Weite, Einsamkeit, Naturerlebnis – das verbinden viele mit Norwegen. Wer das wirklich erleben möchte, der packt in der kalten Jahreszeit seine Koffer und bucht einen Trip zum Schneeschuhwandern.

Das Land der Fjorde lebt auf den Tourismus bezogen seit jeher von ziemlich klar abgegrenzten Saisonzeiten. Im Sommer kann es da auf Wanderrouten auch schon mal zu Gedränge kommen – sehr zum Leidwesen der Naturhungrigen, die am liebsten die Abgeschiedenheit der Landschaft ganz für sich erleben möchten. Im Winter jedoch waren die tiefen Schluchten zwischen den schönen Wanderwegen lange absolut menschenleer. Bis vor ein paar Jahren Touristiker auf die Idee des Winterwanderns kamen.

Auf dem Preikestolen gibt es im Winter viel Platz

Mit ansteckender Begeisterung berichtet Johannes Apon, niederländischstämmiger Wanderguide und Wahl-Norweger, von den schnellen Erfolgen des neuen Angebots. Mit ihm geht es von Stavanger aus hinauf zum berühmten Preikestolen am Lysefjord, den viele Skandinavien-Fans von unzähligen Fotos kennen: einem Felsvorsprung in 600 Metern Höhe, von dessen Kante aus es steil abwärts bis zur Wasserlinie geht.

Im Sommer tummeln sich so viele Menschen hier, dass man es schwer hat, ein Foto zu machen.

Johannes Apon, Wanderführer, über den Preikestolen

„Im Sommer tummeln sich so viele Menschen hier, dass man es schwer hat, ein Foto zu machen“, berichtet der Wanderguide.

Aber jetzt, in der kalten Jahreszeit, gibt es jede Menge Platz auf der begrenzten Plateaufläche. Die leicht verhangene Sonne spendet ein zartes Licht und animiert zu ausgiebigen Fotostudien der weiten Landschaft um diesen besonderen Ort herum.

Von der Bergstation der Standseilbahn auf den 320 Meter hohen Hausberg Fløyen aus sehen Reisende Bergen von oben.


Vier Stunden soll die Tour laut Hinweistafel dauern – wer so etwas nicht ständig macht, kommt dabei ganz schön ins Schwitzen. Auch bei einigen Minusgraden wird einem schnell von innen warm. Maßgeblichen Anteil an der inneren Heizung haben Sherpas aus dem Himalaya, dank dieser Experten in Sachen Hochgebirgswanderwege findet sich ein sehr gut ausgebauter, allerdings auch zuweilen ziemlich anspruchsvoll zu besteigender Pfad mit hohen Naturstufen aus trittsicher verankerten Granitblöcken.

Immer wieder verführen neue faszinierende Ausblicke zum Innehalten, Schauen, Verschnaufen. Schneeschuhe sind bei unserer Tour mangels Schnee nicht erforderlich, hätten das Wandern aber auch nicht gerade beschleunigt.

In Stavanger haben sich Street-Art-Künstler verewigt

Viel zu sehen gibt es auch in Stavanger – etwa bei einem Rundgang zum Thema Street Art mit Expertin Karen Worden („Ich bin eine Art Street-Art-Hunter“). Kleine versteckte Werke und unübersehbare bis aufdringliche Wandgemälde bilden einen roten Faden der besonderen Art, der sich durch das Stadtgebiet zieht.

Street-Art-Künstler aus der ganzen Welt wie etwa Banksy oder Dot Dot Dot haben sich hier verewigt. Nicht immer haben sie die Hauseigentümer vorher um Erlaubnis gefragt, meist wird ihr Tun aber toleriert. Nicht zuletzt deshalb hat sich in Stavanger eines der bedeutendsten Street-Art-Festivals Europas etabliert.

Bei einer Street-Art-Tour in Stavanger gibt es viel Kunst zu entdecken.


Mit einem modernen und komfortabel ausgestatteten Fjordline-Fährschiff geht es weiter nach Bergen. Kalt und regnerisch ist es in der mit rund 280.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Norwegens. Kein Wunder, gilt Bergen doch als die regenreichste Stadt Europas.

Viele verbinden mit Bergen den einst bedeutendsten Stützpunkt des mittelalterlichen Handelsbundes Hanse, der in der denkmalgeschützten Reihe bunter Holzhäuschen am Hafen im Bryggen-Viertel das beliebteste Fotomotiv des Ortes darstellt.

