Tessin: Die 6 schönsten Orte in der italienischen Schweiz

Tessin: Die 6 schönsten Orte in der italienischen Schweiz

Der Kanton Tessin versprüht italienisches Flair statt Schweizer Gründlichkeit und lockt mit mondänen Städten genauso wie mit putzigen Dörfern. reisereporterin Jasmin hat die sechs schönsten Orte aufgespürt.

Blick über Locarno.
Den schönsten Blick über Locarno hast du, wenn du auf den heiligen Berg der „Madonna del Sasso Orselina“ fährst.

Foto: Jasmin Kreulitsch

1. Lugano

Lugano ist die bekannteste und auch die bevölkerungsreichste Stadt im Tessin. Rund 63.000 Menschen leben hier am Ufer des malerischen Luganer Sees. So wie man die Schweiz mit Käse verbindet, verbindet man Lugano mit Banken und Casinos. Und das aus gutem Grund: Lugano ist nach Zürich und Genf der drittgrößte Finanzplatz der Schweiz.

Doch auch wenn es hier vielerorts um Geld geht, ist Lugano eine malerische Stadt mit mediterranem Klima und einer hübschen Altstadt. An der Promenade reihen sich Traditionshotels aneinander, deren Bauweisen sich gegenseitig zu überbieten scheinen. Ein Spaziergang hier ist ein absolutes Muss. Auf dem Weg zur Innenstadt solltest du unbedingt beim neuen „Lugano Arte e Cultura“ (Piazza Bernardino Luini 6) haltmachen und dir das Museum anschauen.

Apropos anschauen: Augen auf nach den Schwänen, dem indirekten Wahrzeichen von Lugano. Die Stadt Zürich schenkte Lugano einst zwei Schwäne. Die vermehrten sich im Nu – und so spazieren heute zahlreiche Schwäne entlang der Promenade und lassen sich von Touristen füttern, anstatt auf dem Luganer See zu schwimmen. In der Altstadt kannst du übrigens alles gut zu Fuß erledigen und dich durch die Gassen treiben lassen.

Schwäne in Lugano.
Die Schwäne sind Luganos inoffizielles Wahrzeichen und lassen sich gern von Touristen füttern. Foto: Jasmin Kreulitsch

Am bekanntesten ist die Via Nassa. Hier reihen sich die Stores von Luxusmarken wie Cartier, Versace oder Hermès aneinander; auch der letzte Versace-Store, der eröffnet wurde, ehe Gianni Versace starb, ist hier. Aber keine Sorge: Es geht auch günstig in Lugano.

An der Piazza Dante gibt es viele Boutiquen, in denen die Preise niedriger sind und man das ein oder andere Schnäppchen machen kann. Eine kleine Auszeit vom Trubel nimmst du dir im Stadtpark, der gleichzeitig ein botanischer Garten ist: Hier wachsen neben Palmen auch Rosen, Azaleen, Magnolien und Kamelien.

Insider-Tipp: In dem Concept-Store „Mauri Concept“ gibt’s eine hippe Frisur, ein neues Coffeetable-Book und einen leckeren Lunch – und das alles gleichzeitig.

„Mauri Concept“ | Adresse: Via Gerolamo Vegezzi 4, 6900 Lugano | Öffnungszeiten: Montag 7 Uhr bis 18.30 Uhr, Dienstag und Mittwoch 7 Uhr bis 19 Uhr, Donnerstag und Freitag 7 Uhr bis 20 Uhr, Samstag 7.30 Uhr bis 19 Uhr, Sonntag 9 Uhr bis 17 Uhr

2. Locarno

Wem Lugano zu mondän und trubelig ist, dem wird Locarno gefallen. Die Stadt hat gerade mal 16.000 Einwohner und befindet sich auch am Wasser, allerdings am Lago Maggiore. Kommst du hier mit der Bahn oder dem Auto an, wirst du direkt merken, wie sich das Klima verändert. Es ist merklich wärmer. Und je näher du Locarno kommst, desto mehr Palmen säumen das Seeufer.

Kein Wunder: Locarno gilt als nördlichster Ort mit einem mediterranen Klima. Die Altstadt ist klein und putzig und im Gegensatz zu Lugano weniger voll. Hier schlenderst du durch schmale Gassen, entlang pastellfarbener Häuser und historischer Arkaden. Falls du ein Foto mit vielen Palmen machen möchtest, solltest du zur Via delle Palme spazieren, die ihren Namen zu Recht trägt. In der sanft abfallenden Straße wachsen etliche Palmen.

