Terror und Katastrophen: Wie gefährlich werden Reisen im Jahr 2020?

Wie gefährlich werden Reisen im Jahr 2020?

In welche Länder Touristen im Jahr 2020 lieber nicht reisen sollten, zeigt die „Travel Risk Map“. Aber: Wird das Reisen generell gefährlicher? Der reisereporter hat die Experten von International SOS gefragt.

Polizist schaut auf den Strand am Touristen-Hotspot Ballermann in El Arenal. Wird das Reisen risikoreicher?
Polizist schaut auf den Strand am Touristen-Hotspot Ballermann in El Arenal. Wird das Reisen risikoreicher?

Foto: imago images/MiS

Terroranschläge in Touristenhochburgen, Naturkatastrophen in Badeorten: Viele Reisende sind verunsichert, und die Angst wird immer häufiger zum ständigen Begleiter im Urlaub. Gefühlt wird die Welt immer unsicherer. Aber: Wie hoch ist das Risiko, fern der Heimat bei Anschlägen, politischen Unruhen, Naturkatastrophen oder Unfällen verletzt zu werden, wirklich?

Die reale Gefahr und die gefühlte Gefahr sind tatsächlich zwei ziemlich verschiedene Dinge. „Die Welt ist im Jahr 2019 nicht sicherer, aber auch nicht unsicherer geworden“, sagt Martin Bauer, Regional Security Manager Deutschland und Österreich von International SOS, im Gespräch mit dem reisereporter. Das Unternehmen ist Herausgeber der „Travel Risk Map“.

Politische Gewalt, Terrorismus und soziale Unruhen beeinflussen die Reisesicherheit.
Politische Gewalt, Terrorismus und soziale Unruhen beeinflussen die Reisesicherheit. Foto: Travel Risk Map (Screenshot)

Allerdings sei die Welt viel besser vernetzt als früher – „jeder Vorfall landet innerhalb von Sekunden auf Twitter“. Das habe zur Folge, dass Risiken ständig präsent seien und Reisende sowie Unternehmen sich viel mehr mit ihnen beschäftigen.

Somit steige auch die Wahrscheinlichkeit, dass Sicherheitsrisiken zu Änderungen im Reiseverlauf führen, deutlich an, so Bauer. Sie liegt den Prognosen zufolge im Jahr 2020 bei 68 Prozent (ein Plus von 23 Prozent).

Welche Gefahren und Risiken lauern im Jahr 2020?

Das Auswärtige Amt warnt schon seit einigen Jahren vor der weltweiten Gefahr terroristischer Anschläge und von Entführungen – vor allem an Orten mit Symbolcharakter: etwa an Bahnhöfen und in Flugzeugen, in Hotels, auf Märkten und religiösen Stätten.

Der Grad der terroristischen Bedrohung sei jedoch von Land zu Land unterschiedlich. Eine konkrete Reisewarnung gibt die Behörde aus für Afghanistan, Jemen, Libyen, Somalia, Südsudan und Syrien. Für weitere 19 Länder gibt es eine Teilreisewarnung.

International SOS bewertet in der aktuellen „Travel Risk Map“ für das Jahr 2020 14 Länder anders als in der vergangenen Ausgabe. Gestiegen ist das Sicherheitsrisiko in Grenzgebieten in Afrika, konkret in Regionen beziehungsweise Städten in Burkina Faso, Kongo, Libyen und Mosambik sowie in Belize und Honduras in Mittelamerika.

Diese Ereignisse haben Einfluss auf die Reiserisiken 2020

Die vielen Hochstufungen in afrikanischen Ländern hingen vor allem damit zusammen, sagt Martin Bauer, dass „extremistische Gruppen dort aktiver werden“ – zum Beispiel an der Grenze von Mali und Burkina Faso oder dem Kongo und der Zentralafrikanischen Republik.

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Anlässlich der Massenproteste in Hongkong erreichen sowohl den reisereporter als auch International SOS Anfragen. Hier sagt Experte Bauer: „Man kann weiter nach Hongkong reisen.“ Jedoch sollten Reisende sich laufend über die Hotspots der Proteste informieren, beispielsweise über eine lokale App. 

