Lost Places in Deutschland: Verlassene Hotel-Ruinen | reisereporter

Verlassene Hotel-Ruinen: Gruselige Lost Places in Deutschland

Trubel und Glanz sind aus diesen fünf Hotels schon lange verschwunden. Anstelle von Urlaubern kommen nun Lost-Places-Fans, die die langsam verfallenen Ruinen und die bedrückende Stille fasziniert.

Ein rotes Sofa steht in einem verlassenen Gebäude.
Hotel-Ruinen, die dem Einsturz nahe sind – diese dunklen Orte ziehen Menschen aus aller Welt an. Eine morbide Reise durch Deutschlands Lost Places. (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Danny Muller

In Hotels ist rund um die Uhr was los: Gäste checken ein und aus, das Personal huscht über die Flure und versucht, den Urlaubern einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Alles andere als luxuriös-angenehm ist jedoch der Besuch in diesen Unterkünften.

Marodes Mauerwerk, schimmlige Möbel, brüchiges Gemäuer und Graffiti zeigen nicht mehr viel von der einstigen lebhaften Vergangenheit. Der reisereporter nimmt dich mit auf eine Zeitreise zu Lost Places: verlassene Hotels und Gasthöfe in Deutschland.

Im Westen Deutschlands: Gasthof „Zum Schimmelwirt“

Wenn der Name Programm ist. In der Szene wird das Hotelrestaurant „Zum Schimmelwirt“ genannt. Der Besuch ist wie das Wandeln zwischen zwei Welten: Manche Teile des Gasthofs scheinen lediglich in einem Dornröschenschlaf zu sein. Getränk an der Bar gefällig?

Erst vor zwei Jahren soll der Gasthof geschlossen haben. Wie konnte er so schnell verrotten? Grund soll ein Rohrbruch gewesen sein, bei dem mehrere Säle geflutet wurden. Den massiven Schaden erkennst du am grünen bis schwarzen Schimmel, der sich über die Wände der Essräume zieht.

Wo du dieses Kontrastprogramm bekommst? Lost-Places-Jäger halten den genauen Standort so gut es geht geheim, folgst du jedoch den Hinweisen im Netz, müsste der „Schimmelwirt“ irgendwo in der Umgebung von Solingen liegen. Einen Mundschutz solltest du auf jeden Fall einpacken.

Schwarzwald: Schlosshotel Waldlust

Das Schlosshotel Waldlust in Freudenstadt bei Stuttgart ist auf den ersten Blick kein klassischer Lost Place. Obwohl das Gebäude schon seit gut 14 Jahren leer steht, wirkt der helle Anstrich von außen noch relativ frisch. Und auch beim Betreten wirst du an die prachtvolle Historie erinnert.

In den 30er-Jahren war es ein edles Luxushotel, das von gut betuchten Gästen besucht wurde. Sogar Fürsten, Sultane und Könige sollen hier in Gesellschaft von internationalen Filmsternchen residiert haben. Ein Hauch vom royalen Flair spürst du zwischen Samtvorhängen, Mamorsäulen, kolossalen Möbeln und schweren Holztüren. Alles im Jugendstil.

Hörst du jedoch von den Mythen, die sich rund um das mehrstöckige Nobelhotel ranken, kommst du ins Schaudern. Wie der „Südkurier“ schreibt, soll die gute Seele des Hauses, Adele B., im Jahr 1949 ermordert worden sein. Nun soll ihr Geist sein Unwesen treiben, Mitarbeiter sollen von einem Fluch gesprochen haben. Vielleicht deswegen die Schließung?

Den Gruselfaktor nutzten bereits Filmemacher, das ZDF drehte hier den Schwarzwald-Krimi „Und tot bist du!“. Noch mehr tragische Geschichten wurden zu der Zeit des Zweiten Weltkriegs geschrieben, als das Schlosshotel zu einem Lazarett umfunktioniert wurde.

Oberhausen: Das „Horror-Hotel“

Das Hotel am Volksgarten ist nichts für schwache Nerven. Es steht an einer recht belebten Straße in Oberhausen, unweit eines Kindergartens – und es zählt zu den Klassikern bei Lost-Places-Jägern. Das „Horror-Hotel“ wird seit gut fünf Jahren sich selbst überlassen.

Warum der Name? Schon vor der Schließung soll das Hotel in Deutschland berühmt gewesen sein – allerdings für extrem schlechten Service, unfreundliches Personal und heruntergekommene Zimmer.

