Cottbus: Szenige Stadt und Treffpunkt von Osteuropa

Cottbus: Eine Szene-Stadt voller Kontraste

DDR-Plattenbau und Bürotower, Klassizismus und Street-Art, ausländerfeindliche Proteste und Buntes-Cottbus-Banner: Cottbus ist eine Stadt der Kontraste. reisereporter Christopher weiß, warum du mal hinsolltest.

Christopher Braemer
Der Cottbuser Altmarkt mit der 55 Meter hohen Oberkirche bildet durch seine Geschlossenheit und relative Einheitlichkeit ein eindrucksvolles Ensemble.
Der Cottbuser Altmarkt mit der 55 Meter hohen Oberkirche bildet durch seine Geschlossenheit und relative Einheitlichkeit ein eindrucksvolles Ensemble.

Foto: imago images/Rainer Weisflog

Die Konraste in Cottbus merkst du, wenn du zwischen jungen und alten, internationalen und lokalen Cottbusern die „Sprem“ entlangflanierst, wenn du vom Spremberger Turm auf industrielle Denkmäler blickst, wenn du vom historischen Altmarkt in die Stadtpromenade (den DDR-Kern) läufst oder wenn du dich von den gemütlichen Cafés der Innenstadt in einen Untergrund-Technokeller stürzt.

Cottbus ist eine Power-Stadt, die Energie beschränkt sich nicht nur auf die Ränge des Stadions der Freundschaft während eines Heimspiels, das macht sich im Nachtleben bemerkbar. Und wenn das Cottbusser Filmfestival startet, dann trifft sich Osteuropa in Brandenburg. Die Atmosphäre hat dann etwas von einer Weltstadt, in den Straßen hört man Englisch, Ukrainisch und Serbisch. 

Sehenswürdigkeiten und Museen in Cottbus

Die „Sprem“ ist der Ku’damm von Cottbus, die zentrale Ader der Altstadt lockt mit zahlreichen Cafés, Markständen, Restaurants und Bars. Und wenn du genau hinsiehst, entdeckst du Kunst im öffentlichen Raum in Form von Skulpturen und Wandmosaiken.

Der Aufstieg auf den Spremberger Turm ist das Erste, was du tun solltest, wenn du in Cottbus bist. Der alte Turm ist das Wahrzeichen der Stadt, aus 28 Metern Höhe kannst du an klaren Tagen bis weit in die Lausitz blicken. Und so lange knipsen, bis du müde bist und das Smartphone am liebsten runter auf die „Sprem“ schmeißen würdest. Es kann schon mal vorkommen, dass ein Cottbusser seiner Liebsten einen Heiratsantrag macht, hach…

Beliebtes Foto-Motiv: Aussicht vom Spremberger Turm.
Beliebtes Foto-Motiv: Aussicht vom Spremberger Turm. Foto: Christopher Braemer

Wenn du die Altstadt verlässt und ein Stück weitergehst, dann findest du dich inmitten von riesigen Plattenbauten wieder. Die Abrissbagger sind längst verschwunden, so auch der größte Teil der seit DDR-Zeiten denkmalgeschützten Stadtpromenade.

Cottbus ist ansehnlich für Nostalgiker, von der Ostmoderne ist noch etwas vorhanden – du musst nur wissen, wo. Eine kleine DDR-Parallelstadt findet sich im westlichen Zentrum, die Stadtpromenade war als modernes Zentrum geplant. Die Stadt an der Spree hat viele Wandel hinter sich, und wenn du in Cottbus unterwegs bist, spürst du die Kontraste zwischen Alt und Neu – vielleicht kommt dir auch ein Stilbruch vor die Linse.

Alt trifft auf Neu in Cottbus.
Alt trifft auf Neu in Cottbus. Foto: Christopher Braemer

Im östlichen Stadtzentrum herrscht Industrieflair: Wo früher Strom umgewandelt wurde, wohnen und werkeln heute Cottbusser und Ingenieure. Vorbei an der Wilhelmsmühle findest du im alten Dieselkraftwerk die Crème de la Crème der brandenburgischen Kunst, vor allem die Fotoausstellungen im Landesmuseum für moderne Kunst sind einen Besuch wert.

Die Gerberhäuser gleich nebenan mit ihren bunten Fachwerkfassaden gehören zu den ältesten der Stadt. Und: Der Branitzer Park mit seiner mystischen Seepyramide ist im Sommer eine einzige Liegewiese und einer der gemütlichsten Fleckchen in Brandenburg.

Der von Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) geschaffene, 530 Hektar große Landschaftspark im englischen Stil gehört zu den besonderen Anziehungspunkten von Cottbus.
Der von Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) geschaffene, 530 Hektar große Landschaftspark im englischen Stil gehört zu den besonderen Anziehungspunkten von Cottbus. Foto: imago images/Rainer Weisflog

Ist Cottbus etwas für dich?

Weltklasse-Ensemble, Wohnzimmerausstellungen und moderne Kunst locken neben industriellen Denkmälern. Kunst- und Kulturliebhaber kommen in Cottbus kaum zur Ruhe – und die nächtliche Clubszene ist überschaubar, aber für Überraschungen gut. So erfährst du zum Beispiel im Wendischen Museum vieles über die sorbisch-wendische Vergangenheit, wenn es seine Türen wieder öffnet.

Ausgehtechnisch ist einiges drin in der Stadt an der Spree. Zwischen schicken Cocktailbars in der Altstadt, einem Tresen in der Stadtmauer und trashigen Kneipen in der Friedrich-Ebert-Straße tanzt Cottbus im Untergrund. Studenten und Cottbusser Weltenbummler engagieren sich im Nachtleben und locken mit Raves im Keller eines Plattenbaus und an einem Strand an der Spree.

Cottbus: Anreise und Mobilität

Mit dem Zug erreichst du Cottbus überraschend schnell, weniger als anderthalb Stunden braucht der RE2 bis zum Hauptbahnhof. Dann bist du auch schon fast in der Innenstadt, wo das Wichtigste fußläufig zu erreichen ist. Ein Bus führt dich zur Pyramide im Branitzer Park oder zum Heimspiel im Stadion der Freundschaft. Alternativ kannst du dir kostengünstig ein Fahrrad leihen. Und für die perfekte Cottbus-Safari kannst du dir auch gleich ein rotes Trabi-Cabrio mieten.

Tipps: Übernachten in Cottbus

Ob Airbnb-Apartment, Viersternehotel im Zentrum oder billige Absteige in der Neustadt, die Auswahl ist groß. Ein echter Geheimtipp für die Nacht in Cottbus ist Couchsurfing. Mit knapp 1.500 Hosts hat Cottbus die zweitmeisten Gastgeber in Brandenburg (nur in Potsdam gibt es mehr – etwa 3.500).

Das unterstreicht die weltoffene Seele der Stadt. Falls du deinen Cottbus-Trip ungebunden von einem Couchsurfing-Host planen willst, dann findest du viele Optionen. Und vielleicht zeigt dir ein Cottbusser seine Lausitzer Heimat.

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