Es ist unbestritten, dass der Klimawandel zu den größten Herausforderungen der Menschheit gehört. Die Auswirkungen scheinen uns in Europa oft so fern – dabei zeigen Überflutungen wie zuletzt in Venedig, dass dem nicht so ist. Alarmierend ist eine Übersichtskarte der US-NGO „Climate Central“.

Auf dieser wird interaktiv dargestellt, welche Regionen bis 2050 beziehungsweise 2100 vom Meer verschluckt werden. Grund dafür sollen der steigende Meeresspiegel und häufigere Wetterextreme, wie Überschwemmungen, sein. Der Bericht sorgt für Aufsehen, da die Auswirkungen noch viel verheerender sein könnten als bislang angenommen.

Deutschlands Hafenstädte und Inseln könnten bald unter Wasser stehen

Küstengebiete in Europa könnten anhand der Auswertung von 51 Millionen Datensätzen von der Landkarte verschwinden – auch direkt vor unserer Haustür. Angefangen bei der Nordseeküste Dänemarks über Hamburg und Bremen bis nach Amsterdam und entlang der holländischen Nordseeküste bis zur französischen Grenze.

Auf dem Kartenausschnitt werden dir in roter Farbe die bedrohten Regionen angezeigt. Für Nordeuropa, Teile Italiens, aber auch in Osteuropa ist der steigende Meeresspiegel ein Risiko.

Von Wasser umschlossen sind die Insel Großbritannien, Teile von England sind ebenfalls rot markiert. Und auch Südeuropa, im Speziellen um Venedig, könnte bis 2100 nicht mehr existieren. Und damit auch kultururell und historisch wertvolle Sehenswürdigkeiten.

Düstere Prognose: Klimawandel zerstört Urlaubsparadiese in Asien

Die NGO malt ein düsteres Bild: Viele Orte, teilweise sogar ganze Länder könnten, verstärkt durch das Abschmelzen des Festlandeises in der Antarktis und auf Grönland, nicht mehr bewohnbar sein. In Asien, wo weite Teile bereits jetzt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen, würde sich das Leben von etwa 300 Millionen Menschen drastisch ändern.

Weltweit würden bis 2100 etwa 630 Millionen Menschen durch den vom Klimawandel bedingten Meeresanstieg gefährdet sein, berichtet das „RND“.

Beliebte exotische Ziele, wie die Küstenregionen von Thailand und Vietnam oder aber die Mega-Metropole Shanghai könnten dann ein zweites Atlantis werden, ebenso das Inselparadies Seychellen sowie die Karibik.

Der Süden Vietnams, die Hauptstadtregion von Thailand und etliche andere Feuchtgebiete sind vom Klimawandel bedroht. Bis 2100 könnten sie ganz verschwinden.

Die Forscher der NGO haben das Worst-Case-Szenario von einem Meeresspiegelanstieg von 2,40 Metern mit starken Schmelzwasserabflüssen in der Antarktis angenommen und anstelle der Radarbilder der Nasa eine Lasermessung an Bord von Flugzeugen herangezogen. Die präzisere Messung soll künftig Häuser, Bäume, Bodenbeschaffenheit und Küstenhöhe realistischer einschätzen.

Forscher kritisieren den Bericht der US-NGO

Ja – die Analyse ist aufrüttelnd und verdeutlicht, dass, insofern nichts an der aktuellen durch den Menschen verursachten Klimabelastung geändert wird, viele Länder und damit einzigartige Ökosysteme dem Untergang geweiht sind. Aber: Für die drastische Darstellung hagelt es auch Kritik.

Viele Medien machen mit „Horror“-Schlagzeilen auf, dennoch müsse das Ergebnis differenziert gesehen werden. Professor Athanasios Vafeidis von der Uni Kiel fordert Zurückhaltung, wie der „Deutschlandfunk“ berichtet. Er lobe zwar das verbesserte Messmodell der US-Forscher, allerdings wurde es nur an bestimmten Küstensabschnitten in den USA und Australien getestet. Ob die Berechnungen also auch für andere Gebiete, beispielsweise bei Mangrovenwäldern, gültig seien, sei ihm zufolge nicht sicher.

Weiter krisitiert wurde, so berichtet die „Tagesschau“, dass keine künstlichen Küstenabwehrmaßnahmen wie Deiche berücksichtigt wurden, die verheerende Überschwemmungen bereits jetzt oder aber zukünftig verhindern sollen. Dessen seien sich die US-Forscher bewusst, sagen sie, die Karte sei eher eine Bestandsaufnahme möglicher gefährdeter Orte.