Der kleine Ort Locarno am Lago Maggiore.
Der kleine Ort Locarno am Lago Maggiore. Foto: imago/Westend61

Den schönsten Blick über die Stadt und auf den Lago Maggiore hast du, wenn du hoch nach oben fährst. Mit der Stadtseilbahn geht es erst auf den heiligen Berg der Madonna del Sasso Orselina. Hier thront die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso auf einem schroffen Felsvorsprung.

Mit der nächsten Seilbahn geht es dann noch weiter, bis zur Bergstation Cardada auf 1.340 Metern Höhe. Auf einer Plattform kannst du hier auf die umliegenden Alpengipfel und bis nach Italien gucken.

Insider-Tipp: Essen in der Schweiz kann echt teuer sein, es gibt aber Ausnahmen. Bei „L’Archetto“ holen sich auch die Einheimischen eine knusprige Pizza to go.

„L’Archetto“ | Adresse: Via Marcacci 11, 6600 Locarno | Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11.30 Uhr bis 14 Uhr und 17 Uhr bis 20.30 Uhr, Sonntag geschlossen​

3. Ascona

Das Instagram-tauglichste Dorf im Tessin ist ganz klar Ascona. In einer kleinen, sonnenbeschienenen Bucht am Ufer des Lago Maggiore schaukeln bunt bemalte Boote vor Palmen – Bilderbuchkulisse pur. Deshalb wird Ascona auch gern als „Perle des Lago Maggiore“ bezeichnet.

Früher war Ascona lediglich ein kleines Fischerdorf. Doch als man merkte, wie gut das Klima hier ist, wurde aus dem Dorf ein beliebter Kurort. Im Sommer tummeln sich rund 25.000 Touristen am Ufer und in der Altstadt, dabei hat Ascona gerade mal 5.500 Einwohner.

Kleiner Hafen in Ascona.
Ascona war früher ein kleines Fischerdorf, heute wird es gern als „Perle des Lago Maggiore“ bezeichnet. Foto: Jasmin Kreulitsch

Vorsicht: Die Restaurants am Seeufer sind zwar alle toll, die Preise sind allerdings sehr hoch. Hier zahlen Gäste auch fürs Ambiente mit und legen für eine einfache Pizza Margherita gern mal 25 Schweizer Franken (circa 22 Euro) hin. Da lohnt es sich, um die Ecke zu gehen und in den Seitenstraßen nach einer günstigeren Alternative zu suchen. Oder ein paar Snacks zu kaufen (zum Beispiel bei „Alla Fattoria“, einer Art Hofladen in der Via Ferrera 87) und am Ufer auf einer Bank zu futtern.

Insider-Tipp: Die Shoppingpassage „Passaggio Gallerie della Carrà“ liegt versteckt in einem Innenhof. Hier gibt’s elf Shops und mehrere Restaurants.

„Passaggio Gallerie della Carrà“ | zwischen Carà dei Nasi und Contrada Maggiore, 6612 Ascona

4. Bré

Die schönsten Dörfer im Tessin liegen nicht nur am Seeufer, sondern auch auf dem Berg. Eines der außergewöhnlichsten thront auf 800 Metern Höhe auf dem Monte Bré. Das ist quasi der Hausberg von Lugano. Das Dorf ist klein: Bré hat gerade mal 300 Einwohner, es kommen aber viele Touristen – und das aus gutem Grund. Denn Bré ist bekannt als Künstlerdorf.

Hier leben viele Künstler und Kreative, die sich zusammengeschlossen und einen Rundweg angelegt haben, auf dem du ihre Werke bestaunen kannst. Weil das das kleine Bergdorf so besonders macht, wurde es in das „Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz“ aufgenommen.

Schmale Gasse in Bré.
Bré wurde auf einem Berg gebaut, deshalb führen die schmalen Gassen über Treppen bergauf und bergab. Foto: Jasmin Kreulitsch

Bré wurde auf den Berg gebaut, deshalb führen die schmalen Gassen über Treppen bergauf und bergab. Rund um das Dorf gibt es zudem viele Möglichkeiten zum Wandern. Tipp: Es gibt zwar Bus und Stadtseilbahn, die dich nach oben oder nach unten bringen, allerdings musst du den Fahrplan abchecken: Die Frequenzen sind nicht sehr hoch.

Das macht aber nichts, denn du kannst von hieraus auch problemlos ins nächste Dorf wandern. Nach Gandria dauert es beispielsweise eineinhalb Stunden – und von dort aus kann man das Schiff zurück nach Lugano nehmen.