Die Evakuierungsstufe in der chinesischen Sonderverwaltungszone wurde erhöht: „Unternehmen sollten sich Gedanken darüber machen, wie eine Evakuierung ihrer Mitarbeiter im Falle einer Eskalation aussehen würde“, so Bauer. Aktuell sei das Risiko aber gering, dass beispielsweise die chinesische Armee einmarschiere.

In diesen Ländern sinken die Sicherheitsrisiken 2020

Heruntergestuft wurde das Sicherheitsrisiko in zwei Ländern: Nicaragua und Teile Mexikos. Die Lage in Mexiko bezeichnet Bauer jedoch als „sehr dynamisch“. „Während die Regierung in einigen Teilen härter gegen die Drogenmafia vorgegangen ist und die Sicherheitskräfte verstärkt eingesetzt werden, sieht die Lage in anderen Ecken schon wieder ganz anders aus.“ In den touristischen (Strand-)Orten sei die Lage jedoch „recht sicher“.

In Nicaragua gebe es weniger opportunistische Gewalt gegen Ausländer. Aber: „Gleichzeitig sehen wir einen Anstieg sexueller Übergriffe auf Frauen.“ Auch in anderen Ländern sei das Risiko dafür vergleichsweise hoch, unter diesen sind Südafrika und Indien. „Wir raten allen Reisenden, speziell allein reisenden Frauen, beispielsweise dazu, nicht mit den Minibus-Taxis zu fahren“, so Bauer.

Das Risiko für Naturkatastrophen steigt

In Bezug auf Naturkatastrophen rechnen die Experten von International SOS hingegen mit einer steigenden Tendenz. Ein Beispiel: Die Stärke der Hurrikans habe, bedingt durch den Klimawandel, zugenommen.

Die Wahrscheinlichkeit von Evakuierungen nehme daher zu, und das Reisen werde während der Saison risikoreicher, so Bauer. Die Gefahrengebiete seien allerdings schwer vorhersagbar.

Medizinische Risiken sind höher als die Gefahr von Terror

Genau wie Terroranschläge sorgen Naturkatastrophen für eine hohe Aufmerksamkeit auf der Welt. Allerdings sei das Risiko sehr viel höher, wegen eines ganz anderen Faktors die Reise abbrechen zu müssen: „Die Statistiken zeigen, dass vor allem Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Thrombosen dazu führen, dass Patienten evakuiert werden müssen“, sagt Dr. Stefan Eßer, der ärztliche Leiter Zentraleuropa bei International SOS. Ebenfalls hoch sei der Anteil von Unfällen im Straßenverkehr.

Die Sterblichkeitsrate bei Verkehrsunfällen ist vor allem in vielen Teilen Afrikas sehr hoch.
Die Sterblichkeitsrate bei Verkehrsunfällen ist vor allem in vielen Teilen Afrikas sehr hoch. Foto: Travel Risk Map (Screenshot)

Das Risiko, bei einem Unfall tödlich zu verunglücken, ist jedoch beispielsweise in afrikanischen Ländern deutlich höher als in Europa. So sterben statistisch gesehen auf dem Kontinent pro 100.000 Einwohner 26,6 Menschen bei Verkehrsunfällen, so viele wie auf keinem anderen Kontinent. Zum Vergleich: In Europa liegt der Wert bei 9,3.

Infektionskrankheiten: Risiko in Zentralafrika hoch

Auch die Wahrscheinlichkeit, an einer gefährlichen Infektion zu erkranken, ist außerhalb von Europa höher. Als die „drei großen Killerkrankheiten“ bezeichnet Dr. Eßer Schlafkrankheit, Malaria und Tuberkulose. Das Malaria-Risiko sei in Westafrika sehr hoch – zum Beispiel in Mali, Senegal und Kongo. Aber, auch hier relativiert Dr. Eßer: Der Anteil an Infektionskrankheiten als Grund für eine Evakuierung gehe zurück.

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