Der November bedeutet für Venedig einen tragischen Punkt in der Geschichte der prunkvollen Lagunenstadt: Bis zu 187 Zentimeter über normal stand das Wasser. Es flutete Restaurants, beschädigte historische Bauten wie den Markusdom und forderte sogar zwei Menschenleben.

Klare Worte fand Bürgermeister Luigi Brugnaro, der die Naturkatastrophe als Folge des Klimawandels bezeichnete. Einige Umweltschützer und Bürger Venedigs stellen sich jedoch nicht unbedingt auf seine Seite: Sie forderten am Sonntag bei einem Protestmarsch unter anderem den Rücktritt Brugnaros und demonstrierten gegen die Kreuzfahrtbranche. Das berichtete der italienische „The Local“.

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Tausende protesieren gegen Kreuzfahrt und Millionen-Flutschutzprojekt in Venedig

Zwischen zwei- und dreitausend Menschen zogen mit Transparenten durch die Straßen. „No Mose“ prangte unter anderem auf den Plakaten – ein direkter Bezug auf das von Luigi Brugnaro unterstützte und stark umstrittene Flutschutzprojekt.

Das Sturmflutsperrwerk soll ab 2021 vor dem Acqua Alta schützen, der Bau verzögert sich jedoch seit Jahren. Mehrere Millionen Euro flossen bereits seit 2003 in den Bau – überschattet von Korruptionsskandalen.

Demo: Kreuzfahrtschiffe und Hochwasser bedrohen Venedig

Nicht nur aus diesem Grund für viele Bürger, die Jahr um Jahr mit den Folgen des Hochwassers zu kämpfen haben, ein Protestgrund. Für den Zustand der von der Unesco geschützten Stadt machen sie auch den Kreuzfahrttourismus verantwortlich. 

Die Wellen der einlaufenden Schiffe würden das Erodieren des Stadtfundaments verschlimmern – es wurde größtenteils auf dem matschigen und sandigen Boden von mehr als 100 Inseln erbaut. Da die Lagunenstadt aufgrund dessen und wegen des steigenden Meeresspiegels zu versinken droht, verlangen Kreuzfahrt-Gegner ein Verbot der Pötte.

Abgesehen vom Klimawandel würde damit für sie ein großer Faktor des Overtourism gestrichen. Schätzungsweise kommen jährlich 36 Millionen Touristen – Tausende Kreuzfahrtpassagiere fallen dann regelrecht in die Altstadt ein. Diskutiert wird – vom Bürgermeister selbst vorgeschlagen – eine Wegleitung der Schiffe aus dem Zentrum.