Deutsche Bahn: Keine Entschädigung für Passagiere mehr bei Unwetter?

Deutsche Bahn: Keine Entschädigung mehr bei Unwetter?

Der Zug kommt wegen eines Unwetters nicht pünktlich: Bislang hatten Bahnreisende dann Anspruch auf Entschädigung. Doch „höhere Gewalt“ könnte schon bald kein Grund mehr dafür sein. Das fordern die EU-Staaten.

Anzeige am Stuttgarter Bahnhof.
Wenn auf der Anzeige eine Verspätung nach der anderen angezeigt wird: Bei Unwetter gibt es bisher für betroffene Passagiere das Geld zurück. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Eibner

Gerade zur ungemütlichen Jahreszeit müssen Bahnreisende immer wieder mit Verzögerungen oder gar Ausfällen auf der Schiene rechnen. Das Gute: Unwetter gilt als höhere Gewalt – die Deutsche Bahn muss dann unter Umständen ihre Fahrgäste entschädigen.

Daran wird allerdings gerade auf EU-Ebene gerüttelt. Die EU-Verkehrsminister haben sich am Montag darauf geeinigt, in Fällen von höherer Gewalt Bahnunternehmen von der Entschädigungspflicht zu befreien. Darüber berichtet das „RND“.

EU: Bahngäste könnten bald keine Entschädigung mehr bei Unwetter bekommen

Spruchreif ist das noch nicht, das EU-Parlament muss darüber noch beraten und entscheiden. Von Verbraucherschützern hagelt es Kritik: Der Chef der Bundeszentrale Verbraucherverband, Klaus Müller, warf den Ministern vor, damit die Fahrgastrechte einzuschränken.

Befürworter hingegen sprechen von „fairen Wettbewerbungsbedingungen“ für alle Verkehrsträger. Die EU-Kommission hatte schon 2017 den Vorschlag gemacht mit der Begründung, dass Bahnunternehmen nicht für etwas zahlen müssen sollten, was sie nicht verhindern könnten, eben beispielsweise im Falle von extremen Wetterbedingungen. 

Bahn soll wie Airlines behandelt werden: Kein Geld zurück bei schlechtem Wetter?

Die Handhabe kennst du vielleicht von Flügen: Dort zählen Verspätungen oder Annullierungen aufgrund von widrigen Wetterbedingungen per Gesetz (Artikel 5 Absatz III Verordnung (EG) Nr. 261/2004) zu außergewöhnlichen Umständen, bei denen Airlines Kunden nicht entschädigen müssen. Das gilt beispielsweise bei unplanbaren Wetterphänomenen und Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen oder starken Unwettern wie Stürmen.

Das sind die Rechte von Bahnpassagieren

Bis die Entscheidung tatsächlich gefällt wird, kannst du ab einer Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof in einen anderen Zug steigen oder aber ab einer erwarteten Verspätung am Ziel von mehr als 60 Minuten eine Erstattung einforden. Deine genauen Rechte erklären wir dir in diesem Überblick.

Besprochen wurde am Montag in Brüssel auch, dass Bahnunternehmen künftig die Reisenden besser über ihre Rechte informieren sollen, beispielsweise per Informationsdruck auf dem Ticket. Auch das Mitnehmen von Fahrrädern soll erleichtert werden.

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