Insider-Tipp: Zwar längst kein Geheimtipp mehr, aber definitiv das Restaurant mit der schönsten Aussichtsterrasse auf dem Monte Bré ist das „Ristorante Vetta Monte Bré“.

„Ristorante Vetta Monte Bré“ | Via alla Vetta, 6979 Brè Paese

5. Gandria

Kommst du in Gandria an, hast du sofort das Gefühl, eine Zeitreise gemacht zu haben. Das kleine Fischerdorf hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Hier spazierst du durch enge Gassen und über steile Stufen, denn Gandria wurde in einen Hang gebaut, bis ans Ufer des Luganer Sees. Falls du dich wunderst, dass du keine Autos siehst: Gandria ist komplett verkehrsfrei, was das Gefühl der Zeitreise noch verstärkt.

Gandria ist das letzte Schweizer Dorf vor der Grenze zu Italien. Die Berggipfel gegenüber sind schon auf italienischem Boden. In Gandria leben gerade mal 200 Menschen (Fun-Fact: Brigitte Nielsen lebte mehrere Jahre lang in Gandria), deshalb ist es hier auch ruhig und idyllisch. Allerdings legen hier auch viele Boote an, sodass es tagsüber auch mal voller werden kann.

Gandria am Ufer des Luganer Sees.
Gandria wurde in einen Hang gebaut, bis ans Ufer des Luganer Sees. Foto: Jasmin Kreulitsch

Bist du mit dem Auto unterwegs, solltest du also genau dann kommen, wenn die Schiffstouristen wieder weg sind. Gandria ist übrigens ein prima Ort, um zu essen: Obwohl das Dorf so klein ist, gibt es neun Restaurants. Besonders authentisch schmeckt’s im „Ristorante le bucce di Gandria“ (Via Cantonale), wo Pasta und Brot handgemacht sind.

Insider-Tipp: Bei deiner Tour durch die italienische Schweiz musst du unbedingt einen Tessiner Merlot bestellen. Der wird in der italienischen Schweiz als Weißwein gekeltert und gilt als Spezialität der Region.

„Ristorante le bucce di Gandria“ | Adresse: Via Cantonale, 6978 Lugano | Öffnungszeiten: Montag und Dienstag geschlossen, Mittwoch bis Sonntag 12 Uhr bis 14.30 Uhr und 19 Uhr bis 22 Uhr

6. Morcote

Eines der authentischsten Dörfer im Tessin ist Morcote, das gerade mal zehn Kilometer entfernt von Lugano liegt. Hier tauchst du im Nu in das echte Leben der Tessiner ein, vor allem, wenn du am frühen Morgen kommst. Dann teilst du dir Morcote nur mit ein paar Frühaufstehern und Möwen.

In den kleinen Cafés sitzen nur Einheimische, die sich zum Plaudern und zum Kaffeetrinken treffen. Mehr Lokalkolorit geht nicht. Zumal die Cafés und Restaurants am Seeufer unter malerischen Arkadengängen liegen und allein das Flanieren zwischen Wasser und Architekturwundern großartig ist.

Morcotes Cafés und Restaurants liegen am Seeufer unter malerischen Arkadengängen.
Morcotes Cafés und Restaurants liegen am Seeufer unter malerischen Arkadengängen. Foto: Jasmin Kreulitsch

Der Name Morcote bedeutet übrigens „am Ende des Berges“ und spielt auf die Lage des Dorfes an: Die Häuser liegen am Fuße des Monte Arbostora direkt am Luganer See. Weil dieser Anblick kaum zu übertreffen ist, wurde Morcote 2016 als das „schönste Dorf der Schweiz“ ausgezeichnet.

Aber auch hier brauchst du gute Schuhe, wenn du über steile Treppen das Dorf abläufst. Das lohnt sich aber: Über dem Dorf hast du den schönsten Ausblick auf den See von der Kirche Santa Maria del Sasso aus. Rund 400 Stufen führen von der Seepromenade zur Kirche.

Insider-Tipp: Nur ein paar Gehminuten vom Dorfkern entfernt liegt der „Parco Scherrer“ (Riva di Pilastri 20), eine Art botanischer Garten mit Kunstobjekten aus aller Welt – vom griechischen Tempel bis zum indischen Palast.

„Parco Scherrer“ | Adresse: Riva di Pilastri 20, 6922 Morcote | Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10 Uhr bis 18 Uhr

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