„Demütigend“, „grenzüberschreitend“, „diskriminierend“ – so bezeichnet ein Schüler Rituale an der Flugschule der Lufthansa Group. Über entsprechende Begrüßungsbräuche berichtet das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“.

Der Mann lässt sich an der European Flight Academy in Bremen zum Lufthansa-Berufspiloten ausbilden. Er berichtet, dass er auf einer Bühne vor 150 Flugschüler-Kollegen „schmutzige Witze“ habe erzählen müssen und dabei Bierduschen abbekommen habe.

Wenn niemand im Publikum gelacht habe, dann sei „Keiner von uns!“ gebrüllt worden. Wenn alle amüsiert waren, soll es „Einer von uns!“ geheißen haben.

Lufthansa-Pilotenschüler berichtet von demütigenden Ritualen

Damit nicht genug: Ein selbst ernannter Drill-Sergeant habe ihm befohlen, Liegestütze zu machen und ihn durch Megafon-Rufe angetrieben. Wenn er nicht schnell genug war, sei er als „Schwuchtel“ beschimpft worden. Zudem hätte er Bier exen und danach sprinten und Kronkorken aufsammeln müssen.

Die Flugschulen der Lufthansa Group bilden seit dem Jahr 1995 Piloten aus, im Jahr 2017 wurden sie unter dem Dach der European Flight Academy zusammengefasst. Alle paar Monate starten neue Kurse – nach Angaben des Flugschülers sollen die Initiationsrituale für Neue in der Begrüßungswoche immer ähnlich ablaufen.

Das „SZ-Magazin“ berichtete zudem von T-Shirts für die Neuen, die „mit Penissen, Brüsten und derben Sprüchen“ bemalt gewesen seien.

Auch die „SZ“-Autorin selbst, so schreibt sie, habe eines der Rituale beobachtet. Dabei hätten Flugschüler in rosafarbenen und grünen Tutus Liegestütze machen und Kronkorken aufsammeln müssen. Ein Duell habe den Namen „Benedict Schwanz gegen den Penisschwitzer“ getragen: ein Tanz mit Striptease-Einlage.

Einer der Schüler soll bei einem besonders anstrengenden Spiel gar zusammengebrochen sein, er habe in die Notaufnahme gebracht werden müssen.

Lufthansa: Taskforce untersucht die Vorwürfe

Was ist dran an den Vorwürfen? „Wir nehmen die darin geschilderten Ereignisse sehr ernst“, so äußert sich eine Sprecherin von Deutschlands größter Airline auf Anfrage des reisereporters.

„Aktuell liegen uns jedoch noch keine gesicherten eigenen Informationen vor.“ Zur Klärung der Geschehnisse sei eine interne Taskforce gegründet worden, die gerade ihre Arbeit aufgenommen habe. Die Aufarbeitung sei in vollem Gang.