig voll werden, am frühen Morgen bist du aber ganz allein, falls du das Licht der Morgensonne nutzen willst, um Fotos zu machen.

Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert säumen den Fluss Ill.

Fun-Fact: Was heute der schönste Fotospot ist, war früher der finsterste Teil der Stadt. Denn La Petite France war einst das Gerberviertel – und es roch penetrant mies, weil überall Häute und Felle hingen. Auch der Name hat einen unromantischen Hintergrund.

Weil im 16. Jahrhundert hier ein Krankenhaus war, in dem vorwiegend französische, an Syphilis erkrankte Soldaten behandelt wurden, bekam das Viertel den Namen „Klein Frankreich“. (Syphilis trat zwar in ganz Europa auf, aber zuerst bei den Franzosen, weshalb Syphilis als Franzosenkrankheit bezeichnet wurde.)

La Petite France ist zwar ziemlich touristisch, trotzdem lohnt der Bummel durch den Stadtteil.

Tipp: Auch wenn La Petite France sehr touristisch ist, lohnt es sich, in einem der vielen Cafés oder Restaurants haltzumachen, denn die Kulisse ist einfach top. Günstigen Kaffee bekommst du im Suspenders Coffeeshop (36 Rue du Bain aux Plantes). Ein tolles Restaurant mit großartiger Aussicht von der Terrasse (unbedingt reservieren!) ist das Au pont Saint Martin (15 Rue des Moulins).

2. Das Straßburger Münster erklimmen

Man war erst richtig in einer Stadt, wenn man sie von oben gesehen hat, heißt es oft, deshalb lohnt sich in Straßburg der Besuch des Liebfrauenmünsters, auf Französisch La Cathédrale Notre-Dame. Spannend: Das Liebfrauenmünster zählt zu den bedeutendsten Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte und zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Angeblich sieht man den Bau schon vom Schwarzwald aus!

Schau dir unbedingt die Schwalbennestorgel und die astronomische Uhr an. Doch Vorsicht: Wer unter Höhenangst leidet, könnte Probleme bekommen: Der Weg zur Turmplattform auf 66 Metern Höhe führt über eine enge Wendeltreppe. Oder du machst es wie Goethe: Der bestieg vor 250 Jahren mehr als einmal den damals höchsten Kirchturm der Welt – um in Eigentherapie seine Höhenangst zu überwinden. Zur Belohnung gibt es dann einen traumhaften Blick über Straßburg und das Elsass!

Place de la Cathédrale | täglich von 9.30 bis 11.15 Uhr und von 14 bis 17.45 Uhr, Turmplattform täglich von 9.30 bis 20 Uhr | Eintritt frei; der Zugang zum Turm kostet 5 Euro

In 66 Metern Höhe kannst du vom Turm des Straßburger Münster aus die Stadt überblicken.

Danach solltest du dir auch den Place de la Cathédrale genauer anschauen. Hier entdeckst du zahlreiche, teilweise vier- bis fünfgeschossige Fachwerkhäuser. Mach unbedingt an der Nordseite halt, wo das Haus Hammerzell steht. Das wurde 1427 errichtet und gilt als eines der schönsten Fachwerkhäuser der deutschen Spätgotik. Auch auf dem Place de la Cathédrale gilt: Nur am frühen Morgen findest du den Platz menschenleer vor.

Tipp: Vor dem Liebfrauenmünster starten die kostenlosen Stadtführungen von Happy Straßburg, Montag bis Freitag je um 11 und um 14.30 Uhr, Samstag und Sonntag je um 11, 14.30 und 17 Uhr. 

3. Auf dem Place du Marché-Gayot chillen

Als Insider-Tipp und Gegenstück zum trubeligen Place de la Cathédrale gilt der Place du Marché-Gayot, der an der Rückseite des Münsters liegt. In einem großen Innenhof, der von Fachwerkhäuser umrandet ist, findest du einen der stimmungsvollsten Plätze von ganz Straßburg.

Hinter dem Münster liegt der Place du Marché-Gayot, der perfekte Ort zum Verweilen.

