Im überfüllten ICE mal wieder keinen Sitzplatz finden und ungemütlich zwischen dem Gepäck auf dem Gang sitzen: Eine Situation, die viele Bahnreisende in Deutschland kennen – und jetzt auch Greta Thunberg. Während ihrer Reise von der Klimakonferenz in Madrid zurück nach Schweden nutzte sie einen Zug der Deutschen Bahn. Ein Foto zeigt sie, wie sie auf dem Boden eines ICE neben mehreren Gepäckstücken sitzt. Allerdings soll dieses Foto erst beim Aussteigen entstanden sein. Die Deutsche Bahn schreibt auf Twitter, Greta habe in der ersten Klasse gesessen.

„Reise in überfüllten Zügen durch Deutschland“, schreibt Greta zu dem Bild. „Und ich bin endlich auf dem Weg nach Hause.“ Die Feiertage möchte sie bei ihrer Familie in Schweden verbringen – und sich endlich eine Pause gönnen. 

Die vergangenen Monate war Greta Thunberg in vielen Ländern unterwegs, segelte unter anderem zweimal über den Atlantik und reiste sonst in Zügen umher. Aufgrund der hohen Treibhausgasemissionen von Flugzeugen verzichtet die junge Schwedin auf diese Art der Fortbewegung. 

Twitter-User lästern über die Deutsche Bahn

Für Twitter-Nutzer aus Deutschland bietet ihr Tweet nun die Steilvorlage für Lästereien über die Deutsche Bahn. „Willkommen in Deutschland, unser öffentlicher Personenverkehr ist ein Chaos“, schreibt einer. „Stell dich auf Verspätungen ein“, ein anderer. Besonders pessimistisch ist dieser Kommentar: „Ich denke, sie wird Weihnachten in einem Zug in Deutschland verbringen, sie haben massive Verspätungen, wenn sie nicht gleich komplett ausfallen…“

Foto von Greta im ICE gestellt?

Die Deutsche Bahn antwortete zunächst so auf den Tweet: 

Am Sonntagmittag hieß es dagegen in einem Post, Greta sei zwar mit dem ICE 74 unterwegs gewesen. Dieser fährt von Zürich nach Kiel. Die Mitarbeiter der Bahn würden sich zwar freuen, dass Greta die Eisenbahner im Kampf gegen den Klimawandel unterstütze, aber: 

Wurde die Situation also nur für ein Foto gestellt? Auch Mitreisende schrieben in den sozialen Medien, dass sie im selben Zug wie Greta gewesen sein und mitbekommen hätten, wie Greta mit ihrem Vater in der ersten Klasse umsorgt worden wäre. 

Schließlich meldete sich auch Greta in einem Tweet erneut zu Wort. Ihr Zug sei in Basel außer Betrieb genommen worden, weshalb sie in zwei verschiedenen Zügen auf dem Boden gesessen habe. Nach Göttigen habe sie einen Sitzplatz gehabt. „Das ist natürlich kein Problem, und das habe ich auch nie gesagt. Überfüllte Züge sind ein gutes Zeichen, denn das bedeutet, dass die Nachfrage nach Zugreisen groß ist.“

Zumindest in ihrer Heimat Schweden hat Greta Thurnberg mit ihrem Vorbild viele Menschen zum Umdenken bewegt. Dort sind Flugscham und Greta-Effekt zwei Neuzugänge im Wörterbuch. Bei einer Umfrage der Staatsbahn SJ kam heraus, dass immer mehr Schweden sich für Zug- statt Flugreisen entscheiden. Außerdem verbringen viele öfter ihren Urlaub im eigenen Land, um keine weiten Reisen zu unternehmen.