Weihnachten mit der Familie – das kann wunderbar sein, aber auch wunderbar anstrengend. Denn es ist jene Zeit im Jahr, in der es in Familien am häufigsten kracht. Die Kombination aus Stress, Erwartungshaltungen, plötzlicher Nähe und dem Druck nach Harmonie kann verheerend sein.

Seid ihr dann auch noch zusammen im Urlaub, kann die vermeintlich schöne Familienauszeit richtig in die Hose gehen. Was hilft, sind ein paar kleine Grundregeln im Weihnachtsurlaub mit der Familie und Tipps fürs richtige Streiten, falls es doch mal krachen sollte.

1. Erwartungen niedrig halten

Auch wenn es niemand bewusst plant, aber: Erwartungen ans Weihnachtsfest sind meist hoch. Viele Eltern wünschen sich, dass alles perfekt wird – vor allem dann, wenn sie dich eine Weile nicht gesehen haben. Da kann es dann passieren, dass von Anfang an ein gewisser Druck spürbar ist, der allen Beteiligten das Gefühl gibt: Es muss perfekt werden.

Genau das macht die Situation aber unentspannt. Deshalb ist es wichtig, Erwartungen niedrig zu halten – und das auch zu kommunizieren. Wenn du spürst, dass deine Eltern sich reinsteigern, sprich mit ihnen und gib ihnen das Gefühl, dass alles gut ist, auch ohne Perfektion.

Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. (Symbolbild)

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2. Kleine Auszeiten nehmen

Haben deine Eltern dich eine Weile nicht gesehen, kann es passieren, dass sie all ihre Sehnsucht nach dir in den Weihnachtsurlaub legen. Dann haben sie das Bedürfnis, alles nachzuholen – und der Druck steigt. Denn während sie jede Minute mit dir zusammen sein möchten, brauchst du auch Zeiten für dich allein, in denen du Serien streamen oder einfach nur chillen möchtest.

Wenn ihr das nicht thematisiert, wird es krachen. Deine Eltern sind sauer, weil du offenbar keine Zeit mit ihnen verbringen möchtest – und du drehst durch, weil sie dir keine Ruhe lassen. Umso wichtiger ist es, von vornherein klar zu sagen, dass du kleine Auszeiten brauchst: den Spaziergang am Strand, den Stadtbummel ohne sie, den Abend auf der Couch.

3. Quetscht nicht alles in den Urlaub

Gerade, wenn man sich übers Jahr nicht so oft sieht, gilt es natürlich, die Feiertage ausnutzen. Der größte Fehler, den Familien machen, ist es jedoch, alles in die Weihnachtszeit zu quetschen, was augenscheinlich unterm Jahr zu kurz kam. Packt deine Mama dann gefühlt hundert Fotoalben aus und Papa seine neue Spielesammlung, solltest du die Handbremse ziehen.

Mach vorab klar, dass du die Zeit mit ihnen genießen möchtest, aber eben nicht rund um die Uhr. Wichtig ist auch, dass ihr euch zusammen Momente der Ruhe gebt, in denen nicht permanent gequasselt wird, ganz egal ob das ein gemeinsamer Abend vor dem Fernseher ist oder ein Spaziergang, den ihr (fast) schweigend genießt.

Familie vor Weihnachtsbaum. (Symbolbild)

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4. Vermeidet alte Konflikte

Mama war schon immer die Königin der Ordnung, während du im Team Chaos spielst? Im Weihnachtsurlaub, wenn euer gemeinsamer Raum stark begrenzt ist, können alte Konflikte leicht wieder hochkommen. Wenn dann auch noch der Druck dazukommt, dass an Weihnachten alles perfekt sein muss, kann es leicht zwischen euch krachen.

Deshalb solltet ihr kompromissbereit sein. Im Falle des Ordnungsproblems könnte das so aussehen: In gemeinsamen Räumen bemüht sich jeder, im eigenen Zimmer darf jeder so agieren, wie er möchte.

5. Nehmt eure Stimmungen wahr

Menschen sind unterschiedlich und reagieren verschieden auf Situationen. Während du direkt nach der Ankunft im Chill-Modus bist, ist deine Mama vielleicht noch im Weihnachtsstress und denkt jede Minute daran, was sie alles noch planen und durchdenken muss, damit euer Fest besonders toll wird.

Dann trifft Team #relaxt auf Team #panisch – und es wird zwangsläufig krachen. Für viele Menschen ist der abrupte Wechsel von der hektischen Vorweihnachtszeit zu einer ruhigen Phase schwer. Deshalb solltest du verständnisvoll sein – und versuchen, dich in die Stimmung der anderen einzufühlen.

Kinder schmücken Weihnachtsbaum. (Symbolbild)

Das Problem: Wenn der eine völlig relaxt auf dem Sofa hängt, der andere aber nicht runterkommt, sind Spannungen vorprogrammiert. Redet darüber und versucht, euch langsam anzunähern.

6. Richtig streiten – so geht’s:

1. Die Grundlage kennen

Streiten gehört zu jeder Beziehung. Im Idealfall hilft ein Zwist dabei, Unstimmigkeiten zu klären – und das stärkt eine Beziehung, egal ob zum Partner, zur besten Freundin oder in der Familie. Doch man muss sich vor jedem Streit klarmachen: Man streitet miteinander – nicht gegeneinander.

Ein konstruktiver Streit ist nur der, aus dem ihr beide als Gewinner hervorgeht, weil ihr euch verstanden fühlt und vor allem: gemeinsam eine Lösung gefunden habt.

2. Andere Argumente zulassen

In einem Streit kann man sich so hochschaukeln, dass man den Blick für den anderen verliert. Dann kämpft man so verbissen für sein Recht, dass man nicht mehr über den Tellerrand schaut und das Gespür für sein Gegenüber verliert. Doch so kann man nicht streiten! Hab deshalb immer ein Ohr für Argumente anderer und schmettere sie nicht ab.

Familienstreit an Weihnachten. (Symbolbild)

3. Sich selbst hinterfragen

Auch wenn man es sich ungern eingesteht, aber manchmal liegt die Ursache eines Streites nicht beim anderen. Deshalb ist es wichtig, in sich hineinzuhören und herauszufinden, woher der Wunsch kommt, dass es kracht. Vielleicht nur, um Druck abzulassen?

Selbstreflexion ist wichtig. Horche in dich hinein und finde heraus, warum du streiten möchtest! Erst wenn du dir sicher bist, dass es auch einen anderen betrifft, kannst du es ansprechen.

4. Nicht vor einem Streit davonlaufen

Oft neigt man dazu, einer Streitsituation entfliehen zu wollen. Doch defensives Verhalten ist kontraproduktiv in einer Streitsituation. Gibt es ein Problem, dann müsst ihr die Ursache finden. Fliehst du hingegen vor dem Streit, erreichst du lediglich Stillstand. Auch nachgeben, um den Streit abzukürzen, bringt nicht viel.

Dieser Frieden ist nur von kurzer Dauer. Wenn du deine eigenen Bedürfnisse leugnest, um es dem anderen rechtzumachen, erreichst du keine Lösung des Konflikts, sondern nur noch mehr Groll.

Familie beim Weihnachtsessen. (Symbolbild)

5. Verletzungen vermeiden

Streit hat immer zwei Gesichter: Er kann Bedürfnisse klären – er kann aber auch tief verletzen. Je länger man einen Menschen kennt, umso besser kennt man auch seine Schwachstellen und weiß, wo man richtig treffen kann. Mach dir immer bewusst, mit wem du da streitest – und wie sehr du austeilen willst. Manche Verletzungen sind so schwer, dass man sie nicht mehr heilen kann.