Mehrere Freiluft-Restaurants und Bars reihen sich aneinander, sodass in der warmen Jahreszeit die vielen Sessel und Tische der Gastgärten fast nahtlos ineinander übergehen. Touristen kommen eher selten hierher, dafür viele der lokalen Studenten, denn es gibt in Straßburg drei Unis. Egal, ob du zum Frühstücken, zum Lunch oder zum Feiern kommst: Hier spürst du das Flair der Stadt abseits der Touristenmassen. Ein nettes Restaurant ist beispielsweise das La Table du Gayot (8 Place du Marché-Gayot), ein cooles L’Alchimiste (3 Rue des Sœurs).

Tipp: Du kannst am Place du Marché-Gayot auch shoppen! Bei Yellow Mellow (22 Rue des Frères) gibt’s lässigen Kleinkram und Accessoires!

4. Eine Bootstour auf der Ill machen

Eine Stadt, die am Wasser liegt, muss man auch vom Wasser aus sehen. In Straßburg führt deshalb kein Weg an deiner Bootsfahrt auf der Ill vorbei. Zu Wasser zeigt sich die Stadt nämlich noch einmal von einer ganz anderen Seite. Also schnapp dir einen Coffee to go und ab an Bord! In 70 Minuten schipperst du durch Straßburg und kannst auch abchecken, welche Teile der Stadt du danach genauer unter die Lupe nehmen möchtest – egal ob die deutsch geprägte Neustadt oder das aufstrebende Europaviertel.

Tipp: Beim Audio-Guide auf den Kanal gehen, der die Tour auf Elsässisch präsentiert, und testen, was du verstehst.

Auf der Ill kannst du Straßburg vom Wasser aus entdecken.

Batorama | Start an der Anlegestelle zwischen Rohan-Palast und Alter Fleischerei | bis zu acht Bootstouren am Tag | 13,50 Euro pro Person

5. Die Märkte in Straßburg erkunden

Keine Frage, in Straßburg ist die Shopping-Auswahl groß – von gängigen Labels bis hin zu kleinen Boutiquen ist alles dabei. Die ehrlichste Seite der Stadt lernst du aber kennen, wenn du die verschiedenen Märkte besuchst. Da findest du nicht nur das ein oder andere Schnäppchen, sondern kannst auch in die Food-Szene des Elsass eintauchen.

Himmlische Eclairs: In Straßburg ist die Auswahl an süßen Sünden fast unerschöpflich.

Auf dem Place Broglie (Mittwoch und Freitag von 7 bis 18 Uhr) in der Altstadt findest du Lebensmitteln, aber auch Kleidung. Zwischen dem Place de l’Étal und dem Place de la Grande Boucherie findet ein kleiner Flohmarkt (Mittwoch und Samstag von 7 bis 16 Uhr) statt, auf dem Place Kléber ein Büchermarkt (Dienstag, Mittwoch und Samstag von 9 bis 18 Uhr), auf dem Place du Marché aux Poissons ein Bauernmarkt (Samstag von 7 bis 13 Uhr). Und auf dem Marché de l’Esplanade am Boulevard de la Marne (Dienstag und Samstag von 7 bis 13 Uhr) findet ein großer Markt für Lebensmittel, Klamotten und mehr statt.

Tipp: Etwas außerhalb der Stadt liegt ein Insidertipp in Sachen Märkte: Bei Maraîcher Andrès, dem Bauernhof Andres, gibt es saisonales Gemüse, Pilze, Eier, Gewürze, Konfitüre, Milch, Milchprodukte, Honig, Gewürzbrot, Wurstwaren und Fleisch. Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr, Samstag nur bis 16 Uhr.

6. Die Foodie-Highlights in Straßburg kosten

Apropos Essen: Natürlich gibt es viele lokale Spezialitäten, die du unbedingt kosten musst, auch abseits vom Klassiker Flammkuchen. Der schmeckt übrigens überall großartig, ein guter Tipp ist aber in jedem Fall das Le Gambrinus (1 Rue des Jardins), wo es auch vegetarische Varianten gibt. Über den französischen Exportschlager Foie gras scheiden sich die Geister, spannend ist aber das, was im Elsass als Beilage serviert wird. Denn die Foie gras kommt mit Sauerkrautmarmelade und Kougelhopf (gibt es im Elsass auch in einer pikanten Variante mit Käse und Speck) beziehungsweise Lebkuchen auf den Tisch, zum Beispiel in der Winstub Finkstuebel (26 Rue Finkwiller).

