Alkoholfrei reisen: Warum nüchterner Urlaub ein Trend werden könnte

Alkoholfrei reisen: Wird nüchterner Urlaub ein Trend?

Pubcrawls, Weinverkostung, Trinkspiele im Hostel: Auf Reisen spielt Alkohol oft eine große Rolle. Wer nüchtern bleiben will, wird schnell aus sozialen Aktivitäten ausgeschlossen – oder muss hartnäckig sein.

Menschen prosten sich bei einer Weinverkostung zu.
Zum Wohle! Aber tatsächlich zum Wohle aller? Auf der Reise eine Trinkpause einzulegen, ohne dabei geselliges Zusammensein zu verpassen, kann schwer sein. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Cavan Images

Ein Glas Vino auf einem Weingut in der Toskana, Pubcrawl in Prag, Whiskey-Touren in Schottland oder das Oktoberfest in München – selbst ganze Hotels widmen sich dem Alkoholkonsum. Für viele gehört ein guter Drink zum Urlaubsgefühl dazu. Das kann in vielen Ländern auch ein Stück Kultur bedeuten und für Gespräche mit den Einheimischen sorgen.

Wird zu tief ins Glas geguckt, kann das gesellige Trinken aber auch im Besäufnis enden und eskalieren. An Orten wie Mallorca hat der „Sauftourismus“ schon längst einen bitteren Beigeschmack. Nicht nur für Hoteliers ist es mittlerweile ein echtes Problem, wenn Touristen über die Stränge schlagen. Im schlimmsten Fall droht den Trunkenbolden der Rauswurf – wenn sie sich nicht sogar selbst in Gefahr bringen.

Dabei können Urlauber auch eine gute Zeit ganz ohne Bier, Wein oder Schnaps haben. Gibt es für Nüchternbleiber sogar ein Angebot?

Auf Reisen nüchtern sein: Junge Menschen greifen seltener zum Alkohol

„Sober tourism“, also Reisen für Alkohol-Abstinente, könnte sich als neue Nische entwickeln, schreibt das Reisemagazin „Skift“. Denn wer Nein zum Trinken sagt, wird damit leider oft automatisch von vielen sozialen Events auf Reisen ausgeschlossen oder fühlt sich in der Runde deplatziert.

Eine Gruppe von Leuten, die Beer-Pong spielt.
Beer-Pong gehört in vielen Hostels zum Pflichtprogramm. Dabei lernst du leicht neue Leute kennen, insofern du Lust auf Trinkspiele hast. Foto: unsplash.com/Blake Lisk

Der aufkeimende Reisetrend zum Nüchternsein deckt sich auch mit den aktuellen Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Zwar gaben 33,4 Prozent der befragten 18- bis 25-Jährigen an, regelmäßig Alkohol zu konsumieren. Dafür gibt es bei der Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen einen historischen Tiefstwert: Nur  8,7 Prozent trinken regelmäßig alkoholische Getränke.

Bei der heranwachsenden Reisegeneration scheinen Spirituosen offenbar out zu werden. Nachhaltigkeit und ein gesunder Lebensstil rücken in den Vordergrund. Und auch bei Älteren erfreuen sich Trends wie (Digital) Detox in Yoga- und Wellness-Retreats großer Beliebtheit – Stichwort Selfcare. Momente klar erleben und am nächsten Morgen ohne Kater aufwachen – das sind für viele zwei mögliche Gründe, um nüchtern zu bleiben.

Detox, Retreats und Selfcare: Trips ganze ohne Kater und Alkohol-Delirium

Darüber hinaus gibt es auch Menschen, die gegen ihre Alkoholsucht ankämpfen müssen – 1,77 Millionen Männer und Frauen zwischen 18 und 64 sollen nach Zahlen der „Aktionswoche Alkohol“ in Deutschland alkoholabhänig sein. Damit sich der alkohlfreie Urlaub nicht wie eine zwanghafte Entzugskur anfühlt, bieten erste Veranstalter entsprechende Trips an. 

So zum Beispiel die Spanien-Auswanderin Lauren Burnison, die im andalusischen Ronda mit ihrem Unternehmen „We Love Lucid“ ab 2020 spezielle Rundum-Pakete ganz ohne Alkohol anbieten möchte. Outdoor, Kultur und Kulinarik – das geht Lauren zufolge auch ganz ohne Wein und Co. Keine ganze Reise, dafür aber einzelne alkoholfreie Aktivitäten zeigt dir die Loosid-App auf.

Tipps für einen alkoholfreien Urlaub

Falls du den nächsten Urlaub alkoholfrei verbringen möchtest – aus welchen Gründen auch immer –, hat der reisereporter ein paar hilfreiche Tipps für dich:

  • Wähle ein Reiseziel, an dem Alkohol aus religiösen oder kulturellen Gründen untersagt ist. Wie wäre es mit Jordanien oder Marokko?
  • Recherchiere nach Unterkünften, die sich mit Gesundheit – sowohl körperlicher als auch geistiger – befassen.
  • Wähle Outdoor-Aktivitäten statt Bar-Hopping.
  • Ziehe Individualreisen wie Roadtrips einem All-inclusive-Urlaub in einer festen Reisegruppe vor.
Mal abgesehen davon tust du dann nicht nur deiner Gesundheit etwas Gutes, sondern auch deiner Urlaubskasse. Während wir in Deutschland oder bei den Nachbarn Polen und Tschechien niedrige Preise gewohnt sind, kann der Alkohol außerhalb Europas ordentlich zu Buche schlagen. Beispielsweise in Australien, wo die Alltagsdrogen Alkohol und Tabak hoch besteuert werden.
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