Nachdem es 2018 in dem Gebäude gebrannt hat, dürfen Menschen nicht mehr in das leer stehende Hotel. Also: Reinklettern verboten! Auf den Rundgang musst du nicht verzichten, schau dir das Video an:

Nach Recherchen der „WAZ“ könnte das Brand-Hotel jedoch schon bald einen neuen Anstrich bekommen. Ein Mann, der anonym bleiben möchte, soll den Lost Place im Jahr 2019 gekauft haben.

Thüringen: Hotel Fürstenhof Eisenach

Gedanklich kannst du dir in dem hohen Festsaal des Hotels Fürstenhof vorstellen, wie ausgelassen hier gefeiert worden sein muss. 1.800 Menschen passten in das glanzvolle Hotel, das sogar ein Casino beherbergte. Doch die trübe Gegenwart hat die goldenen 1920er-Jahre längst eingeholt.

Eine alte Aufnahme aus dem Festsaal des Kurhauses und Hotels.
Eine alte Aufnahme aus dem Festsaal des Kurhauses und Hotels. Foto: imago images/Arkivi
Die früher funkelnden Kronleuchter, die von der Decke hängen, haben ihren Glanz verloren, von den Wänden blättert die Farbe ab. Seit 1990 werden hier keine Gäste mehr empfangen und der protzige Bau verfällt. Vandalismus ist hier gang und gäbe.

Das sorgt in Eisenach für Diskussionen. Wie die „Thüringer Allgemeine“ berichtet, soll es erst in diesem Jahr eine Bürgeranfrage gegeben haben. Seit drei Jahren sollen keine erkennbaren Maßnahmen zum Schutze ergriffen worden sein, dabei wolle man das Hotel vor dem Abriss bewahren.

Harz: Hotel-Ruine Heinrich Heine

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Schierke im Harz als das „St. Moritz des Nordens“ betitelt – das ist längst passé. Heute ist der Ort ein Eldorado für Lost-Places-Fans. Verhangene Fensterläden, geschlossene Hotels und viel Tristesse – dabei tut das 1.000-Seelen-Dorf einiges, damit die Touristen länger bleiben.

Wer nicht in der brandneuen Eishalle oder in einem der urigen Bungalows schlafen möchte, den wird die Hotelruine Heinrich Heine magisch anziehen. „Das ‚Heine‘ ist ein Mythos gewesen“, sagt die ehemalige Hotelsekretärin Rosemarie Bahn in einem Bericht vom „MDR“.

Eröffnet wurde es 1900 als „Hotel Fürst zu Stolberg“. Wintersportler, Adlige und Wohlhabende kehrten hier gern ein.

Stehlampen, dunkles massives Holz: Im einstigen Fürstenhotel dominierte Gemütlichkeit. Genau richtig in den schneereichen und kalten Wintermonaten im Harz.
Stehlampen, dunkles massives Holz: Im einstigen Fürstenhotel dominierte Gemütlichkeit. Genau richtig in den schneereichen und kalten Wintermonaten im Harz. Foto: imago images/Arkivi
Sogar eine eigene Rodelbahn besaß das majestätische Luxushotel – bis der Zweite Weltkrieg der Erfolgsgeschichte ein Ende setzte. Wie viele andere Häuser wurde es zu einem Lazarett, in dem mehr als 130 Kinder geboren wurden. die „Heine-Kinder“, wie sie im Volksmund genannt werden.

Damit verlor das Hotel auch seinen Adelsnamen, aus Hotel Fürst zu Stolberg wurde dann Hotel Heine. Der einstige Luxus war seitdem nur noch eine Momentaufnahme, die in der damaligen DDR für 80 bis 120 DDR-Mark pro Nacht gebucht werden konnte. Die Wende besiegelte das Schicksal: Aufgrund der starken Konkurrenz im Westen folgte 1995 die endgültige Schließung.

Hinweis für Lost-Places-Fans

Grundsätzlich gilt in der Lost-Places-Szene das ungeschriebene Gesetz, niemals den genauen Standort zu verraten. In manchen Fällen haben die Schauplätze jedoch durch das Internet eine solche Prominenz erreicht, dass du unweigerlich auf die Adressen stößt.

Bitte recherchiere vorab genau die Umstände vor Ort. Vielen der aufgezählten Hotels droht der Einsturz – bring dich nicht unnötig in Gefahr. In manchen Fällen ist der Zutritt sogar strengstens verboten.

Solltest du nicht genug von dem morbiden Reisetrend haben, haben wir auf unserer Themenseite zu Lost Places eine Menge Stoff für dich.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren