Mecklenburgische Seenplatte, Ostseeküste und Mecklenburgische Schweiz – das nordöstlichste deutsche Bundesland ist für Naturfans ein Paradies. Aber auch für geschichtlich Interessierte: Mehr als 2.000 Schlösser, Burgen und Gutshäuser zeugen vom Adel, der in dem Land einst residierte oder es noch heute tut.

Wie Familie Hahn in der Wasserburg Liepen im gleichnamigen 300-Einwohner-Dorf nordöstlich des Malchiner Sees. Deren Vorfahren lebten 21 Generationen lang im nahen Schloss Basedow und hatten eine Leidenschaft: die Zucht von Pomeranzen, heute besser bekannt als Bitterorangen.

Pomeranze wuchs in den Orangerien

Die Pomeranze gedieh vornehmlich unter Glasdächern, den sogenannten Orangerien. Die anspruchsvolle Pflanze galt als „goldener Apfel der Fürstenhäuser“. Aus ihr gewann man sowohl Duftessenzen als auch eine trinkbare „Tinctura ad longam vitam“ – also eine Tinktur für ein langes Leben. Ob auch die Vorfahren von Hubertus Graf Hahn von Burgsdorff und seiner Frau Verena zu den Tinktur-Herstellern zählten, ist nicht bekannt.

Dennoch beschloss das Paar 2009, der Pomeranzen-Vorliebe der Ahnen ein Denkmal zu setzen – und fand ein mehrere Generationen altes „Tinctura“-Rezept. Dieses ist die Grundlage für die Alte Pomeranze, die die Familie gemeinsam mit zwei Mitarbeitern in Handarbeit produziert.

Zutaten des Bitterlikörs sind geheim

Woraus genau der 38-prozentige Bitterlikör besteht, ist geheim – neben getrockneten Pomeranzenschalen sollen es die Extrakte diverser Kräuter, Wurzeln und Gewürze sein, die in Verbindung mit Alkohol in drei bis fünf Monaten in Stahlfässern heranreifen.

Wie lebensverlängernd die Alte Pomeranze am Ende wirkt, ist vermutlich eine Frage des Konsums – die Bitterstoffe im Likör sollen sich in Maßen genossen positiv auf die Verdauung auswirken. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann an einer der Kulturveranstaltungen inklusive Verkostung teilnehmen, die die Hahnsche Gutsmanufaktur mehrmals im Jahr anbietet.