Lost Places: Die schönsten verlassenen Orte in Europa | reisereporter

Lost Places: Die schönsten verlassenen Orte in Europa

Eine versunkene Kirche, ein verfallenes Schloss und gespenstisch leere Freizeitparks – in ganz Europa gibt es viele vergessene Orte, die sich die Natur langsam zurückerobert. Schaurig-schöne Reiseziele.

Kirchturm der ehemaligen Pfarrkirche Sankt Katharina von Graun im Reschensee, Vinschgau, Südtirol.
Aus dem Reschensee in Südtirol ragt ein alter Kirchturm – wohl einer der skurrilsten Lost Places in Europa.

Foto: imago images/alimdi

1. Tunnel of Love, Klewan (Ukraine)

Der natürliche Tunnel aus Bäumen sieht fast so aus wie eine verwunschene Film-Location à la „Game of Thrones“. Die Bahngleise liegen vor der ukrainischen Stadt Klewan und sind ein beliebtes Ziel für Spaziergänger. Den Namen verdankt der Tunnel einem lokalen Mythos: Er besagt, dass Paaren, die den Liebestunnel besuchen, ein Wunsch erfüllt wird – wenn sie aufrichtige Absichten haben. 

Trotzdem solltest du beim Spazierengehen aufpassen, so ganz verlassen sind die Schienen nämlich nicht: Dreimal täglich bringt ein Güterzug Holz zu einer nahe gelegenen Fabrik. Komplett zugewucherte Zuggleise findest du im drei Stunden entfernten Lwiw (Lemberg).

Dort ziehen sich stillgelegte Bahnstrecken um und durch durch den Znesinnia-Park wie Adern. Wer daran entlangwandern will, kann sich „Atlas Obscura“ zufolge an Google Maps halten – dort sind die Gleise als graue Linien markiert.

2. Hof der verlorenen Spielsachen, Lwiw (Ukraine)

Wenn du schon in Lwiw bist, darf ein anderer skurriler Ort nicht fehlen: Der Hinterhof der verlorenen Spielsachen. Denn ein eigentlich unspektakulärer Hof hat sich in ein schauriges Mausoleum für Plüschtiere, Puppen und anderes Spielzeug verwandelt, dass Kinder verloren und vergessen haben.

Der Anblick all der Dinge, die Kindern mal großen Spaß gemacht haben und längst nicht mehr von ihnen beachtet werden, ist ziemlich gruselig: 

Hinterhof der verlorenen Kuscheltiere in Lwiw, Ukraine.
Der kuriose Hinterhof in Lwiw wirkt wie ein verwittertes Freiluft-Kinderzimmer. Foto: imago images / Sabine Gudath
Den Grundstein für die Sammlung legte ein Bewohner der umliegenden Mehrfamilienhäuser. Nachdem er zwei verlorene Spielzeuge gefunden hatte, legte er sie unter ein kleines Dach im Hinterhof, falls die Besitzer zurückkämen und sie abholten. Das passierte aber nie, stattdessen brachten immer mehr Menschen gefundene Spielsachen in den Hof. 

3. Spreepark, Berlin

Wenn die Rede von Lost Places in Deutschland ist, kommt vielen schnell der Spreepark in Berlin in den Sinn. Zu DDR-Zeiten war der Freizeitpark ein beliebtes Ausflugsziel im Plänterwald. Heute stehen nur noch vereinzelte Attraktionen, die langsam verrotten und überwuchern.

Zum Teil sind die alten Gebäude, Riesenrad und Achterbahn einsturzgefährdet. Deshalb dürfen Besucher den Park nur im Rahmen von geführten Touren zwischen April und November erkunden. 

Das 45 Meter hohe Riesenrad im Spreepark Berlin, dem ehemaligen DDR-Kulturpark Plänterwald in Berlin-Treptow.
Durch den Spreepark in Berlin-Treptow finden Führungen statt. Foto: imago images / Volker Hohlfeld
Übrigens gibt es schon seit Längerem Pläne, die Anlage wieder mit neuem Leben zu füllen. Allerdings soll sie nicht als Freizeitpark wiedereröffnet werden, sondern eine Stätte für Kunst, Kultur und Natur werden. 

4. Freizeitpark, Prypjat (Ukraine)

Ein ebenso bekanntes Urban-Exploration-Ziel: die Stadt Prypjat, die nach dem Reaktorunglück im Atomkraftwerk Tschernobyl 1988 evakuiert wurde und seitdem verlassen ist. Seit 2011 ist die Geisterstadt für Besucher zugänglich. Spätestens seit der HBO-Serie „Chernobyl“ boomt der Tourismus in dem verstrahlten Gebiet. Aber auch zuvor war die Stadt ein beliebtes Ziel für Fans des Dark Tourism.