Mit dem Zug geht es ins Gebirge

Wir fahren mit der Bahn ins Gebirge nach Myrdal. Es geht wieder zurück in die Natur – ins abgeschiedene Wanderparadies rund um das Dorf Flåm. Nach einer Fahrt in der regulären Eisenbahn steigen wir in die Flåmbahn um. Der Nostalgiezug entschleunigt zwangsläufig, denn die engen Kehren zwischen Brücken und Tunneln lassen sich kaum schneller als mit 40 Stundenkilometern durchfahren.

Die zahllosen Tunnel wurden mühevoll und entbehrungsreich ab 1924 von Hand gebaut. Für wenige Meter benötigte man Monate, um sich durch den harten Fels zu pressen. Einige der 20 Tunnel waren erst nach zehn Jahren fertig. Doch als die rund 20 Kilometer lange Verbindung eröffnet wurde, gab es für diverse bis dahin total abgeschiedene Dörfer endlich eine schnelle Verbindung. Die Zeit der gefährlichen, extrem aufwendigen und endlos langen Reisen für Handel und anderes mehr war vorüber.

Heute bildet eine rund eine Stunde währende Tour im historischen Zug nach Flåm den Anfang einer Reise in eine der urwüchsigsten Gegenden Norwegens. Das Örtchen am Ende des Aurlandsfjords, eines Seitenarms des großen Sognefjords, hat zwar nur 350 Einwohner, bietet aber eine hervorragende, einheimisch geprägte Gastronomie und Hotellerie, die an Köstlichkeiten vorwiegend regionaler Küche kaum Wünsche offenlässt.

Bei eisigen Temperaturen erkunden Teilnehmer einer Tour mit dem RIB-Boot den Aurlandsfjord.


Einen besonders bleibenden Eindruck hinterlässt eine Tour mit einem RIB-Boot (schnelles Festrumpfschlauchboot) an den Fjordufern entlang. Wärmespeichernde und spritzwasserfeste Spezialoveralls lassen auch bei 40 Stundenkilometern die Kälte vergessen und machen es möglich, die Landschaft vom Wasser aus zu genießen.

Zum Aufwärmen gibt es ein Päuschen in Undredal, wo bester norwegischer Käse und andere Spezialitäten angeboten werden. Und abends geht’s auf ein Bier in die Mikrobrauerei Ægir. Ein Bier? Geboten werden fünf eigene Sorten.

Zum Aufwärmen gibt's heißen Fliederbeersaft

Gut, aber wo sind denn nun die Schneeschuhe? Im Begleitfahrzeug unserer Wanderergruppe auf dem Weg zum Aussichtspunkt Stegastein in Aurland. Wo man nur mit Schneeschuhen abseits von festen Wegen zu den schönsten Aussichtspunkten – natürlich mit Fjordblick – gelangt. Zum Aufwärmen ein heißer Fliederbeersaft aus der Thermosflasche gefällig? Aber klar. 

Wem das alles noch nicht schneereich genug war, der macht noch einen Abstecher nach Myrkdalen. Ein kleines, landschaftlich sehr reizvolles Skigebiet, wo es sich in herrlich unberührtem Schnee wandern lässt und auch rasante Abfahrten die Winterurlauber locken. Winterwandern in Norwegen – ein Spaß für Leute, die Urlaubsfreuden nicht unbedingt mit Sommer verbinden müssen.

Tipps für deine Reise nach Norwegen

Anreise: Flugverbindungen nach Aalborg gibt es von verschiedenen deutschen Städten über Amsterdam oder Kopenhagen. Die Fahrt mit der Fjord-Line-Fähre auf der Route Hirtshals-Stavanger ist eine Alternative zur längeren Bahnfahrtanreise von Oslo aus. Die Fahrt mit Transport des Autos sowie Übernachtung in der Innenkabine für zwei Personen ist ab 112 Euro buchbar.

Attraktionen:

  • NuArterkunden, die Teilnahme kostet 15 Euro pro Person.
  • Schneeschuhwanderungenzum Preikestolen-Plateau lassen sich für 121 Euro pro Person inklusive Transfer von und nach Stavanger buchen.
  • In Bergen ist eine Fahrt mit der Fløibanen auf Bergens Hausberg Fløien ein Muss.
  • Flåmsbanakostet 50 Euro (Hin- und Rückfahrt). Wer eine RIB-Boat-Tour durch die Fjordlandschaft unternehmen will, findet Angebote bei Fjordsafari ab 68 Euro pro Person.
  • Fjordtoursbietet Komplettangebote.

Die Reise wurde unterstützt von Fjord Line und der Region Fjordnorwegen. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.