Was schräg klingt, schmeckt aber gut: Das Sauerkraut wird ganz fein geschnitten und dann wie eine Konfitüre zubereitet, sodass das Ergebnis eine süß-saure Kreation ist. Lebkuchen gibt es im Elsass ohnehin das ganze Jahr über. Die besten findest du bei Mireille Oster (14 Rue des Dentelles), deren Motto bei der Lebkuchenherstellung lautet: „Es braucht Mehl, Honig, Gewürze, Butter und – Liebe.“

Die würzig süßen Pain d’Épices schmecken besonders gut im Mireille Oster.

Fun-Fact: Darüber, wer den Kougelhopf erfunden hat, streiten die Elsässer mit den Österreichern. Während eine Elsässer Legende besagt, dass die Heiligen Drei Könige auf ihrem Rückweg von Bethlehem das Elsass bereist und ihren Gastgebern einen Kuchen in der Form ihres Turbans überreicht hätten – eben einen Kougelhopf –, bestehen die Österreicher darauf, dass es Marie Antoinette war, die Erzherzogin von Österreich und Königin von Frankreich, die den Gugelhupf an den Hof von Versailles gebracht haben soll. Doch egal, wer recht hat: Die Elsässer Variante des Gugelhupfs schmeckt – vor allem in der pikanten Variante mit Käse und Speck.

Tipp: Buche eine Food-Tour und begib dich auf einen Kulinarik-Rundgang, bei dem du alles über die Besonderheiten der elsässischen Küche lernst, zum Beispiel über Straßburg Foodtours mit sechs Stopps und zehn verschiedenen Tastings (Kosten: circa 79 Euro pro Person).

7. Die vegane Szene austesten

Die vegane Szene boomt in Straßburg. Immer mehr auf pflanzlicher Küche basierende Lokale eröffnen, außerdem stehen auf vielen Speisekarten der Stadt vegetarische und vegane Alternativen. Das perfekte Burgerlokal und ein absoluter Hipstertreff in Straßburg ist das Vélicious Burger, wo es nur vegane Burger gibt. In der Pizz’Arome (15 Rue de la Croix) schmaust du viele vegetarische und vegane Pizzasorten, im Harmonie Bowl & Juice (5 Rue Saint-Étienne) großartige Bowls.

Vegan schnabulieren kannst du in Straßburg unter anderem im Harmonie Bowl & Juice.

Tipp: Das Bistrot et Chocolat (8 Rue de la Râpe) ist ein süßes, vegerarisches Bistro, in dem du leckere Desserts und guten Kaffee kosten kannst.

8. Durch die Hipster-Lokale ziehen

Abseits der typischen Lokale hat Straßburg jede Menge alternativer Hot-Spots zu bieten, allen voran viele Hipster-Treffs mit einem individuellen Stempel. Im Le Shadok (25 presqu’ile André Malraux) treffen sich beispielsweise die Kreativen der Digitalkultur, die Popartiserie (3 Rue de l’Ail) ist eine auf Street-Art und Pop-Art spezialisierte Kunstgalerie mit sehr coolem Café und kostenlosen Veranstaltungen, und die Graffateria (8 Petite Rue de la Course) ist Repair-Café und Afterwork-Treff mit Konzerten und Spieleabenden in einem.

Spannend ist auch das Konzept von Agorae (1 Place d’Athènes): Studenten gründeten diesen sozialen und solidarischen Lebensmittelladen, wo man günstig Lebensmittel einkaufen kann und bedürftige Studierende Soforthilfe erhalten. Darüber hinaus versteht sich das Agorae als Ort der Begegnung, wo junge Leute sich treffen, die Interesse an gesunder Ernährung und verantwortlichem Konsum haben.