Einer der gruseligsten Orte in der einstigen 50.000-Einwohner-Stadt: der verlassene Freizeitpark, in dem Riesenrad, Autoskooter und Co. seit mehr als 30 Jahren stillstehen. 

Besucherin fotografiert ein Riesenrad im verlassenen Freitzeitpark von Pripyat.
Seit dem Tschernobyl-Unglück stehen die Fahrgeschäfte im Freizeitpark von Pripyat still. Foto: imago images/ZUMA Press/Serg Glovny

5. Old Red Iron Bridge, Waterford (Irland)

1906 war sie die längste Brücke in Irland – jetzt fristet die Old Red Iron Bridge in der Stadt Waterford ein rostiges Dasein. Zwischen den Schienen, die einst Züge über den Fluss Suir trugen, sprießt heute Unkraut.

Stattdessen läuft der Verkehr seit 1995 über die neue River Suir Bridge. Den Namen „alte, rote Eisenbrücke“ haben der Brücke die Einwohner von Waterford verpasst, seitdem die silberne Farbe abblättert und Rostnarben auf dem Konstrukt blühen. 

6. Bockaby-Übungsgelände für Stadtkampf, Borås, Schweden

Um Soldaten auf Kriegssituationen in Städten vorzubereiten, gibt es vielerorts Übungsgelände, in denen Kämpfe simuliert und trainiert werden. Genau so eines liegt im schwedischen Borås: Alte Wellblech- und Backsteingebäude und Tunnel verwandeln Bockaby in ein kurioses Geisterdorf, in dem nie jemand gelebt hat. 

Dafür eignen sich jetzt Paintball- und Airsoft-Spieler das Grundstück an. Für sie ist der Lost Place ein idealer Spielplatz. 

7. Edmund-Szyc-Stadion, Posen (Polen)

Auf den ersten Blick ist das Edmund-Szyc-Stadion im polnischen Posen einfach ein verlassenes Fußballstadion. Doch die zugewucherte Fläche verbirgt eine dunkle Geschichte. 1929 wurde das Stadion eröffnet. Doch noch während der Feier wurden die versammelten Würdenträger und Besucher vom Gelände gescheucht: Das Gewicht der Massen ließ die Tribüne bröckeln, das Stadion wurde evakuiert. Als unsicher abgestempelt, stand das Stadion für neun weitere Jahre leer. 

Mit dem Einmarsch der Nazis verschoben sich die Pläne für den Neubau des Stadions weiter. Die deutschen Streitkräfte nutzten die Fläche zudem als Arbeitslager für die jüdischen Einwohner von Posen. Nördlich des Stadions erinnert deshalb noch heute ein kleiner Gedenkstein an das Leid der Juden, berichtet „Atlas Obscura“. 

8. Kirchturm von Alt-Graun, Reschsee (Italien)

Am Grund des Reschensees liegt eine versunkene Stadt. Nichts würde darauf hindeuten – wäre da nicht der Kirchturm der ehemaligen Pfarrkirche Sankt Katharina, der aus dem Wasser ragt. Denn dort, wo heute auf einer Fläche von 677 Hektar blaues Wasser funkelt, lebten einst rund 150 Familien.

1950 wurde das Dorf Alt-Graun allerdings überflutet, 163 Häuser wurden dabei zerstört. Schuld daran: das Bauprojekt eines Staudamms, bei dem der Reschen- und der Grauner See um 22 Meter gestaut werden sollten. 

9. Haludovo Palace Hotel, Krk (Kroatien)

Bei seiner Eröffnung 1971 galt das Haludovo Palace Hotel in Krk als eine der luxuriösesten Unterkünfte im damaligen Jugoslawien. Heute lässt sich das nur erahnen: Direkt am Strand bröckelt das kommunistische Bauwerk langsam vor sich hin. Im Pool drückt sich Unkraut durch die Fugen, überall liegt Schutt. Von mondänem Flair keine Spur mehr. 

Als in den 1990er-Jahren in Jugoslawien mehrere Kriege brodelten, ebbte die Beliebtheit als Reiseziel ziemlich schnell ab. Seitdem liegt das Gelände brach und erinnert mit seinem asymmetrischen Layout an eine Location wie aus einem Sci-Fi-Film.

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